GiftigGemüsekohl (Brassica oleracea)
Gemüsekohl ist eine außerordentlich formenreiche Nutzpflanzenart. Aus ihr stammen unter anderem Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Grünkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Kohlrabi. Die Wildform wächst an Küstenfelsen im westlichen Europa, …
Gemüsekohl – kurz vorgestellt
Gemüsekohl ist eine außerordentlich formenreiche Nutzpflanzenart. Aus ihr stammen unter anderem Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Grünkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Kohlrabi. Die Wildform wächst an Küstenfelsen im westlichen Europa, während die Kulturformen je nach Nutzung sehr unterschiedliche Blätter, Sprosse oder Blütenstände ausbilden.
- Im Garten verlangt Brassica oleracea einen sonnigen, nährstoffreichen und gleichmäßig feuchten Platz.
- Wer Fruchtfolge, Netzschutz und eine kontinuierliche Wasserversorgung beachtet, kann die verschiedenen Kohlformen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuverlässig anbauen.
Taxonomische Einordnung
- Abteilung
- TracheophytaGefäßpflanzen
- Ordnung
- BrassicalesKreuzblütlerartige
- Familie
- BrassicaceaeKreuzblütengewächse
- Gattung
- BrassicaKohl
- Art
- Brassica oleracea
Gemüsekohl pflegen
Sonnenlicht
Volle Sonne bevorzugtWähle einen offenen, sonnigen Platz mit möglichst gleichmäßiger Belichtung.
Wasserbedarf
Gleichmäßig feucht haltenGieße besonders während der Kopf-, Blütenstands- oder Knollenbildung regelmäßig und durchdringend.
Frosthärte
Sortenabhängige FrostverträglichkeitDie Frostverträglichkeit unterscheidet sich deutlich zwischen Grünkohl, Rosenkohl, Winterkohl und empfindlicheren Blumenkohlformen.
Bodentyp
Tiefgründig und nährstoffreichIdeal ist ein tiefgründiger, humoser und nährstoffreicher Boden mit guter Wasserhaltefähigkeit.
pH-Wert
Neutral bis schwach alkalischEin neutraler bis schwach alkalischer Boden ist günstig.
Giftigkeit und Sicherheit
Für gesunde Menschen bei üblichen Lebensmittelmengen nicht als pauschal giftig einzustufen. Sehr hohe oder wiederholte R
Für wen gefährlich
Betroffene Pflanzenteile
Als Lebensmittelpflanze ist Gemüsekohl bei üblicher Zubereitung nicht pauschal giftig. Sehr hohe, wiederholte Rohmengen können wegen Glucosinolaten problematisch sein; individuelle Allergien gegen Kohlbestandteile sind möglich.
Weitere Pflegetipps
- Regelmäßige Pflege verhindert Wachstumsstockungen, die bei Kohl häufig zu kleinen Köpfen, vorzeitigem Schossen oder erhöhter Krankheitsanfälligkeit führen.
- Kontrolliere Blätter und Wurzelbereich regelmäßig und entferne befallene Pflanzenteile.
- Boden gleichmäßig feucht, aber nicht nass halten
- Zwischen den Reihen vorsichtig hacken
- Feinnetz unmittelbar nach dem Pflanzen anbringen
- Kohlpflanzen regelmäßig auf Raupen und Blattläuse kontrollieren
- Befallene Blätter und Raupen von Hand entfernen
- Pflanzenreste nach der Ernte nicht auf dem Beet liegen lassen
- Licht: Halbschatten ist bei einzelnen Formen möglich, führt aber häufig zu langsamerem Wachstum und kleineren Erträgen.
- Wasser: Kurze Trockenphasen können Wachstumsstockungen, Aufplatzen oder vorzeitiges Schossen fördern.
- Winterhärte: Schutzbedarf entsteht vor allem bei Jungpflanzen, Kahlfrost, Wind und lang anhaltender Nässe.
- Boden: Verdichtete, vernässte oder stark ausgelaugte Beete vermindern Wurzelwachstum und Standfestigkeit.
- pH-Wert: Stark saure Böden erhöhen das Risiko für Kohlhernie und sollten vor dem Anbau nach einer Bodenanalyse verbessert werden.
- Wuchshöhe: Die Wuchshöhe reicht von niedrigen Blattrosetten bis zu deutlich über zwei Metern bei blühenden Pflanzen. Kulturform, Sorte, Nährstoffversorgung und der Zeitpunkt des Schossens beeinflussen die Endhöhe.
- Wuchs: Gemüsekohl wächst bei gleichmäßiger Feuchte und guter Nährstoffversorgung zügig. Wachstumsunterbrechungen durch Trockenheit, Hitze, Kälte oder Umpflanzschäden können die spätere Qualität deutlich mindern.
- Lebensdauer: Die Art ist je nach Herkunft und Kulturführung einjährig, zweijährig oder ausdauernd. Viele Gemüseformen werden vor der Blüte geerntet, während die Samenbildung meist im zweiten Jahr erfolgt.
- Pflegeaufwand: Die Kultur ist grundsätzlich gut machbar, verlangt aber konsequente Schädlingskontrolle, Fruchtfolge und Wasserversorgung. Besonders Blumenkohl und andere kopfbildende Formen reagieren empfindlich auf Pflegefehler.
Pflanzen und Umtopfen
- Pflanze Kohl in einen tief gelockerten, humosen und nährstoffreichen Boden.
- Setze Jungpflanzen mit kräftigem Wurzelballen nach der Abhärtung aus und halte ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen.
- Standort möglichst jedes Jahr innerhalb der Fruchtfolge wechseln
- Jungpflanzen bei vier bis sechs gut entwickelten Blättern setzen
- Pflanzabstand an die jeweilige Kulturform anpassen
- Boden vor dem Pflanzen mit reifem Kompost verbessern
- Nach dem Setzen gründlich einschlämmen
- Kohl nicht direkt nach anderem Kohl anbauen
Überwintern
- Viele Kohlformen vertragen leichten bis mäßigen Frost, doch die Widerstandsfähigkeit hängt stark von Kulturform, Sorte, Entwicklungsstand, Wind und Bodenfeuchte ab.
- Winterkohl bleibt in milden Lagen oft im Beet.
- Junge Pflanzen, empfindliche Blumenkohlformen und starke Frostperioden benötigen Schutz durch Vlies oder eine geschützte Lage.
- Winterkohl vor längerem Dauerfrost ernten oder mit Vlies schützen
- Gefrorene Blätter nicht bei Frost berühren oder schneiden
- Staunässe im Winter durch durchlässigen Boden vermeiden
- Kohlstrünke nach der Ernte vollständig entfernen
- Bei Rosenkohl und Grünkohl die Sortenangaben zur Frostverträglichkeit beachten
Vermehrung
- Die Vermehrung erfolgt durch Samen.
- Aussaatzeit, Voranzucht und Pflanztermin richten sich nach Kulturform und Erntezeit.
- Für sortenreines Saatgut müssen blühende Pflanzen von anderen Kohlformen derselben Art getrennt gehalten werden.
- Frühkohl im geschützten Raum vorziehen
- Spät- und Winterkohl direkt oder in Anzuchtschalen säen
- Keimlinge nach dem Auflaufen hell und luftig stellen
- Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise abhärten
- Nur ausgereifte, trockene Schoten zur Saatgutgewinnung verwenden
- Blühende Kohlformen zur Sortenerhaltung isolieren
Wuchs und Aussehen
Blattfarben
Gartenstil
Brassica oleracea ist je nach Kulturform eine ein- oder zweijährige, meist kräftige krautige Pflanze. Die Blätter können glatt, gekraust, blaugrün, violett oder weiß gezeichnet sein. Manche Formen bilden einen festen Kopf, andere lockere Blattrosetten, verdickte Sprosse oder kompakte Blütenstände.
Im Blühstadium entwickelt die Pflanze einen aufrechten, oft hohen Stängel mit gelben bis hellgelben oder weißen Kreuzblüten.
Blüte
Blütenfarben
Die Wildart und die botanische Grundbeschreibung werden mit hellgelben bis gelben, teils weißen Blüten angegeben. Gärtnerische Farbvarianten betreffen bei Gemüsekohl vor allem Blätter und Blattrosetten; ein einheitliches Sortiment verschiedenfarbiger Blüten ist für die Gesamtart nicht belegt.
Blütenform
Die Blüten besitzen vier kreuzförmig angeordnete, meist hellgelbe bis gelbe oder gelegentlich weiße Kronblätter. Dazu kommen vier Kelchblätter und sechs Staubblätter, von denen vier länger als die beiden äußeren sind. Die Einzelblüten stehen zunächst in einer Traube, deren Achse sich während der Blüte verlängert.
Nach der Befruchtung entstehen schmale Schoten mit kurzem Schnabel und zahlreichen Samen. Die Blüte erscheint meist nach einer Überwinterung oder bei ausgereiften Pflanzen.
Unter mitteleuropäischen Bedingungen blühen überwinterte oder im zweiten Jahr kultivierte Pflanzen meist von Mai bis Juli. Der genaue Zeitraum hängt von Kulturform, Aussaat, Überwinterung, Standort und Witterungsverlauf ab.
Bestäuber und Blütenbesucher
Honigbiene
Apis melliferaNektar und Pollen · Während der Blüte im Frühjahr und Frühsommer
Honigbienen sind als Blütenbesucher bei blühenden Kulturformen von Brassica oleracea, darunter Blumenkohl zur Saatgutgewinnung, dokumentiert. Die tatsächliche Besuchsdichte hängt von Wetter, Blütenangebot und regionalem Insektenvorkommen ab.
Herkunft und Lebensraum
Die Wildform stammt von den Atlantikküsten Großbritanniens, Frankreichs und Spaniens. Sie wächst dort vor allem auf sonnigen, eher offenen Küstenklippen und in gemäßigtem Klima. Kulturformen werden weltweit angebaut.
Verwendung
Die Art liefert zahlreiche Gemüseformen für Rohkost, Salate, Suppen, Fermente und warme Gerichte. Einige Sorten dienen als Futterpflanzen, andere als Zierkohl. Blühende Pflanzen können im Nutzgarten stehen bleiben und Samen für die weitere Aussaat bilden.
Wissenswert
Gemüsekohl wird seit mindestens 2.000 Jahren kultiviert. Die heutigen Kohlformen gehören trotz ihrer sehr unterschiedlichen Erscheinung zu derselben Art. Glucosinolate sind für den typischen Kohlgeschmack verantwortlich und können bei sehr hoher Aufnahme unerwünschte Wirkungen entfalten.
Brassica oleracea – Bilder
Giftig
GiftigHäufige Fragen
Häufige Probleme
Warum bildet mein Kohl keinen festen Kopf?
Häufige Ursachen sind zu wenig Licht, Trockenstress, Nährstoffmangel, zu dichter Stand oder ein ungeeigneter Aussaatzeitpunkt. Auch extreme Hitze und wiederholte Wachstumsunterbrechungen können die Kopfbildung stören. Halte die Pflanzen gleichmäßig feucht und wähle eine zur Jahreszeit passende Sorte.
Was hilft gegen Kohlhernie?
Kohlhernie tritt besonders auf sauren, feuchten und verdichteten Böden auf. Baue Kohl mehrere Jahre nicht auf derselben Fläche an, verbessere die Bodenstruktur und lasse befallene Wurzeln nicht im Beet zurück. Bei starkem Befall sollte die Anbaupause für Kreuzblütler verlängert werden.
Schädlinge und Krankheiten
Wie schütze ich Gemüsekohl vor Kohlweißlingsraupen?
Decke das Beet direkt nach dem Pflanzen mit feinmaschigem Kulturschutznetz ab. Kontrolliere die Blattunterseiten regelmäßig auf Eier und junge Raupen. Einzelne Raupen kannst du absammeln.
Ein später Netzeinsatz hilft nicht mehr zuverlässig, wenn die Falter bereits Eier abgelegt haben.
Was kann ich gegen Erdflöhe an jungen Kohlpflanzen tun?
Erdflöhe verursachen zahlreiche kleine Löcher, besonders bei trockenem Wetter. Halte den Boden gleichmäßig feucht, entferne Unkraut als mögliche Ausweichpflanzen und schütze die Jungpflanzen mit einem geeigneten Fein- oder Kulturschutznetz. Kräftige, gut bewässerte Pflanzen wachsen meist schneller aus dem Schaden heraus.
Warum sind die Kohlblätter voller kleiner Löcher?
Kleine, verstreute Löcher stammen häufig von Erdflöhen, größere Fraßstellen von Raupen oder Schnecken. Prüfe Blätter, Blattunterseiten und die Bodenoberfläche zu verschiedenen Tageszeiten. Schutznetze, regelmäßige Kontrollen und das Entfernen sichtbarer Schädlinge sind meist wirksamer als spätes Eingreifen.
Grundpflege
Wie oft muss Gemüsekohl gegossen werden?
Gieße immer dann durchdringend, wenn die obersten Bodenzentimeter abtrocknen. Während der Kopfbildung, bei Kohlrabi-Knollen und in warmen Sommerwochen steigt der Bedarf. Unregelmäßige Wasserversorgung kann das Wachstum bremsen, Köpfe platzen lassen oder bei manchen Formen vorzeitiges Schossen begünstigen.
Welcher Dünger eignet sich für Gemüsekohl?
Vor dem Pflanzen eignet sich gut verrotteter Kompost. Bei stark zehrenden Formen kann während des Wachstums ein organischer Gemüsedünger nach Herstellerangabe ergänzt werden. Übermäßige Stickstoffgaben fördern weiches Gewebe und können die Anfälligkeit für Krankheiten sowie die Nitratbelastung erhöhen.
Kann ich Samen vom eigenen Kohl gewinnen?
Ja, sofern die Pflanze ausgereift überwintert und im Folgejahr blüht. Für sortenreines Saatgut müssen verschiedene Kohlformen derselben Art voneinander getrennt blühen, weil sie sich untereinander kreuzen können. Lass die Schoten vollständig ausreifen und trockne das Saatgut anschließend luftig nach.
Praktische Pflege
Muss Gemüsekohl angehäufelt werden?
Ein leichtes Anhäufeln kann bei hohen oder kopflastigen Pflanzen die Standfestigkeit verbessern. Arbeite die Erde vorsichtig an den Stängel, ohne die Blattrosette zu verschütten. Bei Kohlrabi oder flach wurzelnden Jungpflanzen darf der Boden nicht so hoch angehäuft werden, dass die Knolle oder Herzblätter bedeckt werden.
Wann ist Kohl erntereif?
Kopfkohl ist erntereif, wenn sich der Kopf fest anfühlt und die sortentypische Größe erreicht hat. Brokkoli und Blumenkohl werden vor dem Aufblühen geschnitten, Kohlrabi bei passender Knollengröße. Rosenkohl wird nach und nach von unten nach oben geerntet, während Blattkohl fortlaufend gepflückt werden kann.
Kann Kohl nach der Ernte weiterwachsen?
Bei manchen Früh- und Sommerkohlen kann ein sauber geschnittener Strunk mit einem kleinen Kreuz eingeschnitten werden. Unter günstigen Bedingungen entstehen daraus kleinere Seitentriebe oder Nachköpfe. Das gelingt nicht bei jeder Kulturform und setzt ausreichend Feuchtigkeit sowie eine noch lange Wachstumsperiode voraus.
Übersteht Gemüsekohl den Winter im Beet?
Das hängt stark von der Kulturform und der Sorte ab. Grünkohl, Rosenkohl und viele Winterkohle sind vergleichsweise robust, während Blumenkohl und junge Pflanzen empfindlicher reagieren. Schütze gefährdete Bestände bei starkem Frost, Kahlfrost und austrocknendem Ostwind mit Vlies oder einer geschützten Lage.
Standort und Sicherheit
Ist Gemüsekohl für Menschen giftig?
Übliche essbare Kohlteile gelten bei normaler Zubereitung nicht als pauschal giftig. Die Pflanzen enthalten jedoch Glucosinolate. Sehr große, wiederholte Rohmengen können besonders bei empfindlichen Personen problematisch sein.
Bei bekannter Kohlallergie sollte auf individuelle Verträglichkeit und ärztlichen Rat geachtet werden.
Kann Kohl Allergien auslösen?
Allergische Reaktionen auf Kohlbestandteile sind selten, aber wissenschaftlich beschrieben. Auch Pollen von Brokkoli- und Blumenkohlformen können bei beruflich stark exponierten Personen Beschwerden verursachen. Bei Atemnot, Schwellungen oder schweren Reaktionen nach Kontakt oder Verzehr ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Pflanzen und Umtopfen
Wann wird Gemüsekohl in Deutschland, Österreich und der Schweiz gepflanzt?
Der Termin hängt von der Kulturform ab. Frühkohl wird nach der Voranzucht im Frühjahr gesetzt, Sommer- und Herbstkohl folgen später, Winterkohl wird häufig im späten Frühjahr oder Frühsommer gepflanzt. Maßgeblich sind Sorte, regionale Frostgefahr und die gewünschte Erntezeit.
Wie viel Platz braucht Gemüsekohl?
Kleine Blattkohlformen benötigen deutlich weniger Raum als Rosenkohl, Wirsing oder große Kopfkohle. Richte den Abstand nach der Sortenbeschreibung und der endgültigen Pflanzengröße aus. Zu enge Pflanzung erhöht die Luftfeuchtigkeit im Bestand und erschwert die Kontrolle von Raupen und Krankheiten.
Quellen und Bildnachweise
- powo.science.kew.org
- www.rhs.org.uk
- www.rhs.org.uk
- pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- www.fda.gov
- www.envirobiotechjournals.com
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