Tausendblattgewächse (Haloragaceae)
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Tausendblattgewächse (Haloragaceae): Wasserpflanzen mit überraschender Vielfalt
Die Tausendblattgewächse, botanisch Haloragaceae, sind eine weltweit verbreitete Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Steinbrechartigen (Saxifragales). Im Garten begegnen sie meist als filigrane Wasserpflanzen der Gattung Myriophyllum. Die Familie ist jedoch vielseitiger: Neben dauerhaft untergetauchten Arten gehören auch Sumpfpflanzen, amphibische Gewächse und sogar verholzende Vertreter dazu.
Die folgenden Hinweise dienen als botanische Orientierung innerhalb der Familie, nicht als vollständige Artenliste oder als Ersatz für eine genaue Bestimmung.
Systematik und Vielfalt der Familie
Haloragaceae ist eine anerkannte Pflanzenfamilie. Plants of the World Online von Kew führt derzeit acht akzeptierte Gattungen: Glischrocaryon, Gonocarpus, Haloragis, Laurembergia, Meionectes, Myriophyllum, Proserpinaca und Trihaloragis. Die Gattung Myriophyllum, im Deutschen Tausendblatt genannt, ist dabei besonders bekannt und besitzt eine nahezu weltweite Verbreitung.
Haloragis hat seinen Schwerpunkt dagegen in Australasien und im südwestpazifischen Raum. Proserpinaca ist vor allem in Nord- und Mittelamerika verbreitet. Schon diese Verteilung zeigt, dass die Familie nicht auf mitteleuropäische Teiche oder auf eine einzige Wuchsform beschränkt ist.
Die Zugehörigkeit zur Familie ist daher ein taxonomischer Zusammenhang, keine einheitliche Pflegegruppe.
Typische Merkmale und Erkennungszeichen
Viele Haloragaceae sind krautige Pflanzen, häufig mit einem Rhizom und einer deutlichen Anpassung an nasse Standorte. Die Blätter können gegenständig, wechselständig oder quirlig angeordnet sein. Bei Myriophyllum stehen sie meist in Quirlen und sind unter Wasser tief fiederteilig.
Ihre schmalen, fadenförmigen Abschnitte verleihen den Pflanzen das charakteristische, federartige Aussehen. Untergetauchte Blätter und über der Wasseroberfläche gebildete Blätter können sich deutlich voneinander unterscheiden. Dieses Phänomen wird als Heterophyllie bezeichnet und ist bei Wasserpflanzen eine wichtige Anpassung an unterschiedliche Bedingungen im Wasser und in der Luft.
Die Blüten sind meist klein und wenig auffällig. Sie sitzen einzeln oder in Blütenständen, oft an den Blattachseln oder in endständigen Ähren. Je nach Gattung und Art kommen eingeschlechtige, zwittrige oder gemischte Blüten vor.
Die Frucht ist nicht fleischig und zerfällt bei vielen Vertretern in einzelne einsamige Teilfrüchte.
Lebensräume zwischen Teich und Trockenland
Der Schwerpunkt der Familie liegt in Gewässern, Sümpfen, Moorbereichen, Uferzonen und dauerhaft feuchten Böden. Bei Myriophyllum bleibt der größte Teil der Pflanze unter Wasser, während sich die Blütenstände zur Bestäubung über die Wasseroberfläche erheben können. Einige Arten wachsen in flachen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern und wurzeln im Sediment.
Andere Haloragaceae besiedeln zeitweise überschwemmte Böden oder feuchte Ufer. Die Familie umfasst aber auch Arten, die deutlich trockener leben. Ein Beispiel ist Haloragis exalata, ein Strauch aus dem östlichen Australien, der laut Kew vor allem in trockenen Buschland- und Wüstenbiomen vorkommt.
Deshalb darf die Vorliebe vieler Tausendblattgewächse für Wasser nicht pauschal auf jede Gattung übertragen werden.
Das Ährige Tausendblatt als markantes Beispiel
Myriophyllum spicatum, das Ährige Tausendblatt, ist eine ausdauernde, rhizombildende Wasserpflanze. Die untergetauchten Blätter stehen meist in Quirlen und bestehen aus zahlreichen schmalen Segmenten. Der Stängel kann sich verzweigen und im oberen Bereich frei im Wasser treiben, während die Pflanze am Grund verwurzelt bleibt.
Die kleinen Blüten sitzen in einer unterbrochenen, über die Wasseroberfläche ragenden Ähre. Kew gibt als natürliche Verbreitung große Teile der Alten Welt bis in tropische Gebirge sowie die Aleuten an; die Art wächst vor allem in gemäßigten Lebensräumen, in flachem Wasser, Sümpfen und dauerhaft nassen Bereichen. In Nordamerika wird sie als invasive Wasserpflanze bewertet.
Ihre Ausbreitung kann dort durch abgerissene Stängelstücke begünstigt werden. Das Ährige Tausendblatt ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass eine botanisch interessante und dekorative Wasserpflanze ökologisch problematisch werden kann, wenn sie außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets verwendet wird.
Gärtnerische Bedeutung und verantwortungsvolle Verwendung
Im Garten sind Haloragaceae vor allem für naturnahe Teiche, größere Wasserbecken und Unterwasserbereiche interessant. Myriophyllum-Arten können mit ihren fein gegliederten Blättern vertikale Strukturen schaffen und Kleinstlebewesen sowie jungen Wassertieren Deckung bieten. Die einzelnen Arten unterscheiden sich jedoch deutlich in Wuchsform, Winterhärte, Ausbreitungsvermögen und Ansprüchen an Wassertiefe oder Nährstoffgehalt.
Eine allgemeine Pflegeempfehlung für die gesamte Familie wäre daher irreführend. Vor der Pflanzung sollte geprüft werden, ob eine Art regional zugelassen ist und ob sie sich leicht durch Bruchstücke verbreitet. Das gilt besonders für das Ährige Tausendblatt und andere stark wachsende Wasserpflanzen.
Für kleine Gartenteiche sind langsam wachsende, eindeutig bestimmte Arten oft die bessere Wahl. Pflanzenteile sollten nicht in natürliche Gewässer, Gräben oder Regenabläufe gelangen. Wer Haloragaceae kultiviert, sollte außerdem regelmäßig kontrollieren, ob sich die Pflanze über den vorgesehenen Bereich hinaus ausbreitet.
So lässt sich der gärtnerische Wert dieser formenreichen Familie nutzen, ohne empfindliche Gewässerökosysteme unnötig zu belasten.

