
Mauerrautenfarn (Asplenium trichomanes)
Der Mauerrautenfarn ist ein kleiner, ausdauernder Farn für enge Felsspalten, Mauerritzen und schattige Steingärten. Seine schmalen, meist immergrünen Wedel sitzen rosettenartig auf einem kurzen Rhizom und tragen auffällig …
Mauerrautenfarn – kurz vorgestellt
Der Mauerrautenfarn ist ein kleiner, ausdauernder Farn für enge Felsspalten, Mauerritzen und schattige Steingärten. Seine schmalen, meist immergrünen Wedel sitzen rosettenartig auf einem kurzen Rhizom und tragen auffällig dunkelbraune bis fast schwarze Stiele. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst er bevorzugt an kalkhaltigem oder zumindest basenreichem Gestein, kommt je nach Unterart aber auch an kalkarmen Felsen vor.
Im Garten braucht er vor allem einen dauerhaft leicht feuchten, gut drainierten Standort ohne Staunässe und ohne starke Wintersonne.
Taxonomische Einordnung
- Abteilung
- TracheophytaGefäßpflanzen
- Ordnung
- Polypodiales
- Familie
- AspleniaceaeStreifenfarngewächse
- Gattung
- AspleniumStreifenfarne
- Art
- Asplenium trichomanes
Mauerrautenfarn pflegen
Sonnenlicht
Halbschatten bis SchattenEin heller Platz ohne pralle Mittagssonne ist ideal; Morgen- oder Abendsonne wird an ausreichend feuchten Standorten meist vertragen.
Wasserbedarf
Gleichmäßig leicht feuchtDas Substrat zwischen den Wassergaben nur oberflächlich abtrocknen lassen.
Frosthärte
Geschützte FelsspalteIn geschützten Felsspalten überwintert die Art in Mitteleuropa meist zuverlässig.
Bodentyp
Mineralisch und durchlässigMineralisches, steiniges Substrat mit etwas Humus verwenden.
pH-Wert
Neutral bis basenreichJe nach Herkunft sind kalkhaltige bis kalkarme Substrate möglich; für mitteleuropäische Pflanzen ist ein neutraler bis basenreicher Fugenbereich meist passend.
Giftigkeit und Sicherheit
Für Menschen und Haustiere liegt keine belastbare artspezifische Giftigkeitseinstufung in den herangezogenen Quellen vor; Pflanzenteile vorsichtshalber nicht verzehren.
Weitere Pflegetipps
- Alte oder wintergeschädigte Wedel erst im Frühjahr entfernen
- Bei längerer Trockenheit direkt an der Fuge langsam und durchdringend wässern
- Laub und fallende Erde regelmäßig aus engen Mauerritzen entfernen
- Im Topf ausschließlich Gefäße mit sicherem Wasserabzug verwenden
- Bei Schneckenfraß junge Wedel kontrollieren, obwohl die Art meist wenig anfällig ist
- Wasser: In Mauern darf überschüssiges Wasser rasch ablaufen.
- Winterhärte: Schutz ist vor allem bei exponierten Töpfen und austrocknenden Kahlfrostlagen nötig.
- Boden: Verdichtete Gartenerde und dauerhaft nasse, luftarme Mischungen vermeiden.
- Wuchshöhe: Die Wedel erreichen gewöhnlich etwa 6 bis 23 Zentimeter; unter Gartenbedingungen bleiben die Horste meist kompakt.
- Wuchs: Langsam wachsender, horstbildender Farn mit kurzem Rhizom. Der Zuwachs ist bei gleichmäßiger Feuchte und guter Drainage am zuverlässigsten.
- Lebensdauer: Ausdauernder Farn mit häufig wintergrünen Wedeln. Neue Wedel erscheinen im Frühjahr, während ältere Wedel über mehrere Jahreszeiten erhalten bleiben können.
- Pflegeaufwand: Bei passender Fuge unkompliziert, bei falscher Wasserversorgung jedoch empfindlich. Entscheidend sind Luft im Wurzelraum und Schutz vor Austrocknung.
Pflanzen und Umtopfen
- Eine 5 bis 10 Zentimeter tiefe, senkrechte oder leicht geneigte Felsspalte mit mineralischem Substrat vorbereiten
- Wurzelballen nur so tief setzen, dass das Rhizom nicht vollständig mit Erde bedeckt ist
- Fuge mit feinem Splitt, kalkhaltigem Gestein und wenig humoser Erde ausfüllen
- Nach dem Pflanzen gründlich angießen und die ersten Wochen gleichmäßig feucht halten
- Nicht in frisch verfugte, stark alkalische Mörtelfugen mit hoher Salzbelastung setzen
Überwintern
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Art an geeigneten Felsspalten meist ausreichend winterfest.
- Kritischer als Frost sind austrocknende Winterwinde, starke Wintersonne und gefrierende Nässe im Pflanzgefäß.
- Topffarne an eine geschützte Hauswand stellen und bei offenem Boden leicht feucht halten.
Vermehrung
- Reife Sporen von der Wedelunterseite auf sauberem, feuchtem Aussaatsubstrat verteilen
- Aussaatschalen hell, aber ohne direkte Sonne und dauerhaft feucht halten
- Die Sporen keimen zunächst zu kleinen Prothallien, die anschließend Jungfarne bilden
- Größere Horste im Frühjahr vorsichtig teilen, sofern mehrere bewurzelte Rhizombereiche vorhanden sind
- Wildbestände nicht ausgraben, sondern nur legal vermehrtes oder kultiviertes Material verwenden
Wuchs und Aussehen
Blattfarben
Gartenstil
Die zierlichen Wedel werden meist etwa 6 bis 23 Zentimeter lang und bilden dichte, niedrige Horste. Sie sind einfach gefiedert, schmal linealisch und dunkelgrün. Die rundlichen bis länglichen Fiederblättchen sitzen an einer glänzend dunkelbraunen bis schwarzbraunen Spindel.
Die Wedel stehen aufrecht bis leicht überhängend und bleiben in geschützten Lagen oft über den Winter erhalten.
Blüte
Blütenform
Auf der Unterseite der Fiederblättchen sitzen längliche, gerade bis leicht gekrümmte Sori. Sie verlaufen entlang der Blattadern und werden von einem schmalen, häutigen Indusium begleitet. Die Sori sind zunächst unauffällig und werden bei der Sporenreife deutlicher.
Da Farne keine Blüten bilden, gibt es keine Blütenfarbe, keinen Blütenstand im botanischen Sinn und keine klassische Blütezeit.
Sporenreife ist standort- und witterungsabhängig; bei verwandten Beschreibungen wird sie vom späten Frühjahr bis in den Frühherbst angegeben. Eine Blütezeit gibt es nicht.
Bestäuber und Blütenbesucher
Keine Blüten und daher keine belegten Blütenbesucher. Die Art vermehrt sich über Sporen und ist nicht auf Bestäubung angewiesen.
Herkunft und Lebensraum
Asplenium trichomanes besiedelt Felsspalten, Mauerritzen, Geröllhänge und steinige Waldstandorte. In Mitteleuropa findet man ihn häufig an kalkhaltigem Gestein, doch einzelne Sippen wachsen auch auf kalkarmen bis sauren Substraten. Die Art ist in der gemäßigten und subtropischen Nordhalbkugel weit verbreitet.
Verwendung
Geeignet für schattige Trockenmauern, Steinfugen, Alpinanlagen, schattige Tuffsteinbereiche und kleine Farngefäße. Besonders wirkungsvoll ist er in Kombination mit Moosen und anderen kleinwüchsigen Felsspaltenpflanzen. Für sonnige, heiße Mauerkronen oder ständig nasse Teichränder ist er nicht geeignet.
Wissenswert
Farne bilden keine Blüten. Die Fortpflanzung erfolgt über Sporen, die in länglichen Sori auf der Unterseite der Fiederblättchen entstehen. Die dunkle Spindel und die schmalen Wedel unterscheiden den Mauerrautenfarn deutlich von vielen großblättrigen Gartenfarnen.
Asplenium trichomanes – Bilder


Häufige Fragen
Häufige Probleme
Warum werden die Wedel braun und trocken?
Häufige Ursachen sind sommerliche Austrocknung, trockene Winterwinde, direkte Wintersonne oder ein zu kleiner Topf. Prüfe zuerst die Feuchte in der Fuge und den Wasserabzug. Vollständig vertrocknete Wedel erholen sich nicht, neue Wedel können bei verbesserten Bedingungen im nächsten Frühjahr erscheinen.
Warum wächst der Farn trotz Feuchtigkeit nicht?
Zu nasses, verdichtetes Substrat kann die Wurzeln ebenso schädigen wie Trockenheit. Auch frisch verfugte Mauern, Salzbelastung, starke Hitze oder ein zu tief gesetztes Rhizom bremsen das Wachstum. Prüfe Drainage, Fugenmaterial, Pflanztiefe und Licht, bevor du häufiger gießt.
Schädlinge und Krankheiten
Welche Schädlinge treten beim Mauerrautenfarn auf?
Bei Freilandpflanzen sind Schäden meist gering. In trockener Topfkultur können gelegentlich saugende Schädlinge auftreten, besonders wenn die Pflanze warm und lufttrocken steht. Wedel regelmäßig kontrollieren, die Kulturbedingungen verbessern und befallene Pflanzenteile entfernen, bevor ein Pflanzenschutzmittel erwogen wird.
Grundpflege
Wie viel Sonne verträgt der Mauerrautenfarn?
Ein heller Schattenplatz oder Halbschatten ist am sichersten. Etwas Morgen- oder Abendsonne wird meist vertragen, wenn die Felsspalte nicht austrocknet. Pralle Mittagssonne erhitzt Stein und Substrat stark und kann die schmalen Wedel trotz ausreichender Winterhärte dauerhaft schädigen.
Wie oft muss der Farn gegossen werden?
Im Freiland wird nur bei längerer Trockenheit gegossen. In der Anwachszeit und bei Topfkultur regelmäßig kontrollieren, weil schmale Mauerritzen schnell austrocknen. Wasser langsam an den Wurzelbereich geben; Staunässe im Pflanzgefäß oder hinter einer dichten Mauer darf nicht entstehen.
Praktische Pflege
Wann werden alte Wedel entfernt?
Beschädigte oder vollständig braune Wedel lassen sich im späten Winter oder zeitigen Frühjahr abschneiden. Grüne Wedel möglichst stehen lassen, weil sie den Horst schützen und weiterhin assimilieren. Beim Schneiden nicht in das Rhizom stechen und keine jungen, eingerollten Wedel verletzen.
Lässt sich der Farn durch Teilung vermehren?
Eine Teilung ist bei größeren, gut entwickelten Horsten möglich, aber nicht bei jedem kleinen Exemplar sinnvoll. Im Frühjahr den Horst vorsichtig aus der Fuge lösen und nur bewurzelte Rhizombereiche trennen. Die Teilstücke sofort wieder einsetzen und mehrere Wochen gleichmäßig feucht halten.
Wie schützt man den Farn im Winter?
Ausgepflanzte Exemplare brauchen meist keinen Winterschutz, wenn sie in einer geschützten Fuge stehen. Topfkultur ist empfindlicher: Das Gefäß windgeschützt aufstellen, nicht auf einen frostigen Metall- oder Steinboden stellen und bei frostfreien Perioden sparsam kontrollieren. Immergrüne Wedel vor Wintersonne schützen.
Standort und Sicherheit
Ist der Mauerrautenfarn giftig für Menschen oder Haustiere?
Für Asplenium trichomanes liegt in den herangezogenen Quellen keine belastbare artspezifische Giftigkeitseinstufung für Menschen oder Haustiere vor. Pflanzenteile sollten trotzdem nicht verzehrt werden. Bei Beschwerden nach dem Verschlucken von Pflanzenmaterial ärztlichen oder tierärztlichen Rat einholen und die Pflanze zur Bestimmung bereithalten.
Pflanzen und Umtopfen
Kann der Mauerrautenfarn in eine Trockenmauer gesetzt werden?
Ja, sofern die Fuge nicht vollständig austrocknet und genügend feines, mineralisches Substrat enthält. Eine leicht schattige, luftige Mauer ist günstiger als eine sonnige Südfassade. Den Wurzelballen nicht tief vergraben, weil das kurze Rhizom empfindlich auf dauerhaft nasse Erde reagiert.
Welches Substrat eignet sich für die Kultur im Topf?
Geeignet ist eine Mischung aus feinem Splitt, mineralischem Pflanzsubstrat und wenig reifem Kompost oder Laubhumus. Das Gefäß braucht ein großes Abzugsloch. Reine Blumenerde bleibt oft zu lange nass und sackt zusammen, während grober Kies ohne Feinanteil zu wenig Wasser speichert.
Wie funktioniert die Aussaat über Sporen?
Reife Sporen werden von der Wedelunterseite auf feuchtes, keimfreies Substrat gestreut. Die Aussaatschale bleibt hell, geschlossen und dauerhaft feucht. Zunächst entstehen Prothallien, später Jungfarne.
Die Methode ist deutlich langsamer als die Teilung und verlangt sauberes Arbeiten sowie Geduld.
Quellen und Bildnachweise
- powo.science.kew.org
- www.gbif.org
- www.rhs.org.uk
- www.nargs.org
- www.botanicgardens.org
- www.lfu.bayern.de
- gobotany.nativeplanttrust.org
- www.dnr.state.mn.us
Bildnachweise stehen direkt bei den Bildern.


