Farne und Schachtelhalme
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Farne und Schachtelhalme: Vielfalt zwischen Waldboden, Wasser und Tropen
Farne und Schachtelhalme gehören zu den ältesten heute noch lebenden Gefäßpflanzengruppen. Sie blühen nicht und bilden keine Samen, sondern vermehren sich über Sporen. Hinter dem Gartenbegriff „Farne und Schachtelhalme“ verbirgt sich jedoch eine große Formenvielfalt: vom zarten Waldbodenbewohner über epiphytische Tropenfarne bis zum straff aufrechten Schachtelhalm und den schwimmenden Wasserfarnen.
Die genannten Gruppen Polypodiales, Equisetales, Salviniales und Cyatheales sind dabei Orientierungshilfen für diesen Ratgeber, keine einheitliche botanische Rangstufe.
Gemeinsame Merkmale und Fortpflanzung
Typisch für Farne sind Wedel, die sich bei vielen Arten aus einer eingerollten Knospe entfalten. Unter oder am Rand reifer Wedel sitzen Sporangien, häufig in Gruppen, die als Sori bezeichnet werden. Die darin entstehenden Sporen sind sehr klein und werden durch Wind oder Wasser verbreitet.
Aus ihnen entwickelt sich zunächst ein eigenständiges, meist unscheinbares grünes Prothallium. Erst darauf entstehen die Geschlechtsorgane; für die Befruchtung ist daher zumindest zeitweise ein feuchtes Milieu nötig. Schachtelhalme weichen im Erscheinungsbild deutlich ab: Equisetum bildet gegliederte, oft kieselsäurereiche Triebe mit kleinen, quirlig angeordneten Blattscheiden.
Die Sporen sitzen in endständigen, zapfenähnlichen Sporenträgern. Trotz ihrer Andersartigkeit werden Schachtelhalme heute den monilophyten Gefäßpflanzen zugerechnet und nicht bloß als entfernte „Farnverwandte“ behandelt.
Die wichtigsten Gruppen im Überblick
Polypodiales bilden die artenreichste und gärtnerisch bedeutendste Gruppe innerhalb der hier betrachteten Farne. Zu ihr gehören zahlreiche terrestrische, felsbewohnende und epiphytische Arten. Ihre Wedel reichen von einfach und ungeteilt bis mehrfach gefiedert; manche Arten besitzen kriechende Rhizome, andere bilden dichte Horste.
Beispiele aus dem Garten- und Zimmerpflanzenbereich sind Arten aus den Gattungen Polypodium, Polystichum, Dryopteris, Asplenium und Platycerium. Cyatheales umfassen vor allem Baumfarne. Sie entwickeln einen aufrechten Stamm oder Stamm ähnlichen Caudex und tragen am Scheitel große Wedel.
Diese imposante Wuchsform ist besonders mit feuchtwarmen Waldgebieten verbunden, kommt aber auch in kühlen, niederschlagsreichen Regionen vor. Salviniales sind Wasserfarne. Dazu zählen schwimmende oder im Wasser wurzelnde Pflanzen, die an dauerhaft feuchte Lebensräume angepasst sind.
Schachtelhalme der Equisetales bilden dagegen eine vergleichsweise kleine, klar erkennbare Linie mit charakteristischen Knotengliedern und unterirdischen Rhizomen.
Lebensräume und ökologische Anpassungen
Farne besiedeln nahezu alle Lebensräume außer extrem trockenen und dauerhaft gefrorenen Bereichen. Besonders vielfältig sind sie in feuchten Wäldern, an Bachufern, in Schluchten und auf humosen Böden. Einige Arten wachsen auf Felsen, Mauern oder Baumstämmen.
Epiphytische Farne nutzen Bäume lediglich als Wuchsort und sind keine Schmarotzer; sie beziehen Wasser und Nährstoffe aus Niederschlag, Staub, Pflanzenresten und dem feuchten Mikroklima ihrer Umgebung. Baumfarne benötigen meist eine gleichmäßig hohe Luft- und Bodenfeuchte sowie Schutz vor austrocknendem Wind. Wasserfarne zeigen eine andere Spezialisierung: Ihre Blätter, Wurzeln und Sporenstrukturen sind an die Wasseroberfläche oder an flache Gewässer angepasst.
Schachtelhalme findet man häufig auf feuchten, verdichteten oder nährstoffreichen Böden, an Gräben und Ufern. Einige Arten können sich über weitreichende Rhizome stark ausbreiten und dadurch in kleinen Gärten lästig werden.
Bedeutung für den Garten
Farne sind vor allem Strukturpflanzen. Ihre Wedel bringen feine Texturen, ruhige Grüntöne und oft einen deutlichen jahreszeitlichen Rhythmus in schattige Pflanzungen. Horstbildende Arten eignen sich für Gehölzränder, Innenhöfe und schmale Schattenbeete; kriechende Arten können Mauern, Steingärten oder humose Böschungen besiedeln.
Immergrüne Farne geben auch im Winter Form, während sommergrüne Arten im Frühjahr mit dem Entrollen ihrer Wedel einen besonderen Höhepunkt bieten. Baumfarne setzen in geschützten Lagen einen tropisch wirkenden Akzent, verlangen aber mehr Aufmerksamkeit als robuste mitteleuropäische Gartenfarne. Schachtelhalme können durch ihre strengen, grafischen Triebe interessant wirken, sollten jedoch nur mit Bedacht gepflanzt werden, wenn eine starke Ausbreitung unerwünscht ist.
Wasserfarne sind eher Spezialisten für Teiche, Aquarien oder Feuchtbiotope als klassische Beetpflanzen.
Pflege nach Lebensform statt nach Sammelbegriff
Viele winterharte Bodenfarne gedeihen in lichtem Schatten oder Halbschatten, humoser Erde und gleichmäßiger, aber nicht staunasser Feuchtigkeit. Nach dem Anwachsen benötigen sie oft nur bei längeren Trockenperioden zusätzliches Wasser. Laubhumus oder reifer Kompost verbessert die Bodenstruktur; eine pauschale Düngung ist meist nicht erforderlich.
Immergrüne Wedel werden gewöhnlich erst im Frühjahr entfernt, während sommergrüne Arten nach dem Einziehen zurückgeschnitten werden können. Für Baumfarne gelten strengere Regeln: Sie brauchen einen geschützten Standort, dürfen nicht austrocknen und sind je nach Art frostempfindlich. Epiphytische Zimmerfarne bevorzugen helles, indirektes Licht, luftiges Substrat und hohe Luftfeuchte, vertragen aber häufig keine dauerhaft nasse Erde.
Wasserfarne benötigen dagegen ein passendes Gewässermilieu und lassen sich nicht nach den Regeln von Bodenfarnen kultivieren. Beim Schachtelhalm ist vor dem Pflanzen vor allem die Ausbreitungsfreude zu prüfen; eine Rhizomsperre oder ein ausreichend abgegrenzter Standort kann sinnvoll sein.




