Tomaten und Paprika gelten als wärmeliebende Gemüsearten. Der Sommer 2026 hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass auch wärmeliebende Pflanzen eine obere Grenze haben.
Hitze, Trockenheit und intensive Sonneneinstrahlung können zu ausbleibendem Fruchtansatz, Sonnenbrand und Wachstumsstörungen führen. Die Bayerische Gartenakademie berichtete 2026 unter anderem über Blütenabwurf und verstärkte Blütenendfäule bei Tomaten, Paprika und Zucchini.
Mehr Wärme bedeutet nicht automatisch mehr Tomaten
Früher hätte ich gedacht: Je wärmer der Sommer, desto besser für Tomaten. Inzwischen sehe ich das deutlich differenzierter.
Bei Temperaturen deutlich über 30 °C kann die Befruchtung schlechter funktionieren. Die Bayerische Gartenakademie beobachtete 2026, dass Blüten während besonders heißer Phasen teilweise keine Früchte ansetzten.
Typische Folgen extremer Hitze können sein:
- Blüten fallen ab
- Früchte bleiben aus
- Blätter rollen sich ein
- Pflanzen wachsen langsamer
- Früchte bekommen Sonnenbrand
- Blütenendfäule tritt häufiger auf
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Pflanze krank ist.
Blütenendfäule ist nicht einfach Kalziummangel im Boden

Schwarze, eingesunkene Stellen am unteren Ende einer Tomate werden häufig sofort mit Kalk oder Kalziumdünger behandelt. Das Problem ist jedoch oft komplizierter.
Blütenendfäule entsteht, wenn nicht genügend Kalzium in die wachsenden Fruchtzellen transportiert wird. Ungleichmäßige Wasserversorgung, Hitze, Wurzelschäden und Stress können diesen Transport beeinträchtigen.
Deshalb versuche ich heute zuerst, die Wasserversorgung gleichmäßiger zu halten.
Wichtig sind:
- keine extremen Wechsel zwischen trocken und nass
- gesunde Wurzeln
- ausreichend großer Wurzelraum bei Kübelpflanzen
- Schutz schwarzer Töpfe vor Überhitzung
- Mulch auf dem Beet
Mehr Dünger ist nicht automatisch die Lösung.
Schwarze Pflanzgefäße wurden zum Problem
Bei Kübeltomaten und Paprika unterschätzen wir leicht, wie heiß ein Topf in direkter Sonne werden kann. Während die Lufttemperatur bereits hoch ist, kann sich der Wurzelbereich zusätzlich stark aufheizen.
Das ist für mich einer der Gründe, Kübel heute anders zu stellen. Besonders dunkle Gefäße würde ich während extremer Hitze nicht stundenlang ungeschützt in die pralle Nachmittagssonne stellen.
Mögliche Lösungen sind:
- größere Gefäße
- helle Übertöpfe
- Beschattung der Topfwand
- Gruppenstellung mehrerer Kübel
- Mulch auf der Substratoberfläche
Die Wurzeln werden beim Hitzeschutz oft vergessen.
Die Blätter sollten Früchte teilweise beschatten dürfen

Bei Tomaten habe ich früher teilweise sehr viele Blätter entfernt. Das sorgt zwar für Luftbewegung, kann Früchte aber gleichzeitig stärker der direkten Sonne aussetzen.
Heute entferne ich Blätter gezielter. Krankes oder unnötig dichtes Laub kommt weg, aber eine gesunde Blattdecke kann während extremer Sonneneinstrahlung durchaus Schutz bieten.
Der richtige Mittelweg hängt vom Standort ab.
Bohnen litten ebenfalls
Nicht nur klassische Fruchtgemüse reagierten auf die extremen Bedingungen. Die Bayerische Gartenakademie beschreibt bei Bohnen eingerollte und vertrocknende Blattränder sowie Probleme bei der Bestäubung während Hitzephasen.
Das zeigt für mich, dass „wärmeliebend“ ein gefährlich vereinfachtes Etikett ist.
Fast jede Kultur besitzt einen Temperaturbereich, in dem sie optimal funktioniert. Oberhalb davon beginnt Stress.
Aussaattermine müssen flexibler werden
Ich glaube, dass wir auch unsere Kalender neu betrachten müssen.
Viele Aussaatempfehlungen basieren auf langjährigen Durchschnittswerten. Wenn extreme Hitze genau in die Blüte oder Fruchtbildung fällt, kann der Ertrag trotzdem leiden.
Eine mögliche Strategie ist deshalb, Risiken zu verteilen:
- mehrere Sorten anbauen
- unterschiedliche Reifezeiten wählen
- nicht alles am selben Tag aussäen
- frühe und spätere Pflanztermine ausprobieren
- einen Teil der Kulturen im Halbschatten testen
Damit gewinnt nicht automatisch jede Pflanze.
Aber der gesamte Garten hängt weniger von einem einzigen kritischen Zeitraum ab.
Welche Gemüsearten litten 2026 besonders unter Hitze und Trockenheit?

Aus Garten- und Landwirtschaftsberichten ließen sich unter anderem Probleme bei folgenden Kulturen erkennen:
- Tomaten
- Paprika
- Zucchini
- Bohnen
- Kartoffeln
- Zwiebeln
- Mais
Bei Kartoffeln beeinträchtigten Hitze und fehlendes Wasser insbesondere das Größenwachstum der bereits angelegten Knollen. Bei Zwiebeln führte Wassermangel während der Bulbenbildung regional zu kleineren Zwiebeln.
Was ich für 2027 anders planen würde
Ich würde Fruchtgemüse nicht mehr ausschließlich danach platzieren, wo die meisten Sonnenstunden vorhanden sind.
Stattdessen würde ich unterscheiden zwischen:
- Morgensonne
- heißer Nachmittagssonne
- geschützten Lagen
- reflektierender Hitze an Mauern
- windigen Bereichen
- zeitweise beschatteten Beeten
Eine Tomate braucht viel Licht.
Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie an einem extremen Julitag jede Minute direkte Sonne benötigt.
Fazit
2026 hat gezeigt, dass unser klassisches Bild vom „sonnenhungrigen Sommergemüse“ zu einfach geworden ist. Hitze kann genauso zum Stressfaktor werden wie Kälte.
Für mich bedeutet klimaangepasster Gemüsebau deshalb nicht nur mehr Bewässerung. Es bedeutet auch Schatten, angepasste Sorten, gesunde Böden und eine flexiblere Planung der Saison.
Quellen
- Die Tomatenernte beginnt (lwg.bayern.de)
- Tomato disorders (extension.umn.edu)
- Schäden im Garten durch Sonne und Hitze (lwg.bayern.de)

