Doldenblütlerartige (Apiales)
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Doldenblütlerartige (Apiales): zwischen Kräuterbeet, Wald und Zimmerpflanze
Die Doldenblütlerartigen, wissenschaftlich Apiales, bilden eine vielfältige Gruppe innerhalb der Bedecktsamer. Im Garten begegnen dir vor allem Vertreter der Doldenblütler (Apiaceae) und der Araliengewächse (Araliaceae): Die einen fallen durch typische Dolden, aromatische Blätter oder kräftige Wurzeln auf, die anderen durch oft große, dekorative Blätter und eine überwiegend holzige Wuchsweise. Diese Zusammenstellung ist eine gärtnerische Orientierungsgruppe und kein vollständiger taxonomischer Überblick über alle Familien der Apiales.
Was die Apiales verbindet
Apiales lassen sich nicht an einem einzigen, für alle Mitglieder gültigen Erscheinungsbild erkennen. Gemeinsamkeiten liegen vor allem in ihrer evolutionären Verwandtschaft und in bestimmten Blüten- und Fruchtmerkmalen. Viele Arten besitzen kleine Einzelblüten, die zu größeren Blütenständen zusammengefasst sind.
Bei den Apiaceae entstehen häufig Dolden oder zusammengesetzte Dolden: Mehrere Blütenstiele entspringen scheinbar an einem Punkt, wodurch die bekannte schirmartige Struktur entsteht. Bei Araliaceae können die Blütenstände ebenfalls reich verzweigt sein, wirken aber oft weniger streng regelmäßig. Die Früchte zeigen die Unterschiede besonders deutlich.
Bei vielen Apiaceae zerfällt die trockene Frucht in zwei einsamige Teilfrüchte. Bei zahlreichen Araliaceae entwickeln sich dagegen beerenartige oder steinfruchtähnliche Früchte. Auch die Wuchsformen reichen weit: Es gibt einjährige und ausdauernde Kräuter, Polsterpflanzen, Kletterpflanzen, Sträucher und Bäume.
Apiaceae: aromatische Kräuter mit großer Formenfülle
Die Apiaceae, auf Deutsch Doldenblütler oder Doldengewächse, sind die im Garten am leichtesten erkennbare Teilgruppe. Typisch sind häufig hohle oder gerillte Stängel, Blätter mit scheidigen Blattbasen und fein geteilte Blattspreiten. Die Blütenstände können jedoch stark abweichen.
Neben klassischen zusammengesetzten Dolden kommen auch nahezu kopfige Blütenstände vor, wie man sie bei manchen Mannstreu-Arten findet. Zu dieser Familie gehören bekannte Nutz- und Gewürzpflanzen wie Möhre, Pastinake, Petersilie, Sellerie, Fenchel, Dill, Koriander und Kümmel. Ihre Aromen beruhen unter anderem auf ätherischen Ölen, die in verschiedenen Pflanzenteilen gebildet und gespeichert werden.
Andere Arten werden wegen ihrer Blütenstände, ihrer Struktur oder ihres natürlichen Charakters kultiviert, etwa Engelwurz, Bibernelle, Meisterwurz oder Giersch. Die Familie umfasst außerdem auffällige Hochgebirgspflanzen und polsterbildende Arten, die mit trockenen, windigen oder nährstoffarmen Standorten zurechtkommen.
Araliaceae: von Waldsträuchern bis zu beliebten Zimmerpflanzen
Araliaceae unterscheiden sich im Gartenbild meist deutlich von den krautigen Doldenblütlern. Viele Vertreter sind verholzende Pflanzen mit wechselständigen, oft gelappten oder zusammengesetzten Blättern. Einige bilden Sträucher oder kleine Bäume, andere wachsen kletternd oder kriechend.
Zu den bekannten Gattungen zählen Aralia, Hedera, Schefflera, Fatsia und Eleutherococcus. Efeu ist ein Beispiel für eine kletternde oder bodendeckende Lebensweise, während Fatsia und Schefflera vor allem durch große, handförmig geteilte Blätter auffallen. Die Familie ist überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet, reicht aber auch in gemäßigte Gebiete.
Viele Arten stammen aus feuchten Wäldern und besiedeln dort den Unterwuchs oder lichte Waldränder. Daraus ergibt sich ihre gärtnerische Bedeutung: Sie bringen Blattvolumen und Struktur in schattige Pflanzungen, benötigen aber je nach Herkunft sehr unterschiedliche Bedingungen. Eine winterharte Aralie ist nicht mit einer frostempfindlichen Schefflera für das Wohnzimmer gleichzusetzen.
Lebensräume und ökologische Rollen
Apiales besiedeln eine ungewöhnlich breite Palette von Lebensräumen. Apiaceae findet man auf Wiesen, in Hochstaudenfluren, an Gewässern, auf Dünen, in Steppen und im Gebirge. Manche Arten bevorzugen frische bis feuchte Böden, andere kommen mit sommerlicher Trockenheit und mageren Substraten zurecht.
Ihre offenen Blütenstände werden häufig von Fliegen, Käfern, Wildbienen, Schwebfliegen und anderen kleinen Blütenbesuchern genutzt. Gerade breit zugängliche Dolden können in naturnahen Gärten eine wichtige Nahrungsquelle sein. Araliaceae sind besonders häufig Bestandteil von Wald- und Waldrandgesellschaften tropischer und subtropischer Regionen.
Ihre Früchte werden bei vielen Arten von Vögeln oder anderen Tieren verbreitet. Kletternde Vertreter nutzen Bäume als Stütze, ohne selbst zwingend einen kräftigen Stamm auszubilden. Diese ökologischen Unterschiede zeigen, warum die Ordnung nicht als einheitlicher Lebensformtyp verstanden werden sollte.
Gärtnerische Bedeutung und passende Standortwahl
Für die Gartenpraxis lohnt es sich, zuerst die Familie und anschließend die konkrete Art zu betrachten. Bei Apiaceae entscheidet die Lebensdauer über die Planung: Dill und Koriander werden meist einjährig kultiviert, während Liebstöckel, Engelwurz oder viele Stauden-Doldenblütler mehrere Jahre am Platz bleiben. Möhren und Pastinaken brauchen lockeren, tiefgründigen Boden für gerade Wurzeln.
Fenchel kann stattliche Höhen erreichen und sollte so stehen, dass er benachbarte Pflanzen nicht beschattet. Für trockenheitsverträgliche Arten wie manche Mannstreu- oder Bergpflanzen sind durchlässige, eher magere Böden sinnvoll. Bei Araliaceae reichen die Ansprüche von robusten Freilandpflanzen bis zu frostfreien Zimmer- und Kübelpflanzen.
Efeu toleriert je nach Sorte und Standort Schatten, während Fatsia einen geschützten Platz mit humosem, gleichmäßig frischem Boden bevorzugt. Tropische Zimmeraralien reagieren häufig empfindlich auf Kälte, Staunässe und sehr trockene Heizungsluft. Eine pauschale Pflegeanweisung für die gesamte Ordnung wäre daher irreführend.
Neben dem Nutzwert bieten Apiales Blüten, Früchte, Blattstrukturen und saisonale Höhepunkte. Gleichzeitig ist bei unbekannten Doldenblütlern Vorsicht angebracht: Einige Arten sehen essbaren Küchenkräutern ähnlich, können aber giftig sein oder Hautreaktionen auslösen. Wildpflanzen sollten deshalb nur sicher bestimmt und niemals allein nach dem Blütenstand gesammelt werden.


