Zum Inhalt springen
Der Natur näher · Pflanzen kennenlernen, verstehen und pflegen
Gartenblues

Was möchtest du entdecken?

PFLANZENWELT ENTDECKEN

Platterbsen (Lathyrus)

1 Pflanzenporträts

Gartenerbse (Lathyrus oleraceus)
← Gesamtes Pflanzenlexikon

Pflanzen dieser Gruppe kennenlernen

Platterbsen (Lathyrus): vielseitige Schmetterlingsblütler für Garten, Wiese und Naturstandort

Die Gattung Lathyrus, auf Deutsch Platterbsen, gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Sie umfasst einjährige und ausdauernde Kräuter, die kriechend, aufrecht oder kletternd wachsen können. Bekannt sind sowohl farbenprächtige Zierpflanzen wie die Duftwicke als auch heimische Wiesenpflanzen, robuste Stauden und Arten mit landwirtschaftlicher Bedeutung.

Die Bezeichnung „Platterbsen“ ist dabei eine gärtnerische und floristische Orientierung, kein eigener botanischer Rang innerhalb der Gattung.

Botanische Merkmale und Wuchsformen

Typisch für Lathyrus sind gefiederte Blätter, deren Blattspindel häufig in eine Ranke ausläuft. Mit ihr können sich viele Arten an benachbarten Pflanzen oder an Rankhilfen festhalten. Bei einzelnen Arten sind die Blätter stark reduziert; dann übernehmen blattähnliche Nebenblätter einen größeren Teil der Assimilation.

Die Stängel sind je nach Art rund, kantig oder mehr oder weniger geflügelt und reichen von zarten, niedrigen Trieben bis zu kräftigen Kletterpflanzen. Die Blüten besitzen den für Schmetterlingsblütler charakteristischen Aufbau aus Fahne, Flügeln und Schiffchen. Ihre Farben reichen von Weiß, Rosa und Rot bis zu Blau, Violett und Gelb.

Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in kurzen bis längeren Trauben. Nach der Blüte entstehen Hülsenfrüchte, die sich bei Reife meist öffnen und mehrere Samen freigeben. Je nach Art sind die Samen rundlich, abgeflacht oder unterschiedlich gemustert.

Vielfalt und wichtige Vertreter

Plants of the World Online führt Lathyrus als anerkannte Gattung mit einer großen Artenvielfalt; die Verbreitung reicht von gemäßigten Regionen bis in subtropische und tropische Gebirge. Zu den bekannten Gartenpflanzen gehört Lathyrus odoratus, die Duftwicke. Sie wird vor allem wegen ihrer auffälligen, oft stark duftenden Blüten kultiviert und ist eine klassische einjährige Kletterpflanze für Spaliere, Zäune und Schnittblumenbeete.

Lathyrus latifolius, die Breitblättrige Platterbse, ist dagegen eine ausdauernde, meist weniger stark duftende Art mit kräftigem Wuchs. Sie kann in naturnahen Gärten Zäune, Böschungen oder lockere Gehölzränder begrünen. Die Frühlings-Platterbse, Lathyrus vernus, bleibt deutlich niedriger und bildet im Frühjahr Blüten, bevor sich das Kronendach von Laubbäumen vollständig schließt.

Sie passt deshalb eher in halbschattige Staudenbereiche als in ein sonniges Kletterpflanzenbeet. Auch Nutzpflanzen werden in der Gattung geführt. Lathyrus sativus, die Saat-Platterbse, wurde als Nahrungs- und Futterpflanze genutzt und ist besonders an trockene Bedingungen angepasst.

Die in Profilen häufig als Gartenerbse bezeichnete Lathyrus oleraceus wird in der botanischen Nomenklatur unterschiedlich behandelt; sie steht in engem Zusammenhang mit der kultivierten Erbse und wird von verschiedenen Datenbanken als Pisum sativum oder als zugehörige Sippe eingeordnet. Solche Namensunterschiede zeigen, warum bei Nutzpflanzen neben dem Trivialnamen immer auch die aktuelle botanische Auffassung berücksichtigt werden sollte.

Lebensräume und ökologische Rollen

Platterbsen besiedeln sehr unterschiedliche Lebensräume. Je nach Art wachsen sie auf Wiesen, an Waldrändern, in lichten Gebüschen, auf Ruderalflächen, an Feldrändern, auf trockenen Hängen oder in feuchteren Wiesen. Einige Vertreter kommen in Küstenregionen vor, andere in alpinen oder montanen Lagen.

Entscheidend ist daher nicht die Gattungszugehörigkeit allein, sondern die ökologische Anpassung der jeweiligen Art. Als Hülsenfrüchtler leben Lathyrus-Arten in der Regel in Symbiose mit stickstoffbindenden Bakterien an ihren Wurzeln. Dadurch können sie Luftstickstoff in pflanzenverfügbare Verbindungen überführen.

Das macht sie ökologisch bedeutsam und erklärt ihre Rolle in natürlichen Pflanzengesellschaften sowie in bestimmten Anbau- und Begrünungssystemen. Die Blüten werden von verschiedenen Insekten besucht, wobei Blütenform, Farbe und Nektarangebot die Eignung für einzelne Bestäuber beeinflussen. Abgeblühte Pflanzen können zudem Samen für Vögel und andere Tiere bereitstellen, sofern sie nicht vorzeitig entfernt werden.

Gärtnerische Bedeutung und Standortwahl

Im Garten reicht die Verwendung von Lathyrus von kurzlebigen Sommerblühern bis zu langlebigen Stauden. Duftwicken eignen sich für sonnige, humose und ausreichend mit Wasser versorgte Standorte sowie für Rankgerüste. Sie profitieren von regelmäßiger Ernte der Blüten, weil dadurch die Bildung weiterer Blüten angeregt wird.

Einjährige Arten werden meist aus Samen gezogen und benötigen eine Kletterhilfe, sobald die Ranken greifen können. Ausdauernde Arten wie die Breitblättrige Platterbse sind häufig anspruchsloser und können sich nach dem Anwachsen selbst behaupten. Sie benötigen in der Regel mehr Platz und sollten nicht direkt neben schwachwüchsige Stauden gesetzt werden.

Die Frühlings-Platterbse verlangt andere Bedingungen: Ein humoser, lockerer Boden und ein halbschattiger bis lichtschattiger Platz unter Gehölzen entsprechen eher ihrem natürlichen Lebensrhythmus. Für jede Art gilt deshalb eine eigene Standortprüfung statt einer pauschalen Pflegeempfehlung für die gesamte Gattung.

Worauf du bei Auswahl und Nutzung achten solltest

Bei der Pflanzenauswahl sind Wuchsform, Lebensdauer, Blütezeit und Ausbreitungsverhalten wichtiger als der gemeinsame Gattungsname. Manche Platterbsen bleiben kompakt, andere überwachsen schnell ein Gerüst. Auch die Winterhärte und die Ansprüche an Bodenfeuchte unterscheiden sich deutlich.

Heimische Arten können eine gute Wahl für naturnahe Pflanzungen sein, während Duftwicken vor allem gestalterische und floristische Aufgaben erfüllen. Samen und Pflanzenteile sollten nicht grundsätzlich als essbar betrachtet werden. Bei Nutzarten kommt es auf die konkrete Art, Sorte, Zubereitung und Verzehrmenge an.

Besonders bei Saat-Platterbsen ist eine einseitige Ernährung mit großen Mengen problematisch, weil bestimmte Inhaltsstoffe bei langfristig hohem Verzehr gesundheitsschädlich wirken können. Für den Garten bedeutet das: Zierformen nicht mit Gemüse verwechseln und essbare Nutzung nur bei eindeutig bestimmtem, dafür vorgesehenem Pflanzenmaterial in Betracht ziehen.

Gartenblues
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.