Pteridaceae
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Pteridaceae: Vielfältige Farne zwischen Fels, Wald und Wasser
Die Pteridaceae, auf Deutsch meist Saumfarngewächse oder Frauenhaarfarngewächse genannt, bilden eine artenreiche Familie innerhalb der Echten Farne. Zu ihr gehören zarte, filigrane Farne ebenso wie robuste Arten trockener Felsstandorte, großwüchsige Vertreter tropischer Wälder und sogar Wasserfarne. Für die gärtnerische Orientierung ist es deshalb sinnvoll, einzelne Gattungen und Lebensraumtypen getrennt zu betrachten.
Die hier verwendeten Gruppen sind praktische Einteilungen für den Garten und keine zusätzlichen taxonomischen Ränge.
Erkennungsmerkmale der Familie
Pteridaceae sind mehrjährige, selten kurzlebige Farne mit einem kriechenden bis aufrechten Rhizom. Die Wedel können einfach, handförmig geteilt oder mehrfach gefiedert sein. Ihre Größe reicht von kleinen, polsterbildenden Felsenfarnen bis zu deutlich größeren Arten mit langen, ausladenden Wedeln.
Die Blattstiele sind bei vielen Vertretern dunkelbraun bis purpurfarben und bilden dadurch einen auffälligen Kontrast zum frischen Grün der Blattspreiten. Ein wichtiges gemeinsames Merkmal liegt auf der Wedelunterseite: Die Sporangien sitzen häufig entlang der Adern oder am Blattrand. Ein echtes Indusium, also eine eigenständige Haut zur Abdeckung der Sporangien, fehlt oft.
Stattdessen kann der eingerollte oder zurückgeschlagene Blattrand als sogenanntes falsches Indusium dienen. Bei einigen Arten liegen die Sporangien jedoch auch großflächig auf der Unterseite. Die Familie lässt sich daher nicht allein an einem einzigen äußeren Merkmal sicher bestimmen; Wuchsform, Aderung und Lage der Sori müssen gemeinsam betrachtet werden.
Eine Familie mit großer Formenvielfalt
Die Pteridaceae umfassen nach der von Kew geführten aktuellen Zusammenstellung zahlreiche anerkannte Gattungen, darunter Adiantum, Pteris, Cryptogramma, Pellaea, Vittaria, Ceratopteris und Acrostichum. Die genaue Abgrenzung der Familie und einzelner Gattungen wurde in der Botanik wiederholt verändert. Das erklärt, warum ältere Gartenliteratur andere Familiennamen oder abweichende Gattungsumfänge verwenden kann.
Besonders bekannt sind die Frauenhaarfarn-Verwandten der Gattung Adiantum. Sie besitzen meist zarte, fächerartige Fiederblättchen an dunklen, drahtig wirkenden Stielen. Pteris-Arten zeigen dagegen oft längliche, mehrfach gefiederte Wedel und können wesentlich kräftiger wachsen.
Cryptogramma ist vor allem mit Farnen felsiger, häufig montaner Lebensräume verbunden. In der Gattung Pellaea finden sich Vertreter, die mit trockeneren Bedingungen besser zurechtkommen als viele klassische Schattenfarne. Vittaria und verwandte schmalblättrige Farne stehen für tropische, oft epiphytische Formen, während Ceratopteris an Sümpfe und stehende Gewässer angepasst ist.
Lebensräume von feucht bis ausgesprochen trocken
Die ökologische Spannweite der Pteridaceae ist bemerkenswert. Viele Arten wachsen terrestrisch auf humusreichen Waldböden, an Bachläufen oder in schattigen Felsspalten. Dort profitieren sie von gleichmäßiger Bodenfeuchte, hoher Luftfeuchtigkeit und einem vor Austrocknung geschützten Standort.
Andere Mitglieder besiedeln sonnige Felsen, Mauern und trockene Hänge. Gerade die sogenannten Lippen- oder Wüstenfarne aus verwandten Gruppen haben Anpassungen entwickelt, die den Wasserverlust begrenzen. Dazu gehören derbe Wedel, eine dichte Behaarung oder Schuppen sowie ein kompakter Wuchs.
Tropische Vertreter können in warmen Wäldern, auf Baumstämmen oder in feuchten Sümpfen vorkommen. Acrostichum-Arten sind mit nassen, teils salzbeeinflussten Standorten verbunden. Wasserfarne wie Ceratopteris leben in stillen oder langsam fließenden Gewässern und unterscheiden sich dadurch deutlich von den bodenbewohnenden Gartenfarnen.
Aus diesen Lebensräumen lässt sich bereits ableiten, dass die Familie keine einheitliche Pflegeform besitzt.
Bedeutung für den Garten
Im Garten werden Pteridaceae vor allem wegen ihrer Blattformen und ihrer ruhigen, natürlichen Wirkung geschätzt. Adiantum eignet sich, wenn ein geschützter, luftfeuchter Platz mit humosem, gleichmäßig feuchtem Substrat vorhanden ist. Die empfindlichen Wedel reagieren oft auf Ballentrockenheit, trockene Heizungsluft und starke Mittagssonne.
Ein windgeschützter Schattenplatz ist deshalb wichtiger als eine pauschale Empfehlung für jeden Farnstandort. Robustere, trockenheitsverträglichere Vertreter aus felsigen Lebensräumen können dagegen in Steingärten, Mauerritzen oder mineralischen Substraten eingesetzt werden. Für sie wäre ein ständig nasser, schwerer Boden ungünstig.
Pteris-Arten benötigen je nach Art ausreichend Raum und können in milden Regionen oder im Kübel eine auffällige Strukturpflanze sein. Tropische und aquatische Vertreter gehören meist in beheizte Gewächshäuser, Wintergärten oder spezielle Wasserpflanzenkulturen und sind für das Freiland in Mitteleuropa nur sehr eingeschränkt geeignet. Entscheidend ist daher die Herkunft der jeweiligen Art oder Sorte.
Nicht die Familienzugehörigkeit, sondern der konkrete Lebensraum bestimmt, ob ein Farn feuchten Schatten, durchlässige Erde, hohe Luftfeuchtigkeit, Wärme oder zeitweise trockene Bedingungen braucht.
Vermehrung und naturnahe Verwendung
Wie andere Farne bilden Pteridaceae keine Blüten und Samen. Ihre Fortpflanzung erfolgt über Sporen. Auf den Wedelunterseiten entstehen Sporangien, in denen die meist dreikantig-kugeligen Sporen heranreifen.
Unter geeigneten Bedingungen entwickelt sich daraus zunächst eine kleine, eigenständige Vorkeimergeneration, bevor der eigentliche Farn entsteht. Für die gärtnerische Vermehrung ist diese Methode möglich, aber deutlich anspruchsvoller als die Teilung geeigneter Rhizome. Im naturnahen Garten können passende Arten zur Begrünung schattiger Mauern, feuchter Gehölzränder, schmaler Felsspalten oder geschützter Innenhöfe beitragen.
Ihr Wert liegt weniger in auffälligen Blüten als in Blattstruktur, Textur und dauerhafter Begrünung. Bei der Auswahl solltest du Herkunft, Winterhärte, Feuchtebedarf und Wuchsgröße prüfen. So lassen sich die sehr unterschiedlichen Vertreter der Pteridaceae gezielt einsetzen, ohne die Pflegeansprüche der gesamten Familie über einen Kamm zu scheren.
