Nachtschatten (Solanum)
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Pflanzen dieser Gruppe kennenlernen
Nachtschatten (Solanum): eine erstaunlich vielfältige Pflanzengruppe
Die Gattung Solanum gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und verbindet sehr unterschiedliche Pflanzen: bekannte Nutzpflanzen wie Kartoffel, Tomate und Aubergine, einjährige Gartenpflanzen, ausdauernde Stauden, Sträucher, Kletterpflanzen und kleine Bäume. Der Name Nachtschatten wird im Alltag teils für die Gattung, teils für die gesamte Familie verwendet. Als botanische Gruppe ist Solanum jedoch eine klar abgegrenzte Gattung mit weltweiter Verbreitung und großer Formenvielfalt.
Merkmale und Erkennungszeichen
Viele Solanum-Arten besitzen einfache, gelegentlich gelappte oder gefiederte Blätter. Die Triebe können krautig, holzig, kletternd oder mit Dornen besetzt sein; manche Arten tragen auffällige Sternhaare auf Blättern und Stängeln. Ein wichtiges gemeinsames Merkmal sind die meist fünfzähligen Blüten.
Ihre Kronblätter sind häufig sternförmig ausgebreitet und violett, blau oder weiß gefärbt. Die gelben Staubbeutel stehen oft dicht zusammen und geben den Blüten ein charakteristisches Aussehen. Sie öffnen sich bei vielen Arten an kleinen Poren, sodass bestimmte Bestäuber die Pollen durch Vibration lösen können.
Nach der Blüte entstehen meistens Beeren, deren Farbe, Größe und Reifeverhalten stark variieren. Je nach Art können sie grün, gelb, orange, rot, violett oder fast schwarz sein.
Vielfalt und natürliche Lebensräume
Solanum ist eine der artenreichsten Pflanzengattungen überhaupt. Kew nennt ungefähr 1.400 Arten; die genaue Zahl kann sich durch neue Forschung und taxonomische Änderungen verändern. Die Gattung ist nahezu weltweit verbreitet, besonders vielfältig ist sie jedoch in den Tropen und Subtropen Amerikas sowie in Teilen Afrikas und Australiens.
Ihre Vertreter wachsen in sehr unterschiedlichen Lebensräumen: in tropischen Regen- und Bergwäldern, an Waldrändern, in Grasländern, auf offenen Ruderalflächen und an Straßenrändern. Einige Arten kommen vom Meeresspiegel bis in hochgelegene Regionen vor. Entsprechend unterschiedlich sind ihre Ansprüche und Wuchsformen.
Neben kleinen Kräutern gibt es langlebige Sträucher, robuste Kletterpflanzen und in warmen Regionen sogar baumartige Vertreter. Die Gattung lässt sich daher nicht mit einem einheitlichen Pflegebild oder einer einzigen Standortformel beschreiben.
Nutzpflanzen mit großer gärtnerischer Bedeutung
Mehrere Solanum-Arten gehören zu den wichtigsten Kulturpflanzen. Solanum tuberosum, die Kartoffel, bildet unterirdische Sprosse aus, die als Knollen geerntet werden. Bei Solanum lycopersicum, der Tomate, und Solanum melongena, der Aubergine, sind dagegen die reifen Früchte der wichtigste Nutzteil.
Auch Tamarillo beziehungsweise Solanum betaceum, Pepino beziehungsweise Solanum muricatum und Naranjilla beziehungsweise Solanum quitoense werden kultiviert, vor allem in Regionen mit geeigneten warmen Bedingungen. Diese Beispiele zeigen, wie verschieden die Nutzung innerhalb der Gattung ist. Kartoffeln und Tomaten werden in Mitteleuropa meist als wärmebedürftige Saisonkulturen angebaut.
Auberginen benötigen ebenfalls einen langen, warmen Sommer und profitieren häufig von einem geschützten Standort. Tropische oder subtropische Arten können bei uns dagegen nur im Gewächshaus, Wintergarten oder als Kübelpflanzen dauerhaft kultiviert werden.
Zierpflanzen und ökologische Rollen
Neben den Nahrungspflanzen werden verschiedene Solanum-Arten wegen ihrer Blüten, Früchte oder ihres Wuchses geschätzt. Manche eignen sich als Kletterpflanzen für geschützte, frostfreie Bereiche, andere werden als auffällige Kübel- oder Strukturpflanzen verwendet. Ihre dekorativen Beeren bleiben nicht automatisch harmlos: Die Farbe einer Frucht erlaubt keinen sicheren Rückschluss auf ihre Genießbarkeit.
In der Natur dienen die Beeren vieler Arten der Ausbreitung durch Tiere. Blüten mit auffälligen Staubbeuteln sind an spezialisierte Bestäuber angepasst, während Früchte nach der Reife von Vögeln oder anderen Tieren aufgenommen werden können. Einige Arten besiedeln gestörte Böden und erscheinen als kurzlebige Wildpflanzen in Gärten, auf Brachen oder an Wegrändern.
Dort können sie ökologisch interessant sein, sich aber je nach Art auch stark versamen.
Giftigkeit und verantwortungsvoller Umgang
Die Gattung umfasst essbare Kulturpflanzen ebenso wie Arten mit giftigen Pflanzenteilen. Besonders problematisch können unreife oder grüne Früchte, Blätter und andere vegetative Teile sein; die konkrete Gefährdung hängt von der Art und vom Pflanzenteil ab. Auch bei Kulturpflanzen ist deshalb nicht jedes Pflanzenteil für den Verzehr geeignet.
Kartoffelknollen mit deutlicher Grünfärbung sollten nicht gegessen werden. Bei unbekannten Wildpflanzen gilt: Früchte und Blätter niemals aufgrund ihres Aussehens probieren. Im Garten solltest du außerdem Kinder und Haustiere von nicht sicher bestimmten Pflanzen fernhalten und Pflanzenetiketten aufbewahren.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Tollkirsche: Atropa belladonna gehört nicht zur Gattung Solanum, sondern ist eine andere Gattung innerhalb der Nachtschattengewächse. Für die Pflege bedeutet die große Bandbreite der Gattung, immer die einzelne Art zu prüfen: Eine Kartoffel im Beet, eine Tomate im Gewächshaus und ein tropischer Zier-Nachtschatten haben nicht dieselben Ansprüche an Frostschutz, Schnitt, Wasser oder Überwinterung.

