Plantaginaceae
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Digitalis purpurea
Roter Fingerhut
Details: Roter FingerhutPlantaginaceae: Eine vielseitige Pflanzenfamilie zwischen Wegerich, Ehrenpreis und Bartfaden
Die Plantaginaceae, auf Deutsch Wegerichgewächse, sind eine außerordentlich formenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Lippenblütlerartigen. Ihr bekanntester Vertreter ist der Wegerich, doch die Familie umfasst auch zahlreiche attraktive Gartenpflanzen wie Ehrenpreis, Löwenmaul, Bartfaden, Fingerhut und Hebe. Der Name der Familie führt deshalb zunächst in die Irre: Zwischen unscheinbaren Rosettenpflanzen, auffälligen Stauden, Halbsträuchern und sogar Wasserpflanzen liegen große Unterschiede.
Die folgenden Gruppen dienen als gärtnerische Orientierung und sind keine zusätzlichen botanischen Rangstufen.
Botanische Kennzeichen und ungewöhnliche Vielfalt
Plantaginaceae sind meist einjährige oder ausdauernde Kräuter, daneben kommen Halbsträucher und in einzelnen Linien auch stärker verholzende Formen vor. Die Blätter sind häufig einfach und ohne Nebenblätter. Bei vielen Wegerich-Arten stehen sie in einer grundständigen Rosette, während Ehrenpreis, Löwenmaul oder Bartfaden überwiegend beblätterte Stängel bilden.
Auch die Blüten unterscheiden sich deutlich: Wegerich besitzt kleine, dicht stehende Blüten in Ähren, die oft vom Wind bestäubt werden. Bei vielen anderen Gattungen sind die Blüten auffällig zweilippig, röhrenförmig oder gespornt und auf Insekten oder Vögel als Bestäuber ausgerichtet. Typisch sind verwachsene Kronblätter und meist zwei oder vier Staubblätter.
Die Früchte sind häufig Kapseln, bei Wegerich handelt es sich um kleine, oft schleimstoffreiche Samen. Diese Kombination aus gemeinsamen Grundmerkmalen und großer äußerer Verschiedenheit macht die Familie botanisch besonders interessant.
Wegerich und verwandte Rosettenpflanzen
Die Gattung Plantago ist weltweit verbreitet und prägt viele offene Lebensräume. Der Breitwegerich, Plantago major, wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, verdichteten Böden, an Wegen, auf Rasen und in Pflasterfugen. Seine breite Blattrosette toleriert häufiges Betreten, Mahd und wechselnde Feuchtigkeit.
Der Spitzwegerich, Plantago lanceolata, besitzt schmalere Blätter und kommt oft in Wiesen, Säumen und lückigen Rasenflächen vor. Küstennah oder auf trockenen, mageren Standorten treten weitere, entsprechend angepasste Arten auf. Für den Garten sind Wegeriche weniger klassische Zierpflanzen als robuste Begleiter naturnaher Flächen.
Einige Arten können sich durch ihre vielen Samen leicht ausbreiten. Wer sie fördert, sollte deshalb zwischen erwünschter Wildstaudenfläche und gepflegtem Zierrasen unterscheiden. Botanisch interessant sind außerdem Zwergformen wie Littorella uniflora, die in nährstoffarmen Gewässerufern und zeitweise überschwemmten Bereichen lebt.
Blühende Zierpflanzen für sonnige Standorte
Eine große gärtnerische Bedeutung haben die auffällig blühenden Gattungen der Familie. Bartfaden, Penstemon, bildet je nach Art und Sorte aufrechte Blütenstände mit röhren- oder glockenförmigen Blüten. Viele Vertreter stammen aus Nordamerika und bevorzugen durchlässige, eher trockene Böden sowie volle Sonne.
Ihre Winterhärte ist jedoch sehr unterschiedlich; die Pflegeempfehlungen einer einzelnen Sorte lassen sich daher nicht auf die gesamte Gattung übertragen. Löwenmaul, Antirrhinum majus, wird meist als Sommerblume kultiviert, kann in milden Lagen aber auch länger ausdauern. Die charakteristischen Blüten öffnen sich unter Druck wie ein kleiner Mund und werden vor allem von kräftigen Insekten besucht.
Ebenfalls zu den Plantaginaceae zählen verschiedene Leinkräuter, darunter Linaria purpurea, mit schlanken Blütenständen und feinem, aufrechtem Wuchs. Sie eignen sich für sonnige, eher magere Beete und naturnahe Pflanzungen. Bei allen diesen Gruppen sind Standort, Frosthärte und Lebensdauer art- oder sortenabhängig.
Ehrenpreis, Veronica und verwandte Stauden
Ehrenpreis-Arten der Gattung Veronica gehören zu den vielseitigsten Gartenpflanzen innerhalb der Familie. Niedrige Arten bilden Polster oder kriechende Teppiche und passen in Steingärten, Mauerkronen und trockene Fugen. Höhere Formen wie der Langblättrige Ehrenpreis, Veronica longifolia, entwickeln aufrechte Blütenähren und eignen sich für sonnige Staudenbeete oder feuchte Wiesenbereiche.
Die Gattung umfasst damit sowohl trockenheitsverträgliche als auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen. Hebe, früher häufig als eigene Zierpflanzengruppe wahrgenommen, umfasst überwiegend immergrüne Sträucher aus Neuseeland. Sie benötigen je nach Art einen geschützten Standort und reagieren teilweise empfindlich auf strenge Winter.
Digitalis, der Fingerhut, bildet meist zweijährige oder kurzlebige ausdauernde Pflanzen mit hohen Blütenständen. Er ist eine wichtige Strukturpflanze für halbschattige, humose Beete und lockere Gehölzränder, aber in allen Teilen giftig. Beim Anbau mit Kindern oder Haustieren ist deshalb besondere Umsicht nötig.
Wasserpflanzen und besondere Lebensräume
Die Plantaginaceae zeigen, dass die Familie nicht auf trockene Wiesen und Gartenbeete beschränkt ist. Callitriche, der Wasserstern, umfasst kleine Wasser- und Uferpflanzen mit unscheinbaren Blüten. Je nach Art wachsen sie vollständig untergetaucht, schwimmend oder in zeitweise vernässten Bereichen.
Hippuris vulgaris, der Tannenwedel, entwickelt aufrechte Sprosse mit quirlständigen Blättern und kann in Teichen oder flachen Gewässern leben. Solche Pflanzen benötigen ganz andere Bedingungen als Bartfaden oder Löwenmaul: Entscheidend sind Wasserstand, Sauerstoffversorgung, Licht und die Nährstoffsituation. Für naturnahe Gartenteiche können sie wertvoll sein, sollten aber nur dort eingesetzt werden, wo ihre Ausbreitung kontrollierbar bleibt.
Die Familie verbindet somit terrestrische, amphibische und aquatische Lebensweisen.
Gärtnerische Bedeutung und sinnvoller Umgang
Plantaginaceae bieten Pflanzen für sehr unterschiedliche Gartenbilder: robuste Wildpflanzen für wenig gestörte Flächen, farbintensive Stauden für sonnige Beete, einjährige Sommerblumen, immergrüne Gehölze für geschützte Lagen und Spezialisten für Teichränder. Eine gemeinsame Pflegeform gibt es nicht. Wegerich profitiert oft von Offenboden und kommt mit Belastung zurecht, während Penstemon meist einen gut drainierten Standort benötigt.
Hohe Ehrenpreis-Arten wachsen bei ausreichender Bodenfeuchte üppiger als ihre trockenheitsliebenden Verwandten, und Hebe verlangt je nach Herkunft Schutz vor Winterkälte. Vor der Auswahl sollten daher immer die Angaben zur jeweiligen Art oder Sorte geprüft werden. Für naturnahe Gärten lohnt es sich, heimische Arten und ihre Lebensräume zu berücksichtigen, während exotische Zierpflanzen gezielt und standortgerecht verwendet werden sollten.
Beispiele wie Plantago, Veronica oder Penstemon zeigen die Vielfalt der Familie, bilden aber keineswegs eine vollständige Artenliste.

