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Nachtschattenartige (Solanales)

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Nachtschattenartige (Solanales): vielfältige Blütenpflanzen zwischen Nutzgarten, Wildnis und Kletterwand

Die Nachtschattenartigen, botanisch Solanales, bilden eine große Gruppe innerhalb der Bedecktsamer. Für Gartenblues.de dient die Gruppe vor allem als Orientierung: Im vorliegenden Ratgeber stehen die beiden Familien Solanaceae und Convolvulaceae im Mittelpunkt. Diese Auswahl ist kein vollständiger Überblick über alle Familien, die je nach taxonomischer Abgrenzung ebenfalls den Solanales zugerechnet werden können.

Gemeinsam ist vielen Vertretern eine auffällige, oft verwachsene Blütenkrone. Lebensform, Blattform, Frucht und Standort unterscheiden sich jedoch erheblich – von einjährigen Kräutern und Gemüse bis zu ausdauernden Kletterpflanzen und parasitischen Arten.

Was die Gruppe kennzeichnet

Solanales sind keine einzelne Pflanzenfamilie, sondern eine taxonomische Ordnung. Als sichtbare Orientierung fallen bei vielen Mitgliedern Blüten mit verwachsenen Kronblättern auf. Die Blüten sind häufig fünfzählig, wobei die Einzelheiten je nach Familie und Gattung variieren.

Auch die Fruchtformen sind unterschiedlich: In den Solanaceae kommen Beeren und Kapseln vor, während bei den Convolvulaceae unter anderem Kapseln und bei manchen Gattungen besondere Spalt- oder Nussfrüchte auftreten. Die Blätter stehen meist wechselständig und können ungeteilt, gelappt oder zusammengesetzt sein. Aus diesen Merkmalen allein lässt sich die Ordnung im Garten allerdings nicht sicher bestimmen.

Die Einordnung beruht vor allem auf verwandtschaftlichen Zusammenhängen und wird durch molekulare und morphologische Forschung präzisiert.

Solanaceae: Gemüse, Zierpflanzen und Giftpflanzen

Die Nachtschattengewächse, Solanaceae, umfassen sehr unterschiedliche Kräuter, Sträucher und wenige baumartige Pflanzen. Zu den bekannten Gattungen gehören Solanum mit Kartoffel, Tomate und Aubergine, Capsicum mit Paprika und Chili, Nicotiana mit Tabak sowie Petunia als beliebte Zierpflanze. Viele Arten besitzen fünfzählige Blüten mit einer verwachsenen Krone und auffälligen, oft eng zusammenstehenden Staubblättern.

Die Früchte können fleischige Beeren oder trockene Kapseln sein. Für den Garten ist die Familie besonders bedeutsam, weil sie Nahrungspflanzen, Sommerblumen und botanisch interessante Wildarten vereint. Gleichzeitig enthalten zahlreiche Vertreter charakteristische Alkaloide oder andere bioaktive Inhaltsstoffe.

Deshalb darf die essbare Nutzung nicht auf verwandte Arten übertragen werden: Reife Tomatenfrüchte sind etwas anderes als giftige Pflanzenteile mancher Zier- und Wildarten. Auch bei Kartoffeln sind grüne oder stark gekeimte Pflanzenteile nicht als Lebensmittel geeignet.

Convolvulaceae: Winden, Trichterblüten und Sonderformen

Die Windengewächse, Convolvulaceae, sind häufig krautige oder verholzende Kletterpflanzen. Typisch sind rankende, windende oder niederliegende Sprosse sowie Blüten mit trichter- oder radförmig ausgebreiteter Krone. Die Blätter sind oft ganzrandig und an der Basis herzförmig oder pfeilförmig, doch auch hier gibt es Ausnahmen.

Zu den bekannten Gattungen zählen Convolvulus, Calystegia und Ipomoea. Gartenrelevant sind etwa Zierwinden mit üppigen Blüten, während Ackerwinde und Zaunwinde in vielen Regionen als ausdauernde, konkurrenzstarke Wildkräuter auftreten. Eine besondere Lebensweise zeigt Cuscuta, die Seide: Diese Pflanzen bilden stark reduzierte, fadenförmige Sprosse und beziehen Wasser sowie Nährstoffe über Haustorien von Wirtspflanzen.

Sie gehören trotz ihres ungewöhnlichen Erscheinungsbildes zu den Convolvulaceae. Pflege und Bewertung müssen deshalb stark vom jeweiligen Vertreter abhängen.

Lebensräume und ökologische Spannweite

Vertreter der Solanales besiedeln ein breites Spektrum. Solanaceae kommen in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen vor; viele Arten stammen aus Amerika, andere aus Eurasien, Afrika oder Australien. Sie wachsen in Wäldern, offenen Graslandschaften, auf Ruderalflächen, in Gebirgen und an gestörten Standorten.

Convolvulaceae sind ebenfalls weltweit verbreitet, mit einer deutlichen Vielfalt in warmen Regionen. Dort finden sich Kletterpflanzen in tropischen Wäldern, Strandpflanzen in salz- und windbeeinflussten Küstenbereichen sowie einjährige Arten auf offenen Böden. Die Lebensweise reicht von kurzlebigen Kräutern über ausdauernde Stauden bis zu Lianen und Parasiten.

Für die ökologische Einordnung ist daher nicht entscheidend, ob eine Pflanze allgemein als „Winde“ oder „Nachtschatten“ bezeichnet wird, sondern welcher Art sie angehört und welchen Lebensraum sie tatsächlich besiedelt.

Bedeutung für den Garten

Die gärtnerische Bedeutung der Solanales liegt in ihrer ungewöhnlichen Bandbreite. Tomate, Paprika, Aubergine und Kartoffel prägen den Nutzgarten; Petunien, Zaubertrompeten und verschiedene Winden bereichern Balkon, Beet und Rankgerüst. Dabei unterscheiden sich die Ansprüche deutlich.

Wärmeliebende Gemüsearten benötigen in Mitteleuropa meist einen geschützten, sonnigen Platz und eine ausreichend lange Vegetationszeit. Viele Zierwinden wachsen ebenfalls am besten warm und hell, können aber je nach Art einjährig kultiviert werden oder in frostfreien Quartieren überdauern. Andere Vertreter, etwa heimische oder eingebürgerte Winden, sind robust und können sich durch unterirdische Organe oder kräftiges Wachstum dauerhaft behaupten.

Eine gute Pflanzenwahl berücksichtigt deshalb Winterhärte, Wuchsform, Ausbreitungsverhalten und Giftigkeit ebenso wie Blütenwirkung oder Ertrag. Die Gruppe zeigt anschaulich, dass botanische Verwandtschaft zwar wertvolle Hinweise liefert, aber keine pauschale Pflegeanleitung ersetzt.

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