Cactaceae
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Kakteengewächse (Cactaceae): Vielfalt zwischen Wüste und Regenwald
Die Kakteengewächse, botanisch Cactaceae, sind eine überwiegend amerikanische Pflanzenfamilie innerhalb der Nelkenartigen (Caryophyllales). Ihr bekanntestes Merkmal sind sukkulente, oft stachelig erscheinende Sprosse. Dennoch ist „Kaktus“ keine einheitliche Gestalt: Die Familie umfasst kugelige, säulenförmige, flachgliedrige, kletternde und sogar epiphytische Pflanzen.
Für den Garten sind sie deshalb nicht als pauschal pflegeleichte Wüstenpflanzen zu verstehen, sondern als vielfältige Gruppe mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen.
Erkennungsmerkmale und besondere Baupläne
Kakteengewächse speichern Wasser vor allem in ihren grünen Sprossen. Diese können rund, gerippt, warzig, abgeflacht oder in einzelne Glieder geteilt sein. Die Blätter fehlen bei vielen Arten vollständig oder sind zu kleinen, kurzlebigen Gebilden reduziert.
Eine wichtige botanische Besonderheit sind die Areolen: Diese spezialisierten Kurztriebe sitzen auf den Sprossen und können Stacheln, Borsten, Haare, neue Triebe und Blüten hervorbringen. Dadurch lassen sich echte Kakteen von ähnlich aussehenden sukkulenten Wolfsmilchgewächsen unterscheiden, deren Stacheln nicht aus Areolen entstehen. Nicht alle Kakteen sind stark bewehrt.
Einige Arten sind nahezu stachellos oder tragen vor allem Haare und feine Borsten. Bei Opuntien kommen zusätzlich leicht abbrechende, oft mit Widerhaken versehene Glochiden vor.
Blüten, Früchte und Fortpflanzung
Die Blüten der Cactaceae sitzen meist einzeln an den Sprossen, bei manchen Gattungen aber auch in auffälligen Strukturen wie einem Cephalium. Sie besitzen häufig zahlreiche Blütenhüllblätter, die von außen kelchblattähnlich und innen kronblattähnlich wirken. Viele Arten bilden große, farbige Blüten; andere öffnen sich nachts und werden von Fledermäusen oder Nachtfaltern besucht.
Zahlreiche Staubblätter und ein unterständiger Fruchtknoten gehören zu den typischen Merkmalen der Familie. Aus den Blüten entstehen meist fleischige, oft vielsamige Beeren. Je nach Art können Früchte unscheinbar, leuchtend gefärbt, bedornt oder essbar sein.
Die Früchte von Opuntia ficus-indica werden beispielsweise als Nahrungsmittel genutzt. Für die Bestäubung sind neben Tieren auch Selbstbestäubung und vegetative Vermehrung bei einzelnen Arten von Bedeutung.
Eine Familie mit überraschender Lebensraumvielfalt
Die natürliche Verbreitung der Kakteengewächse liegt fast vollständig in der Neuen Welt. Schwerpunkte der Vielfalt befinden sich in Mexiko, in den Anden von Bolivien und Argentinien sowie im östlichen Brasilien. Viele Arten besiedeln trockene Wüsten, Halbwüsten, Felsfluren und saisonal trockene Savannen.
Dort helfen sukkulente Sprosse, eine dicke Außenhaut, Rippen und ein sparsamer Stoffwechsel beim Überstehen langer Trockenzeiten. Die Rippen können sich bei Wasseraufnahme ausdehnen und den Spross vor Spannungen schützen. Die Familie ist jedoch nicht auf heiße Sandwüsten beschränkt.
In tropischen Wäldern wachsen epiphytische oder kletternde Kakteen, die auf Bäumen sitzen und Feuchtigkeit aus Niederschlägen und der Luft nutzen. Rhipsalis baccifera ist dabei eine bemerkenswerte Ausnahme, da diese Art außerhalb Amerikas vorkommt. Die Lebensweise einer Waldkaktee lässt sich daher nicht mit der einer hochalpinen oder wüstenbewohnenden Art gleichsetzen.
Formenvielfalt innerhalb der Familie
Zu den bekannten Gruppen gehören die kugeligen Mammillaria, deren Blüten häufig ringförmig um den Spross erscheinen, sowie Echinopsis mit oft großen, trichterförmigen Blüten. Astrophytum myriostigma zeigt, dass Kakteen auch fast ohne Stacheln auskommen können; die Art stammt aus kalkreichen Hochlagen Mexikos. Opuntia bildet flache Sprossglieder und trägt charakteristische Glochiden.
Säulenförmige Vertreter finden sich unter anderem bei Carnegiea, Cereus und Pilosocereus. Die Gattung Rhipsalis umfasst überwiegend hängende oder epiphytische Arten mit vergleichsweise zarten Sprossen. Pereskia und verwandte ursprüngliche Linien besitzen noch deutlich entwickelte Blätter und erinnern dadurch weniger an das klassische Kaktusbild.
Diese Beispiele dienen nur der Orientierung und bilden keineswegs die vollständige Arten- oder Gattungsvielfalt ab.
Bedeutung für Garten, Sammlung und Naturschutz
Kakteengewächse sind beliebte Pflanzen für Fensterbank, Gewächshaus, Wintergarten, Steingarten und frostfreie Kübel. Ihre gärtnerische Bedeutung beruht auf ungewöhnlichen Wuchsformen, langer Haltbarkeit bei passender Kultur und oft spektakulären Blüten. Die Ansprüche müssen jedoch nach Herkunft und Lebensform beurteilt werden.
Ein wintertrockener Hochlandkaktus benötigt andere Bedingungen als ein tropischer, epiphytischer Blattkaktus. Auch frostverträgliche Freilandarten sind nicht automatisch nässefest, während Waldkakteen meist mehr Luftfeuchte und regelmäßigeres Gießen während des Wachstums vertragen. Für alle gilt daher nicht einfach „je weniger Wasser, desto besser“.
Entscheidend sind ein zur Art passendes Substrat, ausreichend Licht, eine gute Luftführung und ein Jahresrhythmus, der die natürliche Herkunft berücksichtigt. In der Natur sind viele Kakteen durch Lebensraumverlust, Landwirtschaft und unerlaubte Entnahme gefährdet. Verantwortungsvolle Kultur beginnt deshalb mit legaler Herkunft und der Beachtung von Schutzbestimmungen, besonders bei seltenen und lokal verbreiteten Arten.














