Hartriegelartige (Cornales)
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Hartriegelartige (Cornales): vielfältige Gehölze, Hortensien und Spezialisten
Die Hartriegelartigen, wissenschaftlich Cornales, sind eine vielfältige Ordnung innerhalb der Bedecktsamer. Ihr bekanntester Vertreter ist der Hartriegel aus der Familie Cornaceae, doch die Ordnung umfasst außerdem unter anderem Hortensiengewächse, Nyssaceae, Grubbiaceae, Curtisiaceae und Loasaceae. Je nach taxonomischer Auffassung werden einzelne Familien unterschiedlich weit gefasst; deshalb ist Cornales eine wissenschaftliche Verwandtschaftsgruppe und keine einheitliche Pflanzengestalt.
Für den Garten reicht die Bandbreite von robusten heimischen Sträuchern über auffällige Ziergehölze bis zu empfindlichen Spezialisten.
Erkennungsmerkmale und gemeinsame Grundzüge
Cornales verbinden keine einzelne, leicht erkennbare Blütenform, zeigen aber einige wiederkehrende Merkmale. Viele Vertreter sind Gehölze, darunter Bäume und Sträucher; daneben gibt es krautige Pflanzen und kletternde Formen. Häufig stehen die Blätter gegenständig, bei anderen Linien jedoch wechselständig.
Die Blüten sind oft klein und in Trugdolden, Köpfchen oder anderen kompakten Blütenständen angeordnet. Bei den Cornaceae übernehmen auffällige Hochblätter teilweise die Schauwirkung, wie bei manchen Blumenhartriegeln. Typisch für viele Cornales sind unterständige Fruchtknoten, bei denen die übrigen Blütenteile oberhalb des Fruchtknotens ansetzen, sowie eine nektarführende Scheibe auf dem Fruchtknoten.
Diese Merkmale treten jedoch nicht in allen Mitgliedern gleichermaßen hervor. Auch die Früchte unterscheiden sich: Cornaceae bilden meist steinfruchtartige Früchte, während etwa viele Hydrangeaceae Kapselfrüchte entwickeln.
Die Cornaceae als gärtnerisch wichtigste Gruppe
Die Familie Cornaceae steht namensgebend für die Ordnung und ist im Garten besonders präsent. Zu ihr gehört die Gattung Cornus mit Hartriegeln, Blumenhartriegeln und Kornelkirschen. Charakteristisch sind häufig gegenständige Blätter mit deutlich bogig oder fiederig verlaufenden Blattadern, kleine Blüten in dichten Blütenständen und fleischige, steinfruchtartige Früchte.
Die Gattung ist morphologisch und ökologisch breit aufgestellt: Es gibt niedrige, ausläuferbildende Arten, Sträucher und Bäume. Einige Arten werden wegen farbiger junger Triebe, andere wegen Blüten, Herbstfärbung oder Früchten kultiviert. Der Rote Hartriegel, Cornus sanguinea, ist ein sommergrüner, meist mehrstämmiger Strauch aus Europa bis in den Nahen Osten.
Er wächst vor allem in gemäßigten Lebensräumen und passt in naturnahe Hecken, Waldränder und Gehölzpflanzungen. Seine weißen Blütenstände erscheinen im Frühjahr oder Frühsommer, die späteren dunklen Früchte und die roten jungen Zweige verlängern den Zierwert in den Herbst und Winter hinein. Die Pflege dieses heimischen Strauchs lässt sich jedoch nicht automatisch auf immergrüne oder aus anderen Klimazonen stammende Cornus-Arten übertragen.
Hortensien, Tupelobäume und weitere Gehölze
Eine weitere bekannte Linie innerhalb der Cornales bilden die Hydrangeaceae. Dazu gehören Hortensien und die Pfeifensträucher der Gattung Philadelphus. Hortensien sind meist Sträucher, manche Arten wachsen kletternd oder krautig.
Ihre Blütenstände können aus zahlreichen kleinen fertilen Blüten bestehen und durch vergrößerte sterile Randblüten auffällig wirken. Die Arten unterscheiden sich stark in Winterhärte, Bodenansprüchen, Wuchsform und Schnittverträglichkeit. Ein schattiger, humoser Standort ist für viele Gartenhortensien günstig, aber nicht jede Art reagiert gleich auf Trockenheit oder Kalk.
Philadelphus-Arten werden dagegen vor allem wegen ihres Duftes und ihrer weißen Blüte geschätzt. Zur Ordnung gehören außerdem Nyssa-Arten, im Deutschen meist Tupelobäume genannt. Sie sind in Nordamerika und Ostasien beheimatet und werden wegen ihres oft leuchtenden Herbstlaubs kultiviert.
Ihre Ansprüche an Bodenfeuchte und Platzbedarf machen sie eher zu Bäumen für größere Gärten oder Parkanlagen als für kleine Beete.
Lebensräume und ökologische Vielfalt
Cornales besiedeln sehr unterschiedliche Lebensräume. Cornaceae kommen in gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen vor; je nach Art wachsen sie in Wäldern, an Waldrändern, in Gebüschen oder an Flussufern. Hydrangeaceae sind besonders in warm-gemäßigten Regionen Ostasiens und Amerikas vielfältig, einige Vertreter stammen aus feuchten Bergwäldern.
Nyssaceae umfassen ebenfalls Gehölze, die von feuchten Wäldern bis zu saisonal überschwemmten Standorten reichen. Die Loasaceae zeigen ein anderes Bild: In dieser Familie finden sich vor allem krautige Pflanzen der amerikanischen Kontinente, darunter Arten mit auffälligen Brenn- oder Haftborsten. Solche Spezialisten sind im mitteleuropäischen Garten weniger verbreitet, verdeutlichen aber die ökologische und morphologische Spannweite der Ordnung.
Für Tiere können Cornales unterschiedliche Ressourcen bereitstellen: Blüten liefern Nektar und Pollen, fleischige Früchte werden von Vögeln und anderen Tieren genutzt, und dicht wachsende Sträucher bieten Deckung.
Bedeutung für Gartenplanung und Pflanzenauswahl
Für den Garten sind Cornales vor allem wegen ihrer Kombination aus Struktur, Blüte, Frucht und saisonaler Wirkung interessant. Ein Roter Hartriegel eignet sich für naturnahe Hecken und größere Gehölzgruppen, während kompakte Cornus-Sorten auch in kleineren Anlagen eingesetzt werden können. Blumenhartriegel brauchen meist ausreichend Raum und einen Standort, an dem ihre Blüten- und Herbstwirkung zur Geltung kommt.
Hortensien bieten viele Blütenformen, verlangen aber eine artspezifische Beurteilung von Licht, Bodenreaktion und Wasserbedarf. Tupelobäume sind eindrucksvolle Solitäre, benötigen jedoch langfristig viel Platz. Bei der Planung sollte deshalb nicht von der Ordnung auf einheitliche Pflege schließen lassen.
Entscheidend sind Gattung, Art, Herkunft und konkrete Sorte. Cornales sind somit weniger eine Gruppe mit einem einzigen Gartenrezept als ein Verwandtschaftsverband, der zahlreiche unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.
