Taglilien (Hemerocallis)
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Taglilien (Hemerocallis): ausdauernde Blattschöpfe mit kurzlebigen Blüten
Taglilien der Gattung Hemerocallis gehören zu den ausdauernden Stauden Ostasiens. Ihren deutschen Namen verdanken sie der auffälligen Blüte: Eine einzelne Blüte öffnet sich meist nur für einen Tag, während sich an einem gut entwickelten Blütenstand zahlreiche Knospen nacheinander entfalten können. Dadurch bleibt der Gesamteindruck oft über Wochen erhalten.
Die Gattung ist botanisch nicht mit den echten Lilien der Gattung Lilium gleichzusetzen; Hemerocallis wird heute der Familie Asphodelaceae zugeordnet. Für den Garten sind sowohl Wildarten als auch eine außerordentlich formenreiche Gruppe von Hybriden und Sorten bedeutsam.
Botanische Merkmale und Wuchs
Taglilien bilden dichte Horste aus grundständigen, schmalen bis bandförmigen Blättern. Diese sind je nach Art aufrecht, bogig überhängend oder weich ausladend und bleiben bei vielen Sorten über einen großen Teil der Vegetationsperiode attraktiv. Aus dem Blattschopf wachsen blattlose oder nur wenig beblätterte Blütenstiele, botanisch Schäfte genannt.
An ihnen sitzen verzweigte Blütenstände mit mehreren Knospen. Die Blüten bestehen aus sechs auffälligen Blütenhüllblättern, die trichterförmig, weit geöffnet, zurückgeschlagen oder bei Züchtungen stark gerundet sein können. Die namensgebende kurze Lebensdauer der Einzelblüte wird durch die fortlaufende Knospenbildung ausgeglichen.
Je nach genetischer Herkunft und Sorte reicht die Blütezeit von frühen bis zu späten Formen; manche Pflanzen remontieren und blühen nach einer ersten Hauptblüte erneut.
Vielfalt innerhalb der Gattung
Die Wildarten von Hemerocallis zeigen meist gelbe, orangefarbene oder rötlich-braune Blüten. Ein bekanntes Beispiel ist die Braunrote Taglilie, Hemerocallis fulva, eine kräftige Art mit orange- bis kupferfarbenen Blüten und langen, bogig überhängenden Blättern. Ihre Gartenverwendung ist historisch bedeutend, zugleich kann sie sich an geeigneten Standorten stark ausbreiten.
Weitere Wildarten unterscheiden sich unter anderem in Blütenfarbe, Blütezeit, Blattgestalt, Schafthöhe und Standortansprüchen. Die moderne Gartenvielfalt beruht vor allem auf Kreuzungen. Sorten gibt es heute mit nahezu weißen, gelben, rosafarbenen, roten, purpurfarbenen oder mehrfarbigen Blüten.
Hinzu kommen kontrastierende Augen, Ränder, Mittelstreifen, gekräuselte Blütenblätter, gefüllte Blüten und unterschiedliche Blütengrößen. Auch immergrüne, halbimmergrüne und sommergrüne Typen werden unterschieden. Diese Gruppen sind gärtnerische Orientierungshilfen und keine eigenständigen botanischen Ränge.
Natürliche Lebensräume und Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung liegt von Teilen des südöstlichen Alpenraums und Sibiriens bis nach Ostasien. Schwerpunkte befinden sich in China, Korea, Japan und angrenzenden Regionen. Die verschiedenen Arten besiedeln dort unterschiedliche Lebensräume, darunter Wiesen, lichte Gehölzränder, Gebirgslagen, Bachufer und offene, feuchte bis zeitweise trockenere Standorte.
Deshalb lässt sich die Gattung nicht auf einen einzigen Lebensraumtyp reduzieren. Hemerocallis fulva ist in vielen Ländern außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets eingeführt worden und kommt teilweise verwildert vor. Das zeigt ihre Anpassungsfähigkeit, ist aber kein Beleg dafür, dass alle Taglilien gleichermaßen ausbreitungsfreudig oder unproblematisch sind.
Bei der Auswahl für naturnahe Pflanzungen sollten Herkunft, Wuchsverhalten und regionale Erfahrungen berücksichtigt werden.
Bedeutung im Garten
Taglilien verbinden auffällige Blüten mit einer ausdauernden, horstbildenden Struktur. Sie eignen sich je nach Sorte für Staudenbeete, Rabatten, Böschungen, Teichränder, größere Kübel und pflegeextensive Pflanzungen. Ihre schmalen Blätter können einen guten Kontrast zu großblättrigen Stauden bilden; niedrige Sorten wirken auch am Beetrand, während hohe Formen eher in die mittlere oder hintere Pflanzenschicht gehören.
Die lange Saisonwirkung entsteht nicht nur durch die Blüten, sondern auch durch das Laub und die aufeinanderfolgende Öffnung der Knospen. Blütenbesuch durch Insekten ist möglich, besonders bei offen gebauten Blüten, doch der Wert für die Tierwelt hängt von Sorte, Blütenform und örtlichem Blütenangebot ab. Gefüllte oder stark veränderte Zuchtformen können für Bestäuber weniger zugänglich sein als einfache Blüten.
Pflege mit Blick auf die jeweilige Form
Viele Taglilien wachsen zuverlässig in sonnigen bis halbschattigen Lagen und bevorzugen einen ausreichend feuchten, gut durchlässigen Boden. Daraus folgt jedoch keine einheitliche Pflege für die gesamte Gattung: Arten aus feuchteren Lebensräumen reagieren anders als trockenheitsverträgliche Sorten, und immergrüne Typen können in rauen Wintern empfindlicher sein als sommergrüne. An sonnigen Standorten fallen Blüte und Blütenfarbe häufig üppiger aus, während leichter Schatten bei manchen Formen toleriert wird.
Nach der Blüte können verwelkte Einzelblüten entfernt werden, vor allem aus optischen Gründen; ein vollständiger Rückschnitt ist nicht für jede Pflanze zum selben Zeitpunkt sinnvoll. Vergilbendes Laub sollte im Herbst oder nach dem Einziehen entfernt werden, abhängig vom Typ und vom regionalen Klima. Bei stark wachsenden Horsten kann eine Teilung die Vitalität erhalten, sie ist aber nicht regelmäßig erforderlich.
Besonders bei Hemerocallis fulva sollte außerdem geprüft werden, ob eine unkontrollierte Ausbreitung am jeweiligen Standort erwünscht ist.
