Storchschnabelartige (Geraniales)
2 Pflanzenporträts


Pflanzengruppe auswählen
Pflanzen dieser Gruppe kennenlernen
Storchschnabelartige (Geraniales): eine vielseitige Ordnung zwischen Wildpflanzen und Balkonklassikern
Die Storchschnabelartigen, botanisch Geraniales, bilden eine Ordnung der Bedecktsamer innerhalb der Rosiden. Im Garten begegnen dir vor allem Vertreter der Familie Geraniaceae: echte Storchschnäbel der Gattung Geranium, die als Geranien bekannten Pelargonien sowie Arten aus Erodium. Die Ordnung ist jedoch weiter gefasst und umfasst nach heutiger Auffassung auch die Familie Francoaceae mit teilweise auffälligen Gehölzen und Stauden.
Dieser Gruppenratgeber bietet daher Orientierung, ohne die Ordnung auf eine einzige Wuchsform oder ein einheitliches Pflegeprogramm zu reduzieren.
Systematik und Namensgebrauch
Geraniales ist eine botanische Ordnung und kein einzelnes Pflanzengeschlecht. In modernen phylogenetischen Systemen werden meist zwei Familien unterschieden: Geraniaceae und Francoaceae. Zur Familie Geraniaceae zählen unter anderem Geranium, Pelargonium, Erodium, Monsonia, Sarcocaulon, Hypseocharis und California.
Kew führt diese sieben Gattungen als anerkannte Bestandteile der Familie. Im Garten sorgt besonders die umgangssprachliche Bezeichnung Geranie für Verwirrung: Die winterharten Stauden, die botanisch Geranium heißen, sind nicht dieselben Pflanzen wie die frostempfindlichen Balkonpelargonien der Gattung Pelargonium. Beide gehören aber zu den Geraniaceae und damit zu den Geraniales.
Typische Merkmale der Gruppe
Viele Geraniaceae sind krautige Pflanzen mit wechselständigen, häufig gelappten oder handförmig gegliederten Blättern. Bei zahlreichen Arten sitzen Drüsenhaare oder ätherisch duftende Gewebe an Blättern und Stängeln. Die Blüten besitzen oft fünf Kronblätter und einen oberständigen Fruchtknoten.
Ihre Symmetrie kann radiär sein, wie bei vielen Geranium-Arten, oder deutlich zweiseitig, wie bei zahlreichen Pelargonien. Ein besonders markantes Merkmal ist die Fruchtbildung: Der Griffel verlängert sich und bildet zusammen mit den Teilfrüchten eine schnabelartige Struktur. Diese Schleuder- oder Grannenfrüchte unterstützen die Ausbreitung der Samen.
Innerhalb der gesamten Ordnung treten allerdings erhebliche Unterschiede bei Blütenbau, Wuchsform und Fruchttyp auf.
Vielfalt und natürliche Lebensräume
Die Geraniales sind auf mehreren Kontinenten vertreten, ihre größte Vielfalt liegt jedoch auf der Südhalbkugel, vor allem im südlichen Afrika und in Südamerika. Pelargonium ist besonders eng mit den Landschaften Südafrikas verbunden und umfasst sowohl sukkulente oder halbstrauchige Arten als auch weichtriebige Zierpflanzen. Pelargonium peltatum, die Efeu-Pelargonie, stammt ursprünglich aus den südafrikanischen Kapregionen und wächst dort als ausladende bis kletternde Pflanze.
Geranium-Arten besiedeln dagegen häufig gemäßigte Regionen der Nordhalbkugel, darunter Wiesen, lichte Gehölzränder, Gebirge und steinige Standorte. Erodium findet man unter anderem in trockenen, offenen Lebensräumen. Andere Geraniales, etwa Vertreter der Francoaceae, kommen in südamerikanischen Bergregionen oder im südlichen Afrika vor und unterscheiden sich deutlich vom bekannten Balkonflor.
Gärtnerische Bedeutung der Geraniaceae
Für Gärten sind vor allem Geranium und Pelargonium wichtig. Echte Storchschnäbel eignen sich je nach Art für Staudenbeete, Gehölzränder, Steingärten oder naturnahe Pflanzungen. Viele bilden dichte Horste, blühen über längere Zeit und können mit ihren Blüten zur Gestaltung von Beeträndern beitragen.
Ihre Standortansprüche reichen von frischen, humosen Böden bis zu trockeneren und sonnigen Plätzen. Pelargonien werden dagegen meist als saisonale Kübel-, Balkon- und Beetpflanzen kultiviert. Die Efeu-Pelargonie fällt durch ihre hängenden oder kriechenden Triebe auf und wird besonders für Kästen und Ampeln verwendet.
Zonale und weitere Pelargoniengruppen unterscheiden sich in Blattform, Wuchs und Blütenstand. Die gärtnerische Verwendung beruht vielfach auf Züchtungen und Hybriden, nicht auf einer einzigen Wildart.
Pflege nach Pflanzentyp statt nach Ordnung
Eine gemeinsame Pflegeform für alle Geraniales wäre irreführend. Winterharte Geranium-Arten können im Freiland mehrjährig wachsen; entscheidend sind dort die Ansprüche der jeweiligen Art an Licht, Bodenfeuchte und Ausbreitungsraum. Manche vertragen Halbschatten und gleichmäßig frische Erde, andere bleiben an sonnigen, eher trockenen Stellen kompakter.
Pelargonien wie Pelargonium peltatum benötigen als frostempfindliche Pflanzen einen geschützten, hellen Standort und werden in Mitteleuropa gewöhnlich saisonal kultiviert oder frostfrei überwintert. Durchlässiges Substrat ist für viele Pelargonien wichtiger als dauerhaft nasse Erde, doch auch hier unterscheiden sich robuste Zierformen von trockenheitsangepassten Arten. Bei der Auswahl sollten deshalb immer Gattung, Art oder Sorte, Herkunft und konkreter Standort zusammen betrachtet werden.
So wird aus der groben Gruppenbezeichnung eine brauchbare gärtnerische Entscheidungshilfe.

