Polypodiaceae
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Polypodiaceae: Vielgestaltige Farne für Wald, Stein und Zimmer
Die Polypodiaceae, auf Deutsch häufig Tüpfelfarngewächse oder Polypodiengewächse genannt, bilden eine weltweit verbreitete Farnfamilie. Ihr Erscheinungsbild reicht von zarten, kriechenden Waldfarnen bis zu auffälligen Aufsitzerfarnen mit nest- oder geweihartigen Wedeln. Für die Einordnung ist wichtig: Die Familie wird je nach taxonomischem Konzept unterschiedlich weit gefasst.
Plants of the World Online akzeptiert Polypodiaceae als Familie und führt in einer engeren Abgrenzung etwa 65 Gattungen und 1.650 Arten; weitere botanische Bearbeitungen schließen zusätzliche Verwandtschaftsgruppen ein und kommen auf deutlich höhere Werte. Die folgenden Merkmale und Beispiele dienen deshalb als gärtnerische Orientierung, nicht als vollständige Artenliste.
Typische Merkmale der Gruppe
Viele Polypodiaceae sind kleine bis mittelgroße Farne mit einem kriechenden, seltener aufrechten Rhizom. Dieses unterirdische oder oberirdisch aufliegende Sprosssystem ist oft mit Schuppen bedeckt und bildet in Abständen einzelne Wedel. Die Blätter können ganzrandig, gelappt, einfach gefiedert oder stärker geteilt sein.
Manche Arten tragen schmale, ledrige Wedel, andere weichere, ausladende Blattspreiten. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal liegt auf der Wedelunterseite: Dort sitzen die Sporangien meist in rundlichen, länglichen oder linienförmigen Sori. Bei vielen Vertretern sind diese Sori nicht von einem Schleier, einem sogenannten Indusium, bedeckt.
Je nach Gattung liegen sie in Reihen entlang der Blattadern, in regelmäßigen Punkten oder bedecken bei manchen Formen beinahe die gesamte fertile Fläche. Die Sporen dienen der geschlechtlichen Vermehrung; Blüten, Früchte und Samen bilden diese Farne nicht.
Große Vielfalt bei Wuchs und Blattform
Die Familie umfasst sehr unterschiedliche Lebensformen. Polypodium-Arten sind häufig niedrig wachsende Farne mit kriechenden Rhizomen und gefiederten oder gelappten Wedeln. Phlebodium fällt durch blaugrün wirkende, oft weich gelappte Blätter und auffällig behaarte Rhizome auf.
Pyrrosia-Arten besitzen meist dicke, ledrige Wedel und sind an zeitweise trockene Bedingungen angepasst. Lepisorus entwickelt häufig schmale, ungeteilte Wedel und wächst als Aufsitzer oder auf Felsen. Besonders markant sind Platycerium-Arten, die als Geweihfarne bekannt sind.
Sie bilden unterschiedliche Wedeltypen: schildartige, unfruchtbare Wedel haften an der Unterlage und sammeln organisches Material, während die fertilen Wedel geweihähnlich herabhängen oder sich verzweigen. Auch Microsorum und verwandte Farne zeigen eine große Formenbreite und werden wegen ihrer robusten, dekorativen Wedel kultiviert. Diese Beispiele verdeutlichen, dass der Familienname keine einheitliche Pflegeform beschreibt.
Lebensräume rund um den Globus
Polypodiaceae kommen nahezu weltweit vor, mit einem Schwerpunkt in den tropischen und subtropischen Regionen der Alten und Neuen Welt. Viele Arten leben epiphytisch auf Bäumen, ohne ihnen Nährstoffe zu entziehen. Sie sitzen in Astgabeln, auf Stämmen oder in feuchten Moospolstern und nutzen dort angesammelten Humus, Regenwasser und Luftfeuchtigkeit.
Andere Vertreter wachsen terrestrisch im Waldboden, auf Felsen, in Felsspalten oder auf dünnen Substratschichten. Diese Lebensräume erklären die große ökologische Spannweite. Epiphytische Arten müssen mit wenig Boden und zeitweise schwankender Wasserversorgung zurechtkommen.
Felsenfarne sind oft stärkerer Austrocknung und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt als typische Schattenfarne. Bodenbewohnende Arten bevorzugen dagegen häufig gleichmäßigere Feuchtigkeit und humusreiche, lockere Böden. In gemäßigten Regionen gehören Arten aus Polypodium zu den bekannteren Vertretern, während in den Tropen zahlreiche weitere Gattungen die Familie prägen.
Gärtnerische Bedeutung
Für die Gartenkultur sind Polypodiaceae vor allem wegen ihrer Blattformen, ihrer schattenverträglichen Wirkung und ihrer Eignung für spezielle Standorte interessant. Polypodium kann in einem naturnahen Steingarten, auf Mauerkronen oder an schattigen Böschungen eingesetzt werden, sofern das Substrat nicht dauerhaft vernässt. Einige Arten eignen sich auch für die Begrünung von Baumstämmen oder trockeneren Schattenbereichen.
Aufsitzerfarne wie Platycerium werden überwiegend als Zimmer- oder Gewächshauspflanzen kultiviert. Sie sitzen nicht in einem gewöhnlichen Topfsubstrat, sondern aufgebunden auf Rinde, Holz oder speziellen Pflanzträgern. Microsorum, Pyrrosia und verwandte tropische Farne können je nach Art in warmen Innenräumen, Terrarien oder frostfreien Wintergärten verwendet werden.
Ihre Pflege richtet sich nach Herkunft, Blattbau und Wuchsform: Dicke, ledrige Wedel deuten häufig auf eine höhere Austrocknungstoleranz hin, während dünne, zarte Blätter meist eine gleichmäßigere Luft- und Bodenfeuchte benötigen.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Für den Garten sollten nur winterharte Arten und Sorten verwendet werden, deren Standortansprüche zu Klima, Boden und Licht passen. Ein geschützter Platz im lichten Schatten, ein gut drainierter Boden und eine humose, nicht verdichtete Unterlage sind für viele gemäßigte Vertreter günstige Ausgangsbedingungen. In feuchten Regionen darf der Boden frisch bleiben, sollte aber nicht staunass sein, weil Rhizome bei Sauerstoffmangel faulen können.
Bei tropischen Polypodiaceae ist die Winterhärte in Mitteleuropa in der Regel nicht ausreichend. Sie benötigen während der Wachstumszeit Wärme, passende Luftfeuchte und je nach Art ein lockeres, luftiges Substrat. Direkte Mittagssonne kann empfindliche Wedel schädigen, während zu wenig Licht zu schwachem Wuchs führt.
Auch das Gießen lässt sich nicht vereinheitlichen: Ein epiphytischer Farn braucht andere Intervalle als ein bodenbewohnender oder trockenheitsverträglicher Felsenfarn. Entscheidend ist daher immer die Bestimmung bis zur Art oder zumindest zur Gattung, bevor du einen Pflegeplan festlegst.
