Amaranthaceae
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Amaranthaceae: vielseitige Pflanzenfamilie zwischen Gemüsebeet, Trockenstandort und Blumenrabatte
Die Amaranthaceae, auf Deutsch Amarantgewächse, bilden eine weltweit verbreitete Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). In ihrer heute meist verwendeten, weit gefassten Abgrenzung umfasst die Familie auch viele Pflanzen, die früher den Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) zugeordnet wurden. Dadurch gehören sehr unterschiedliche Gestalten zusammen: zarte einjährige Ackerpflanzen, salzverträgliche Küsten- und Steppenpflanzen, sukkulente Halbsträucher, bekannte Gemüsearten und auffällige Sommerblumen.
Für den Garten ist die Familie deshalb weniger durch ein einheitliches Pflegeprogramm interessant als durch ihre große ökologische und gestalterische Bandbreite.
Typische Merkmale der Amaranthaceae
Amaranthaceae sind überwiegend einjährige oder ausdauernde Kräuter, daneben kommen Halbsträucher, Sträucher und selten kletternde oder baumartige Formen vor. Die Blätter stehen wechselständig oder gegenständig, sind meist einfach und besitzen keine Nebenblätter. Ihre Ränder können ganzrandig, wellig, gelappt oder tief geteilt sein.
Bei trockenheitsangepassten Arten sind die Blätter mitunter fleischig, stark reduziert oder schuppenartig ausgebildet. Die Blüten sind häufig klein und einzeln wenig auffällig. Ihre Wirkung entsteht oft durch dichte Ähren, Knäuel, Köpfchen oder verzweigte Blütenstände.
Charakteristisch sind papierartige, häutige oder dauerhaft erhaltene Blütenhüllblätter und Deckblätter. Eine eigentliche Blütenkrone fehlt meist; die Blütenhülle besteht häufig aus drei bis fünf Tepalen. Die Staubblätter stehen den Tepalen gegenüber und können an ihrer Basis zu einer Röhre oder einem Ring verwachsen sein.
Die Früchte sind je nach Verwandtschaftsgruppe Kapseln, Nüsschen, Achänen oder einsamige, dünnwandige Früchte. Diese Merkmalskombination ist nützlich zur Orientierung, reicht allein aber nicht immer für eine sichere Bestimmung aus.
Eine Familie mit großer Formenvielfalt
Zur Familie zählen unter anderem Amaranthus, Celosia, Gomphrena, Alternanthera, Iresine, Atriplex, Beta, Blitum und Spinacia. Diese Beispiele zeigen bereits, wie weit die Erscheinungsformen auseinanderliegen. Amaranthus-Arten sind meist aufrechte Kräuter mit dichten, oft rötlichen oder grünlichen Blütenständen.
Bei Celosia fallen die Blütenstände durch ihre kammartigen oder fedrigen Formen auf. Gomphrena bildet kugelige, trocken wirkende Blütenköpfchen, während Iresine vor allem wegen farbiger Blätter kultiviert wird. Die Einbeziehung der früher getrennt behandelten Chenopodiaceae erklärt, warum auch Rüben, Spinat, Gänsefüße und viele salz- oder trockenheitsverträgliche Sippen in die heutige Amaranthaceae gestellt werden.
Beta vulgaris umfasst beispielsweise die Rote Bete, Mangold und Zuckerrübe. Spinacia oleracea ist der Gartenspinat. Diese Nutzpflanzen stehen botanisch in derselben Familie wie dekorative Sommerblumen und einige häufige Wild- und Ackerpflanzen.
Lebensräume von der Salzwiese bis zum Tropengarten
Amaranthaceae besiedeln tropische, subtropische und gemäßigte Regionen. Viele Arten wachsen in offenen, warmen und sonnigen Lebensräumen. Dazu zählen trockene Steppen, Halbwüsten, Wüstenränder, Geröllfluren und lichte Ruderalstellen.
Andere sind an salzhaltige Böden angepasst und kommen an Meeresküsten, auf Salzwiesen oder in binnenländischen Salzlandschaften vor. Die Gattungen Atriplex und Suaeda stehen beispielhaft für solche Lebensräume, wobei einzelne Arten je nach Standort unterschiedliche Strategien zur Salzregulation zeigen. Ein Teil der Familie nutzt auch nährstoffreiche, vom Menschen beeinflusste Flächen.
Amaranthus-Arten können in Äckern, Gärten, an Wegrändern und auf offenen Baustellen auftreten. Manche Sippen sind weltweit verschleppt worden und können unter günstigen Bedingungen als problematische Unkräuter erscheinen. Aus ihrem Vorkommen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass alle Amaranthaceae konkurrenzstark oder invasiv wären.
Die Familie enthält ebenso seltene, regional begrenzte und hoch spezialisierte Pflanzen.
Bedeutung für Ernährung und Landwirtschaft
Die gärtnerische und landwirtschaftliche Bedeutung der Familie reicht über Zierpflanzen hinaus. Rüben, Mangold und Spinat liefern essbare Blätter oder Speicherorgane. Verschiedene Amaranthus-Arten werden wegen ihrer Körner oder jungen Blätter genutzt; die Körner spielen besonders in Teilen Mittel- und Südamerikas sowie anderer Regionen eine Rolle.
Bei Nutzpflanzen sind Sortenwahl, Erntezeitpunkt und Zubereitung entscheidend. Nicht jede wild wachsende Amaranthaceae ist automatisch als Lebensmittel geeignet, und Verwechslungen mit anderen Pflanzen sollten vermieden werden. Für die Landwirtschaft sind manche Vertreter wertvolle Kulturpflanzen, andere treten als Begleitflora in Feldern auf.
Ihre Samen können lange im Boden überdauern, was bei einzelnen Amaranthus-Arten die Bekämpfung erschwert. Gleichzeitig können Samenstände und Blätter Nahrung für verschiedene Tiere bieten. Die ökologische Funktion einer Art hängt daher stark von ihrem Standort, ihrer Häufigkeit und ihrer Beziehung zu anderen Organismen ab.
Gärtnerische Verwendung und Pflege mit Augenmaß
Im Ziergarten werden Amaranthaceae vor allem wegen farbiger Blätter, ungewöhnlicher Blütenstände und langer Wirkung im Sommer eingesetzt. Celosia eignet sich als auffällige Beet- und Kübelpflanze, Gomphrena wird wegen ihrer haltbaren Blüten geschätzt, und Amaranthus kann mit hängenden oder aufrechten Blütenständen Höhe und Bewegung in sommerliche Pflanzungen bringen. Alternanthera und Iresine werden häufig als Blattpflanzen verwendet, wobei ihre Farbwirkung in warmen, hellen Pflanzungen besonders deutlich hervortritt.
Die Pflege darf nicht pauschal auf die gesamte Familie übertragen werden. Viele wärmeliebende Zierarten benötigen einen sonnigen, frostfreien Standort und einen gut drainierten, nährstoffreichen Boden. Einige Arten reagieren empfindlich auf Staunässe, während stark wachsende Gartenformen bei gleichmäßiger Wasserversorgung üppiger bleiben.
Rüben und Mangold werden als Gemüse anders behandelt als trockenheitsverträgliche Zier- oder Wildpflanzen. Salz- und Wüstenarten verlangen wiederum besondere Bodenverhältnisse und lassen sich nicht nach den Ansprüchen von Beetblumen kultivieren. Entscheidend ist deshalb immer das Profil der einzelnen Gattung oder Art: Die Familienzugehörigkeit liefert Orientierung, ersetzt aber keine artspezifischen Kulturangaben.



