Nymphaeaceae
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Nymphaeaceae – die Familie der Seerosen
Die Nymphaeaceae, auf Deutsch meist Seerosengewächse genannt, vereinen auffällige Wasserpflanzen mit schwimmenden Blättern und großen, oft farbenprächtigen Blüten. Sie gehören zur Ordnung Nymphaeales und sind weltweit in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen verbreitet. Für Gartenfreunde ist die Familie besonders interessant, weil ihre Mitglieder sehr unterschiedliche Ansprüche haben: Neben robusten heimischen Teichpflanzen gibt es wärmeliebende Arten für große Wasserbecken, botanische Sammlungen und Wintergärten.
Die folgenden Gruppen dienen der Orientierung und sind keine zusätzlichen taxonomischen Ränge.
Typische Merkmale und Bauplan
Die meisten Nymphaeaceae sind ausdauernde, im Boden oder Schlamm verwurzelte Wasserkräuter. Ihr waagerecht oder aufrecht wachsendes Rhizom liegt meist im Untergrund, während lange Blatt- und Blütenstiele die Wasseroberfläche erreichen. Die Blätter sind einfach, lang gestielt und häufig rundlich, herzförmig oder schildförmig.
Je nach Art schwimmen sie auf dem Wasser, ragen teilweise darüber hinaus oder bleiben untergetaucht. Ihre Oberfläche ist oft glatt und wasserabweisend. Charakteristisch sind die einzeln stehenden, meist auffälligen Blüten.
Kelch- und Kronblätter können fließend ineinander übergehen; bei manchen Arten sind zahlreiche Blütenblätter vorhanden. Auch die Staubblätter treten oft in großer Zahl auf und stehen spiralig angeordnet. Die Blüten können weiß, gelb, rosa, rot, violett oder bläulich gefärbt sein und duften bei einzelnen Arten deutlich.
Die Früchte entwickeln sich je nach Gattung oberhalb oder unterhalb der Wasseroberfläche. Diese Kombination aus Rhizom, schwimmenden Blättern und großen Einzelblüten macht die Familie im Teich besonders leicht erkennbar.
Vielfalt innerhalb der Familie
Plants of the World Online führt derzeit fünf anerkannte Gattungen in der Familie: Barclaya, Euryale, Nuphar, Nymphaea und Victoria. Die bekannteste und gärtnerisch vielseitigste Gattung ist Nymphaea, die eigentlichen Seerosen. Sie ist nahezu weltweit verbreitet und umfasst sowohl winterharte als auch tropische Formen.
Ihre Blüten öffnen sich je nach Art am Tag oder in den Abend- und Nachtstunden. Nuphar wird im Deutschen häufig als Teichrose oder Gelbe Teichrose bezeichnet. Die gelben Blüten wirken schalenförmiger als die Blüten vieler Nymphaea-Arten, und die Früchte reifen oberhalb der Wasseroberfläche.
Nuphar-Arten stammen überwiegend aus der Nordhalbkugel und kommen in zahlreichen natürlichen Stillgewässern vor. Euryale ist mit der Stachelseerose vertreten. Diese Pflanzen besitzen auffällige Stacheln an Blättern und anderen Pflanzenteilen und sind eher etwas für spezialisierte Sammlungen.
Victoria umfasst die Riesenseerosen Südamerikas. Ihre gewaltigen, auf der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter und die großen Blüten sind botanische Besonderheiten, benötigen aber tropische Bedingungen. Barclaya bleibt im Gartenbau deutlich seltener und wird vor allem von Liebhabern besonderer Wasserpflanzen gepflegt.
Der sogenannte Lotus gehört dagegen nicht zu den Nymphaeaceae, sondern zur eigenständigen Familie Nelumbonaceae.
Lebensräume und ökologische Anpassungen
Seerosengewächse besiedeln überwiegend stehende oder langsam fließende Gewässer. Dazu zählen Teiche, Altarme, Seen, Überschwemmungsflächen und saisonal wasserführende Tümpel. In gemäßigten Gebieten überdauern viele Arten mit ihren Rhizomen im Grund des Gewässers.
Tropische Arten wachsen häufig in dauerhaft warmen Gewässern und zeigen teilweise eine längere oder ganzjährige Wachstumsperiode. Die Blätter erschließen die lichtreiche Wasseroberfläche, während die Rhizome und Wurzeln im Substrat verankert bleiben. Luftkanäle im Pflanzenkörper erleichtern den Transport von Sauerstoff in untergetauchte Gewebe.
Schwimmblätter können die Wasseroberfläche beschatten und dadurch das Lichtangebot für andere Wasserpflanzen verändern. Gleichzeitig bieten sie Insekten und kleinen Wassertieren Ruheplätze. Die Blüten werden unter anderem von Käfern, Bienen und Fliegen besucht; bei einzelnen Arten spielen außerdem Selbst- oder Windbestäubung eine Rolle.
Die Früchte und Samen gelangen je nach Art durch Zerfall, Wasserbewegung oder tierische Verbreitung in neue Bereiche.
Bedeutung für Gartenteich und Wasserbecken
Im Garten sind Nymphaea-Arten die wichtigste Gruppe. Winterharte Seerosen eignen sich für Teiche mit dauerhaftem Wasserstand und können bei passenden Sorten viele Jahre am selben Standort bleiben. Ihre Blätter gliedern die Wasserfläche, spenden Schatten und schaffen eine ruhige, repräsentative Wirkung.
Blütenfarben, Blattgröße, Wuchsstärke und benötigte Pflanztiefe unterscheiden sich jedoch erheblich. Eine klein bleibende Sorte passt in ein kleines Becken, während starkwachsende Formen große Wasserflächen benötigen. Nuphar ist für naturnah gestaltete Gewässer interessant, wirkt aber meist weniger formal als eine klassische Seerose.
Die kräftigen Rhizome und die großen Blätter können sich ausbreiten, weshalb ausreichend Platz eingeplant werden sollte. Tropische Nymphaea-Sorten, Euryale und Victoria sind dagegen keine unkomplizierten Teichpflanzen für das mitteleuropäische Freiland. Sie brauchen in der Regel dauerhaft warmes Wasser, viel Licht und frostfreie Bedingungen.
In Botanischen Gärten werden sie deshalb häufig in beheizten Schauhäusern kultiviert.
Pflege: Gemeinsamkeiten und wichtige Unterschiede
Eine pauschale Pflegeempfehlung für alle Nymphaeaceae wäre falsch. Gemeinsam ist den meisten Vertretern der Bedarf an dauerhaft feuchtem bis nassem Substrat und ausreichend Licht. Winterharte Seerosen werden in nährstoffreiches, lehmiges Teichsubstrat gesetzt; die Pflanztiefe richtet sich nach Wuchsform und Sorte.
Zu tief eingesetzte Pflanzen wachsen oft schwach, während starkwachsende Sorten in zu flachem Wasser die Oberfläche schnell überwuchern können. Tropische Seerosen verlangen deutlich mehr Wärme und reagieren empfindlich auf kaltes Wasser. Sie werden häufig in Gefäßen kultiviert und frostfrei überwintert.
Victoria und Euryale benötigen außerdem viel Platz, hohe Luft- und Wassertemperaturen sowie eine lange Wachstumszeit. Nuphar-Arten kommen mit naturnahen Bedingungen zurecht, können aber durch ihre Ausbreitung für kleine Teiche zu kräftig werden. Entscheidend sind daher nicht allein der Familienname, sondern die konkrete Gattung, Art oder Sorte, ihre Herkunft, Wuchsstärke und Winterhärte.
