Brennnesseljauche gehört zu den ältesten und wirksamsten Hausmitteln im Garten – und erlebt völlig zu Recht ein Comeback. Mit wenigen Zutaten lässt sich ein leistungsstarker, ökologischer Dünger herstellen, der deine Pflanzen stärkt, Schädlinge eindämmt und den Boden belebt. In diesem Guide erfährst du Schritt für Schritt, wie du Brennnesseljauche richtig ansetzt, lagerst und einsetzt, damit sie lange wirksam bleibt und nicht zur stinkenden Zumutung wird.
Warum Brennnesseljauche? Vorteile für den Garten
Brennnesseljauche liefert reichlich Stickstoff, Kalium und Mineralstoffe – genau das, was viele stark zehrende Pflanzen wie Tomaten, Kürbis oder Kohl brauchen. Im Gegensatz zu mineralischem Dünger wirken diese Nährstoffe langsamer, dafür nachhaltiger und schonender für Bodenleben und Pflanzenwurzeln. Besonders in naturnahen Gärten ist die Jauche ein zentraler Baustein für gesunde, kräftige Pflanzen ohne Chemie.
Ein weiterer Pluspunkt: Du nutzt ein „Unkraut“ sinnvoll, statt es nur zu entsorgen. Brennnesseln wachsen fast überall, vor allem auf stickstoffreichen Böden, und sind kostenlos verfügbar. Aus einem Problemkraut wird so ein wertvoller Rohstoff. Gleichzeitig schonst du Ressourcen, weil weder Herstellung, Verpackung noch Transport von Kunstdüngern nötig sind.
Zusätzlich wirkt Brennnesseljauche stärkend gegenüber vielen typischen Gartenproblemen. Regelmäßig angewendete Jauche kann Pflanzen robuster machen gegen Blattläuse, Pilzerkrankungen und Wachstumsstockungen. Zwar ersetzt sie nicht jede Pflanzenschutzmaßnahme, aber sie ist ein wichtiger Baustein in einem ganzheitlichen, biologischen Pflanzenschutzkonzept – besonders in Kombination mit Mulch, Fruchtfolge und Mischkultur.
Das brauchst du: Materialien und richtige Mengen
Um Brennnesseljauche anzusetzen, brauchst du nur wenige, einfache Utensilien. Wichtig ist vor allem ein ausreichend großes Gefäß, das nicht aus Metall besteht, damit es nicht korrodiert. Idealerweise arbeitest du im Freien, da während der Gärung Geruch entsteht. Achte außerdem auf Handschuhe, um dich vor den Brennhaaren zu schützen.
Benötigte Materialien (als Checkliste):
- Sauberes Gefäß (z.B. Eimer, Wanne, Tonne) aus Kunststoff, Holz oder Stein
- Frische Brennnesseln (am besten vor der Blüte geschnitten)
- Wasser (Regenwasser ist ideal, Leitungswasser geht aber auch)
- Stab oder Holzlatte zum Umrühren
- Handschuhe, ggf. Schere oder Sichel zum Schneiden
- Locker aufliegender Deckel, Jutesack oder Gitter gegen Insekten
Empfohlene Mengen und Mischungsverhältnisse:
| Einsatzgebiet | Jauche-Ansatz (Brennnessel : Wasser) | Verdünnung beim Gießen | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Starker Pflanzendünger | 1 kg frische Brennnessel : 10 l Wasser | 1 : 10 | Für Starkzehrer (Tomaten, Kohl, Kürbis) |
| Leichter Pflanzendünger | 0,5 kg : 10 l Wasser | 1 : 15–20 | Für empfindlichere Pflanzen |
| Blattstärkung / Spritzung | 1 kg : 10 l Wasser | 1 : 20 | Nur gut gefiltert, nicht in der Sonne |
| Kleinere Balkonprojekte | ca. 200 g : 2 l Wasser | 1 : 15–20 | In kleinen Eimern ansetzen |
Schritt-für-Schritt: Brennnesseljauche ansetzen

Zuerst sammelst du frische Brennnesseln, am besten junge Triebe vor der Blüte, da sie besonders nährstoffreich sind. Schneide die Pflanzen mit Handschuhen bodennah ab und entferne dicke, verholzte Stängel. Zerkleinere das Material grob mit Schere oder Messer – dadurch vergrößerst du die Oberfläche, und die Gärung läuft gleichmäßiger und schneller ab.
Lege die zerkleinerten Brennnesseln locker in dein Gefäß und fülle es mit Wasser auf, bis die Pflanzen vollständig bedeckt sind. Lasse oben 5–10 cm Luft, damit die Gärung Platz hat. Bedecke das Gefäß anschließend mit einem luftdurchlässigen Deckel, z.B. einem Jutesack, Gitter oder einem lose aufgelegten Deckel – so können Gärgase entweichen, Insekten und Laub bleiben aber draußen. Stelle das Gefäß an einen warmen, aber nicht vollsonnigen Platz im Freien.
Während der Gärung – je nach Temperatur etwa 1–3 Wochen – solltest du einmal täglich umrühren. So wird Sauerstoff eingetragen, die Gärung gleichmäßiger, und die Jauche neigt etwas weniger zum starken Geruch. Du erkennst das Ende der Gärung daran, dass die Blasenbildung deutlich nachlässt und die Flüssigkeit dunkelbraun, fast schwarz geworden ist. Jetzt kannst du die Pflanzenreste abseihen und die fertige Jauche in geeignete Behälter füllen.
Richtig lagern: Haltbarkeit, Geruch und Sicherheit
Nach dem Abseihen solltest du die Brennnesseljauche in gut verschließbare Kanister, Eimer oder Flaschen umfüllen. Ideal sind dunkle, robuste Kunststoffkanister oder gut gespülte Kanister aus dem Gartenbereich. Fülle sie nicht randvoll, damit sich bei Temperaturschwankungen keine Überdruckprobleme ergeben. Lagere die Behälter kühl, schattig und frostfrei – zum Beispiel in einer Ecke der Garage oder im Gartenhaus.
Um den Geruch erträglich zu halten, kannst du bereits beim Ansetzen eine Handvoll Gesteinsmehl oder etwas effektive Mikroorganismen (EM) zugeben. Sie binden einen Teil der Geruchsstoffe und fördern eine günstigere Gärung. Bei der Lagerung hilft ein wirklich dicht schließender Deckel. Trotzdem solltest du Behälter mit Jauche nie in Wohnräumen lagern; im Freien oder in Nebengebäuden ist sie deutlich besser aufgehoben.
Sicherheit ist vor allem im Hinblick auf Kinder und Haustiere wichtig. Beschrifte alle Behälter deutlich mit Inhalt und Datum („Brennnesseljauche, angesetzt am …“). Stelle sie so auf, dass kein Kleinkind sie umwerfen oder öffnen kann. Trage beim Umfüllen und Ausbringen möglichst Handschuhe und alte Kleidung, denn der Geruch lässt sich nur schwer aus Stoffen entfernen. Kommt Jauche in die Augen, sofort mit viel Wasser ausspülen.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Jauche 🙂🌿
Bevor wir zu den konkreten Fragen kommen, lohnt sich ein Blick auf typische Einsatzbereiche und Verdünnungen im Alltag. Viele Probleme entstehen durch zu hohe Konzentrationen oder falsche Anwendung. Besonders junge oder geschwächte Pflanzen reagieren schnell empfindlich auf Überdüngung. Wenn du unsicher bist, verdünne lieber stärker und beobachte, wie die Pflanzen reagieren.
Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle: Im Frühjahr und Frühsommer ist der Bedarf an Stickstoff hoch, im Spätsommer solltest du die Gabe von stark stickstoffhaltiger Jauche reduzieren, um das Ausreifen der Pflanzen nicht zu behindern. Für Topfpflanzen auf Balkon oder Terrasse empfiehlt sich grundsätzlich eine schwächere Verdünnung, da im begrenzten Substrat schneller Salze anreichern.
Typische Anwendungen und empfohlene Verdünnung:
| Anwendung | Verdünnung | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Wurzeldüngung für Starkzehrer | 1 : 10 | alle 1–2 Wochen | Nicht auf trockenen Boden gießen |
| Wurzeldüngung für Zierpflanzen | 1 : 15–20 | alle 3–4 Wochen | Erst testen, ob die Pflanzen es vertragen |
| Blattstärkung (gesunde Pflanzen) | 1 : 20–30 | alle 2–3 Wochen, nur abends | Nur gut gefiltert mit Sprühgerät verwenden |
| Rasendüngung (sparsam) | 1 : 15–20 | 2–3 Mal pro Saison | Anschließend kurz wässern |
Fragen & Antworten zur Brennnesseljauche
1. Wie lange ist Brennnesseljauche haltbar?
Gut gefiltert, kühl und dunkel gelagert, ist sie mehrere Monate, oft sogar bis zur nächsten Saison nutzbar. Mit der Zeit kann die Wirkung leicht nachlassen, aber für die meisten Anwendungen reicht sie völlig. Riecht die Jauche faulig-chemisch oder bildet sich eine dicke, schleimige Schicht, solltest du sie lieber entsorgen (über den Kompost, stark verdünnt).
2. Warum schäumt meine Jauche so stark?
Der Schaum ist ein Zeichen aktiver Gärung und völlig normal. Besonders in den ersten Tagen entstehen viele Gärgase und damit viel Schaum. Rührst du regelmäßig um, verteilt sich der Schaum besser, und der Prozess läuft kontrollierter. Nimmt der Schaum stark ab, ist das meist ein Hinweis, dass die Gärung weitgehend abgeschlossen ist.
3. Kann ich auch getrocknete Brennnesseln verwenden?
Ja, das geht, allerdings sind sie konzentrierter. Du brauchst dann etwas weniger Pflanzenmaterial, z.B. etwa 100–150 g getrocknete Brennnessel auf 10 l Wasser. Die Gärdauer kann sich leicht verkürzen, die Wirkung ist ähnlich, teils sogar etwas intensiver. Achte besonders auf gute Verdünnung.
4. Schadet Brennnesseljauche meinen Pflanzen nicht wegen des hohen Stickstoffs?
Nur wenn du sie zu konzentriert oder zu häufig einsetzt. Halte dich an die Verdünnungsempfehlungen und gieße nicht auf ausgetrocknete Erde, sondern immer auf zuvor leicht angefeuchteten Boden. Für stickstoffempfindliche Pflanzen (z.B. viele Kräuter oder mediterrane Arten) nur sehr schwach oder gar nicht verwenden.
5. Kann ich Brennnesseljauche im Hochbeet und auf dem Balkon verwenden?
Ja, aber vorsichtig dosieren. In Hochbeeten und Töpfen sammelt sich überschüssiger Dünger schneller an. Verwende eher Verdünnungen von 1 : 15–20 und seltener, dafür beobachtest du die Pflanzen genau. Bei Anzeichen von zu viel Stickstoff (sehr große, dunkelgrüne Blätter, aber wenig Blüten) die Gaben reduzieren oder pausieren.
6. Warum darf ich brennende Jauche nicht direkt auf die Blätter gießen?
Unverdünnte oder stark konzentrierte Jauche kann Blätter „verbrennen“, besonders bei Sonne und Hitze. Sie hinterlässt Salz- und Nährstoffrückstände, die die Blattoberfläche schädigen können. Wenn du Jauche als Spritzmittel nutzen willst, stets sehr fein filtern und mindestens 1 : 20 verdünnen – und am besten abends oder bei bedecktem Himmel spritzen.
7. Was mache ich mit den ausgegoren Pflanzenteilen?
Die abgeseihten Brennnesselreste sind ein hervorragender Zusatz für den Kompost. Sie liefern Nährstoffe und fördern die Rotte. Du kannst sie auch direkt als Mulch an nährstoffbedürftige Pflanzen geben, am besten leicht mit Erde bedeckt, damit sie nicht austrocknen und nicht so stark riechen.
Brennnesseljauche herzustellen ist kein Hexenwerk – mit etwas Zeit, den richtigen Mischungsverhältnissen und einer sinnvollen Lagerung erhältst du einen vielseitigen, natürlichen Dünger für den gesamten Garten. Wenn du langsam beginnst, vorsichtig dosierst und die Reaktion deiner Pflanzen beobachtest, wirst du schnell ein Gefühl für die passende Anwendung entwickeln. So verwandelst du ein „Unkraut“ in eine wertvolle Ressource und machst deinen Garten ein Stück unabhängiger von gekauften Düngern.
