Ginkgoartige (Ginkgoales)
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Ginkgo biloba
Ginkgo
Details: GinkgoGinkgoartige (Ginkgoales): eine uralte Pflanzengruppe mit nur einem lebenden Vertreter
Die Ginkgoartigen, botanisch Ginkgoales, gehören zu den auffälligsten Gruppen der Samenpflanzen. Ihre heutige Vielfalt ist sehr klein: Nach aktuellem taxonomischem Stand umfasst die Gruppe nur die Familie Ginkgoaceae, die Gattung Ginkgo und die lebende Art Ginkgo biloba. Ihre fossil überlieferte Geschichte ist dagegen wesentlich umfangreicher.
Für den Garten ist deshalb wichtig, zwischen der großen Vergangenheit dieser Gruppe und dem einzigen heute kultivierten Vertreter zu unterscheiden.
Systematik und heutige Vielfalt
Ginkgoales ist eine botanische Ordnung. In der Gartenpraxis kann sie als Orientierungsgruppe verstanden werden, taxonomisch steht sie jedoch über der Familie. Die heute anerkannte Familie Ginkgoaceae enthält nur eine Gattung, Ginkgo.
Diese Gattung wird gegenwärtig durch Ginkgo biloba vertreten, den Ginkgo oder Fächerblattbaum. Andere Namen, die in älterer Literatur oder in Sammlungen auftauchen, beziehen sich häufig auf Synonyme, historische Kombinationen oder fossile Vertreter und nicht auf zusätzliche lebende Gartenpflanzen. Der Ginkgo ist daher kein Beispiel für eine artenreiche Pflanzengruppe, sondern für eine außergewöhnlich isolierte Entwicklungslinie.
Typische Merkmale der Ginkgoartigen
Ginkgo biloba ist ein sommergrüner Baum mit einer im Alter meist breit ausladenden Krone. Charakteristisch sind die fächerförmigen Blätter mit einer auffälligen, oft zweilappigen Spreite und gabelig verlaufenden Blattadern. Die Blätter sitzen teils an langen Trieben, teils an kurzen Kurztrieben, wodurch sich die typische, leicht gestufte Verzweigung ergibt.
Im Herbst färben sie sich häufig leuchtend gelb und fallen innerhalb kurzer Zeit ab. Ginkgo biloba ist zweihäusig: Männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane befinden sich normalerweise auf verschiedenen Bäumen. Die Samenanlagen liegen nicht in einem Fruchtknoten und bilden deshalb keine Früchte im botanischen Sinn.
Die von fleischigen Gewebeschichten umgebenen Samen werden im Alltag dennoch oft als Früchte bezeichnet. Bei weiblichen Bäumen kann das reife Samenmaterial einen unangenehmen Geruch entwickeln. Eine weitere Besonderheit sind bewegliche Spermatozoiden, die bei Samenpflanzen nur bei wenigen sehr ursprünglichen Linien vorkommen.
Diese Merkmale zeigen, dass der Ginkgo weder ein Laubbaum im gewöhnlichen Sinn noch ein Nadelbaum ist, sondern eine eigenständige Linie der Samenpflanzen darstellt.
Fossile Geschichte und natürliche Lebensräume
Fossile Ginkgoartige sind aus verschiedenen Erdzeitaltern bekannt; Blätter, Holz und Fortpflanzungsstrukturen wurden besonders aus Jura- und Kreideablagerungen beschrieben. Ihre einstige Formenvielfalt war damit deutlich größer als die heutige. Die Bezeichnung „lebendes Fossil“ kann die lange Kontinuität der Ginkgo-Linie veranschaulichen, ist aber keine exakte Aussage, dass sich die Art über Millionen Jahre völlig unverändert erhalten hätte.
Das natürliche Areal des heutigen Ginkgo biloba liegt in China. Als sichere Wildvorkommen werden insbesondere Bestände in der Provinz Zhejiang genannt, wobei bei einzelnen alten Bäumen nicht immer eindeutig zu klären ist, ob sie ursprünglich wild entstanden oder aus historischer Kultur hervorgegangen sind. Der Baum wächst dort im gemäßigten Klimabereich.
Inzwischen wird er weltweit in Parks, Straßenräumen, Arboreten und großen Gärten angepflanzt. Viele dieser Vorkommen sind kultiviert und gehören nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Art.
Gärtnerische Bedeutung und Verwendung
Im Garten wird der Ginkgo vor allem wegen seiner unverwechselbaren Blattform, der gelben Herbstfärbung und seiner markanten Wuchsform geschätzt. Er eignet sich als langlebiger Solitär, als Parkbaum und – abhängig von Sorte und Platzangebot – auch für größere Hausgärten. Junge Bäume wachsen oft zunächst eher schlank und entwickeln ihre charakteristische Krone mit zunehmendem Alter.
Der endgültige Platz sollte deshalb sorgfältig gewählt werden, da ein Ginkgo zu einem großen Baum heranwachsen kann. Für Straßen und öffentliche Anlagen werden häufig männliche Pflanzen bevorzugt, weil sie keine reifenden Samen mit der typischen Geruchsbelastung hervorbringen. Im Handel sind außerdem verschiedene Auslesen mit unterschiedlicher Kronenform, Wuchsstärke oder Blattgestalt erhältlich.
Solche Sorten erweitern die gärtnerische Auswahl, ändern aber nichts daran, dass sie alle zu derselben lebenden Art gehören.
Pflegehinweise mit Augenmaß
Die verbreitete Robustheit des Ginkgos darf nicht pauschal auf jede Situation übertragen werden. Gut eingewachsene Exemplare gelten als anpassungsfähig und werden in gemäßigten Regionen erfolgreich kultiviert. Für die Pflanzung ist dennoch ein ausreichend großer Standort mit Licht und genügend Wurzelraum sinnvoll.
Junge Bäume profitieren von einer gleichmäßigen Wasserversorgung, besonders während längerer Trockenperioden. Staunässe und dauerhaft verdichtete Böden sind dagegen ungünstig. Die Bedürfnisse hängen außerdem von Alter, Sorte, Boden und Standortklima ab.
Ein kompakter Ginkgo für einen kleinen Garten kann andere Platzprobleme verursachen als ein großkroniger Parkbaum, auch wenn beide derselben Art angehören. Bei der Auswahl sollten daher Endgröße, Geschlecht der Pflanze, Kronenform und Abstand zu Gebäuden oder Wegen gemeinsam betrachtet werden. Trotz seiner geringen heutigen Artenzahl besitzt der Ginkgo damit eine ungewöhnlich große Bedeutung als Zier-, Sammlungs- und Zeugnisbaum der Pflanzenevolution.
