Zum Inhalt springen
Der Natur näher · Pflanzen kennenlernen, verstehen und pflegen
Gartenblues

Was möchtest du entdecken?

PFLANZENWELT ENTDECKEN

Heidekrautartige (Ericales)

4 Pflanzenporträts

Primula verisCamellia japonicaRhododendron simsiiGiftig
← Gesamtes Pflanzenlexikon
Pflanzengruppe auswählen

Pflanzen dieser Gruppe kennenlernen

Heidekrautartige (Ericales): vielgestaltige Blütenpflanzen von der Heide bis zum Tee

Die Ericales bilden eine artenreiche Ordnung der Bedecktsamer. Der deutsche Name „Heidekrautartige“ lenkt den Blick vor allem auf die Heidekrautgewächse, doch die Gruppe ist deutlich vielfältiger: Zu ihr gehören unter anderem Ericaceae, Primulaceae und Theaceae. Diese Familien sind hier als Orientierungshilfen zusammengefasst und keine gleichrangige botanische Einheit innerhalb der Ordnung.

Gemeinsam ist vielen Ericales die Bedeutung auffälliger Blüten, spezialisierter Bestäubung und enger Beziehungen zu bestimmten Böden oder Lebensräumen.

Eine Ordnung mit sehr unterschiedlichen Gestalten

Ericales umfassen krautige Pflanzen, Halbsträucher, Sträucher und Bäume. Manche Vertreter wachsen niedrig und polsterartig, andere entwickeln sich zu stattlichen Gehölzen. Auch die Blätter sind variabel: Sie können klein und lederig, dünn und weich, immergrün oder saisonal abfallend sein.

Häufig stehen die Blätter wechselständig, doch aus der äußeren Erscheinung lässt sich die Zugehörigkeit nicht zuverlässig ablesen. Die Blüten reichen von kleinen, unscheinbaren Formen bis zu großen, dekorativen Einzelblüten oder dichten Blütenständen. Bei vielen Arten sind die Kronblätter miteinander verwachsen und bilden Röhren, Schalen oder glockenartige Formen.

Solche Blüten können eng an bestimmte Bestäuber angepasst sein. Die Früchte reichen je nach Verwandtschaft von Beeren über Kapseln bis zu steinfruchtähnlichen Formen.

Ericaceae: Heide, Moor und saure Waldböden

Die Ericaceae sind der Namensgeber der deutschen Bezeichnung. Zu ihnen zählen unter anderem Calluna, Erica, Rhododendron, Vaccinium und Gaultheria. Viele Arten sind verholzende Pflanzen mit kleinen, oft immergrünen Blättern und auffälligen glocken-, urnen- oder röhrenförmigen Blüten.

Ihre natürliche Vielfalt liegt besonders in Heiden, Mooren, lichten Wäldern, Gebirgsregionen und anderen nährstoffarmen, häufig sauren Böden. Eine wichtige ökologische Besonderheit ist die enge Verbindung vieler Ericaceae mit Mykorrhizapilzen. Diese Pilzpartnerschaften unterstützen die Nährstoffversorgung und helfen den Pflanzen, auf schwierigen Standorten zu bestehen.

Im Garten sind Heidepflanzen, Rhododendren, Azaleen, Preiselbeeren und Heidelbeeren verbreitet. Sie haben jedoch nicht dieselben Ansprüche: Eine Besenheide benötigt meist einen sonnigen, eher trockenen und sauren Platz, während Rhododendren in der Regel einen humosen, frischen Boden und je nach Sorte Schutz vor praller Mittagssonne bevorzugen. Heidelbeeren wiederum brauchen ebenfalls saure Erde, können aber je nach Art und Sorte unterschiedliche Wuchsformen und Winterhärten zeigen.

Primulaceae: von der Frühlingsstaude bis zum Bodendecker

Die Primulaceae verbinden auffällige Blüten mit einer großen ökologischen und gärtnerischen Spannweite. Zu den bekannten Gattungen gehören Primula, Cyclamen, Lysimachia und Anagallis. Primeln stehen beispielhaft für kompakte Rosettenpflanzen mit lebhaften Blütenfarben.

Alpenveilchen besitzen dagegen häufig unterirdische Knollen und können, abhängig von der Art, im Herbst oder Winter blühen. Arten aus der Gattung Lysimachia reichen von aufrechten Stauden bis zu kriechenden Pflanzen für feuchte Gartenbereiche. Auch innerhalb dieser Familie darf die Pflege deshalb nicht vereinheitlicht werden.

Einige Primeln eignen sich für frische, humose Böden im Halbschatten, andere sind an sonnige Gebirgsstandorte angepasst. Cyclamen-Arten verlangen meist eine durchlässige, eher ruhende Sommerphase und reagieren empfindlich auf dauerhaft nasse Böden. Bei Lysimachia ist entscheidend, ob es sich um eine feuchtigkeitsliebende Staude oder um eine trockenheitsverträglichere Art handelt.

Die Familie zeigt damit besonders deutlich, wie wenig eine gemeinsame Ordnungszugehörigkeit über die konkreten Pflegebedürfnisse aussagt.

Theaceae: immergrüne Gehölze und die Kulturpflanze Tee

Die Theaceae sind überwiegend Gehölze aus warm-gemäßigten bis subtropischen Regionen. Zu den bekanntesten Vertretern gehört Camellia. Kamelien besitzen meist glänzende, lederige Blätter und auffällige Blüten; je nach Art und Sorte erscheinen diese im Herbst, Winter oder Frühjahr.

Camellia sinensis ist die Teepflanze, deren junge Blätter zur Herstellung von Tee genutzt werden. Weitere Gattungen wie Stewartia, Franklinia, Gordonia und Schima zeigen, dass die Familie über die klassischen Gartenkamelien hinausgeht. Im Garten brauchen Kamelien einen humosen, sauren und gut drainierten Boden.

Viele Sorten wachsen am besten an einem geschützten, hellen Platz ohne starke Wintersonne und austrocknende Winde. Diese Hinweise gelten jedoch nicht automatisch für alle Theaceae: Manche verwandten Gehölze sind in Mitteleuropa deutlich weniger winterhart oder haben andere Ansprüche an Feuchtigkeit, Licht und Sommerwärme.

Gärtnerische Bedeutung und passende Auswahl

Ericales bieten Pflanzen für sehr unterschiedliche Gartensituationen: Heidegärten, Moorbeete, saure Gehölzränder, Steingärten, Staudenbeete, Kübel und geschützte Innenhöfe. Für eine gute Auswahl sind nicht der Ordnungsname, sondern Herkunft, Art, Sorte und Standort entscheidend. Prüfe zunächst Bodenreaktion, Drainage, Feuchtigkeit, Licht und Winterklima.

Ericaceae eignen sich oft für saure Substrate und strukturreiche Pflanzungen, doch selbst innerhalb dieser Familie unterscheiden sich trockene Heiden deutlich von frischen Rhododendronstandorten. Primulaceae decken ein Spektrum von feuchten Schattenplätzen bis zu saisonal trockenen Bereichen ab. Theaceae sind vor allem als charaktervolle Gehölze interessant, benötigen aber häufig mehr Schutz und Wärme.

Viele Ericales sind zudem wertvoll für Bestäuber, liefern Früchte oder prägen naturnahe Pflanzungen durch ihre immergrüne Struktur. Wer die jeweilige Art statt nur die Familienbezeichnung betrachtet, kann aus dieser vielfältigen Ordnung dauerhaft passende und ökologisch stimmige Gartenpflanzen auswählen.

Gartenblues
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.