Malpighienartige (Malpighiales)
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Malpighienartige (Malpighiales): eine vielfältige Ordnung der Blütenpflanzen
Die Malpighienartigen, wissenschaftlich Malpighiales, bilden eine große und außerordentlich formenreiche Ordnung innerhalb der bedecktsamigen Pflanzen. Zu ihr gehören unter anderem die Wolfsmilchgewächse, Weidengewächse, Leingewächse, Passionsblumengewächse, Veilchengewächse und Malpighiengewächse. Auf den ersten Blick wirken diese Pflanzen oft wenig verwandt: Neben Kräutern stehen Sträucher, Bäume, Kletterpflanzen, Wasserpflanzen und sogar hoch spezialisierte Parasiten.
Die gemeinsame Einordnung beruht deshalb vor allem auf stammesgeschichtlichen Untersuchungen und nicht auf einem einzigen auffälligen äußeren Merkmal.
Eine Ordnung mit großer Formenvielfalt
Malpighiales umfasst Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Wuchsformen. Manche Vertreter bleiben kleine einjährige Kräuter, andere entwickeln sich zu ausladenden Bäumen oder holzigen Lianen. Auch die Blätter zeigen kein einheitliches Bild: Sie können einfach und ganzrandig, gelappt, auffällig gefärbt oder zu speziellen Organen umgebildet sein.
Bei vielen Arten stehen die Blätter wechselständig, doch auch gegenständige Blattstellungen kommen vor. Blüten können einzeln erscheinen, in Trauben oder Rispen stehen oder zu stark spezialisierten Blütenständen zusammengefasst sein. Entsprechend variieren auch die Früchte: Kapseln, Beeren, Steinfrüchte und geflügelte Früchte sind innerhalb der Ordnung vertreten.
Diese Vielfalt macht Malpighiales zu einer wichtigen Orientierungsgruppe, die sich nicht über ein einzelnes gemeinsames Gartenmerkmal bestimmen lässt.
Wichtige Familien und bekannte Vertreter
Zu den bekanntesten Familien zählt Euphorbiaceae, die Familie der Wolfsmilchgewächse. In ihr finden sich beispielsweise der Kroton Codiaeum variegatum, verschiedene Wolfsmilcharten, Weihnachtssterne, Gummibäume und Maniok. Viele Euphorbiaceae besitzen Milchsaft, der je nach Art reizend oder giftig sein kann; dieses Merkmal ist jedoch nicht als pauschale Bestimmungshilfe für alle Malpighiales geeignet.
Ebenfalls zur Ordnung gehören die Weidengewächse mit Weiden und Pappeln, die Leingewächse mit dem Kulturlein Linum usitatissimum sowie die Passionsblumengewächse mit zahlreichen Kletterpflanzen. Veilchengewächse, Malpighiengewächse und Phyllanthaceae erweitern das Spektrum um weitere Zier-, Nutz- und Wildpflanzen. Die genannten Beispiele zeigen nur Ausschnitte und stellen keine vollständige Artenliste dar.
Lebensräume von Tropen bis gemäßigte Breiten
Die natürlichen Lebensräume der Malpighiales reichen von tropischen Regenwäldern über saisonal trockene Gehölze bis in gemäßigte Regionen. Euphorbiaceae sind besonders vielfältig in den Tropen, umfassen aber auch Arten aus warmgemäßigten und gemäßigten Gebieten. Weiden und Pappeln besiedeln häufig feuchte Böden an Flüssen, Seen und in Auen, während Leinarten eher offene, sonnige Standorte bevorzugen.
Einige Vertreter sind an nährstoffarme Böden, periodische Trockenheit oder besondere Bestäuber angepasst. In den Tropen kommen außerdem Pflanzen vor, die als Epiphyten, Lianen oder Wasserpflanzen leben. Codiaeum variegatum, der Kroton, stammt nach der Datenbank Plants of the World Online aus dem Gebiet von Malesien bis in den südwestlichen Pazifik und wächst dort vor allem in feuchten tropischen Lebensräumen.
Sein heutiges Auftreten als Zimmer- und Kübelpflanze beruht daher auf einer gärtnerischen Nutzung außerhalb seines ursprünglichen Klimabereichs.
Gärtnerische Bedeutung und Verwendung
Für den Gartenbau sind Malpighiales in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Einige Arten liefern auffälligen Blattschmuck, andere werden wegen ihrer Blüten, Früchte, Rinde, Fasern oder medizinisch genutzten Inhaltsstoffe kultiviert. Der Kroton wird vor allem wegen seiner farbigen, oft gelb, orange, rot oder grün gemusterten Blätter geschätzt.
Lein ist als Faser- und Ölpflanze bekannt, während Weiden wichtige Gehölze für feuchte Gartenbereiche und naturnahe Pflanzungen sind. Passionsblumen können mit ihren Blüten und ihrem Kletterwuchs Spaliere oder geschützte Terrassen bereichern. Zugleich besitzen manche Vertreter ökologische Bedeutung als Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und andere Tiere.
Bei der Auswahl sollte deshalb nicht nur der Zierwert, sondern auch die spätere Größe, die Winterhärte, die Ausbreitungsneigung und die Bedeutung für heimische Lebensgemeinschaften berücksichtigt werden.
Pflege nicht über einen Kamm scheren
Aus der Zugehörigkeit zu Malpighiales lässt sich keine einheitliche Pflege ableiten. Ein tropischer Kroton benötigt als Zimmer- oder Kübelpflanze deutlich mehr Wärme und Schutz vor Kälte als eine heimische Weide. Codiaeum variegatum entwickelt seine Blattfärbung meist besonders gut bei hellem Licht, darf aber nicht mit den Standortansprüchen einer schattenverträglichen Waldpflanze gleichgesetzt werden.
Weiden bevorzugen je nach Art frische bis feuchte Böden und entwickeln häufig ein kräftiges Wurzelsystem, während viele tropische Zierpflanzen vor kalter Zugluft und Staunässe geschützt werden müssen. Auch der Wasserbedarf, die Schnittverträglichkeit und die Giftigkeit unterscheiden sich erheblich. Entscheidend sind deshalb immer die Angaben zur einzelnen Art oder Sorte, nicht allein der Ordnungsname Malpighiales.
