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Frauenhaarartige (Polytrichales)

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Polytrichum commune
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Frauenhaarartige (Polytrichales): kräftige Moose mit besonderen Blättern

Die Frauenhaarartigen, wissenschaftlich Polytrichales, gehören zu den auffälligsten Laubmoosen. Viele Vertreter wachsen aufrecht, bilden dichte Rasen und wirken im Vergleich zu zarten Waldmoosen ungewöhnlich robust. Ihr gemeinsames Erscheinungsbild beruht vor allem auf besonderen Blattstrukturen und einem charakteristischen Aufbau der Sporenkapseln.

Die Ordnung umfasst in gängigen taxonomischen Behandlungen vor allem die Familie Polytrichaceae. Die folgenden Beispiele zeigen die Vielfalt der Gruppe, stellen aber keine vollständige Artenliste dar.

Erkennungsmerkmale der Gruppe

Viele Frauenhaarartige besitzen aufrechte, unverzweigte oder nur wenig verzweigte Stämmchen, die aus einem unterirdischen oder kriechenden Rhizom hervorgehen. Die Blätter haben häufig eine scheidenartige Basis und eine davon deutlich abgesetzte Spreite. Besonders kennzeichnend sind die längs verlaufenden, dicht stehenden Lamellen auf der Oberseite der Blattrippe.

Diese leistenartigen Zellreihen vergrößern die photosynthetisch aktive Oberfläche und sind mit einer Lupe gut erkennbar. Je nach Gattung und Art können die Lamellen glatt, gezähnt oder unterschiedlich hoch sein. Auch Blattrand, Blattspitze, Rippe und das Verhalten der Blätter bei Trockenheit helfen bei der Bestimmung.

Die Sporophyten sitzen auf langen, meist stabilen Stielen und tragen aufrechte bis geneigte Kapseln. Nach dem Öffnen besitzt die Kapsel einen besonderen Peristomapparat aus ganzen, dickwandigen Zellbündeln. Dieses sogenannte nematodonte Peristom unterscheidet die Polytrichales von den meisten anderen Laubmoosen.

Bei vielen Arten liegt außerdem ein häutiges Epiphragma über der Kapselöffnung. Die auffällige, oft behaarte Haube über der jungen Kapsel erklärt die englische Bezeichnung Haircap Moss und steht auch hinter dem deutschen Bezug auf haarartige Strukturen.

Vielfalt innerhalb der Polytrichales

Die Gruppe ist morphologisch breiter aufgestellt, als der vertraute Anblick des Widertonmooses vermuten lässt. Manche Arten bilden niedrige, kompakte Polster, andere entwickeln auffallend hohe, straff aufrechte Stämmchen. Zu den bekannten Vertretern zählen das Gemeine Frauenhaarmoos Polytrichum commune, das Wacholder-Widertonmoos Polytrichum juniperinum und das Schön-Widertonmoos Polytrichastrum formosum.

Auch Arten der Gattungen Atrichum und Pogonatum gehören zur Familie Polytrichaceae. In der südlichen Hemisphäre fallen besonders große Vertreter der Gattung Dawsonia auf; Dawsonia superba gilt als ein außergewöhnlich stattliches Landmoos. Nicht alle Gattungen zeigen die typischen Blattlamellen in gleicher Ausprägung.

Bei einigen Linien sind sie stark entwickelt und bedecken fast die gesamte Blattspreite, bei anderen bleiben sie auf die Rippe beschränkt oder sind deutlich schwächer. Ebenso unterscheiden sich die Kapseln in Form, Neigung und Zahl beziehungsweise Ausprägung der Peristomzähne. Solche Unterschiede sind für die wissenschaftliche Systematik und die Bestimmung wichtiger als die oft wechselnde Wuchshöhe allein.

Lebensräume und ökologische Rolle

Frauenhaarartige sind überwiegend terrestrische Moose. Sie wachsen auf Erde, Rohboden, humosen Waldböden, offenen Heideflächen, Böschungen, Wegrändern und gelegentlich auf Gestein. Viele Arten besiedeln saure oder nährstoffarme Substrate, doch die Standortansprüche sind innerhalb der Ordnung nicht einheitlich.

Polytrichum commune findet man häufig auf feuchten, sauren Böden und in Moorlandschaften. Polytrichum juniperinum kommt dagegen auch an trockeneren, sonnigeren und stärker offengelegten Stellen vor. Andere Vertreter bevorzugen schattige Waldböden oder dauerhaft frische Standorte.

Zahlreiche Arten gelten als Pioniermoose. Sie können offene Bodenflächen besiedeln, in denen die Konkurrenz durch höhere Pflanzen zunächst gering ist. Ihre Rasen schützen die Bodenoberfläche vor Austrocknung und Erosion und schaffen kleinräumige Lebensbedingungen für weitere Bodenorganismen.

Das bedeutet nicht, dass jede Art gleichermaßen trockenheitsverträglich oder konkurrenzstark wäre. Entscheidend sind unter anderem Substrat, Licht, Luftfeuchte, Niederschlagsverteilung und die Dauer der Bodenfeuchte.

Bedeutung für naturnahe Gärten

Für den Garten sind Polytrichales vor allem dort interessant, wo eine moosige, bodennahe Gestaltung erwünscht ist. Ihre aufrechten Triebe und die oft kräftig grünen bis bronzefarbenen Rasen verleihen schattigen Waldgärten, Heidebeeten, sauren Bereichen und naturnahen Böschungen Struktur. Arten mit markanten Sporophyten können zudem einen guten Einstieg in die Beobachtung des Mooslebenszyklus bieten.

Im Gegensatz zu vielen sehr flach wachsenden Moosen wirken Frauenhaarartige häufig eher wie kleine, aufrecht stehende Pflanzenbestände. Eine pauschale Pflegeempfehlung wäre jedoch falsch. Feuchte Waldarten benötigen andere Bedingungen als Vertreter offener, trockener Rohböden.

Für eine erfolgreiche Ansiedlung ist es sinnvoller, den passenden Standort auszuwählen, als ein beliebiges Moos an eine gewünschte Stelle zu setzen. Das Substrat sollte frei von dichtem Unkrautbewuchs und starker Laubüberdeckung sein. Je nach Art sind saurer, humoser Boden oder mineralischer Rohboden geeigneter.

Regelmäßige, sanfte Feuchtigkeit kann in der Anwachsphase helfen; dauerhafte Staunässe, starke Bodenbearbeitung und intensive Düngung sind dagegen nicht für alle Arten verträglich.

Beobachten, bestimmen und schützen

Die Bestimmung innerhalb der Polytrichales gelingt selten allein nach Farbe oder Wuchshöhe. Besser lassen sich mehrere Merkmale gemeinsam beurteilen: die Form der Blattbasis, die Anordnung und Höhe der Lamellen, der Blattrand, die Rippe, die Stellung der Blätter bei Trockenheit sowie Form und Oberfläche der Kapsel. Eine Lupe ist dafür oft hilfreicher als ein Foto aus größerer Entfernung.

Im Garten sollten vorhandene Moosrasen möglichst geschont werden, besonders auf alten Böschungen, an Wegrändern und in kleinen Feuchtbereichen. Das Entfernen von Laub und konkurrierenden Kräutern sollte vorsichtig erfolgen, damit die empfindlichen Stämmchen und Rhizome nicht aufgerissen werden. Wer Moose aus der Natur in den Garten übertragen möchte, sollte dies unterlassen, wenn dadurch geschützte Bestände oder empfindliche Lebensräume beeinträchtigt werden.

Besser ist es, geeignete Stellen zu beobachten, die natürliche Ansiedlung abzuwarten und den Standort entsprechend zu entwickeln.

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