Meerrettich gehört zu den Gemüsesorten, die man leicht übersieht – bis man einmal frisch geriebenen Meerrettich probiert hat. Die scharfe Wurzel bringt Tränen in die Augen, würzt Speisen intensiv und wird seit Jahrhunderten als Hausmittel geschätzt. Dabei ist sie erstaunlich robust, relativ pflegeleicht und lässt sich gut im eigenen Garten anbauen.
Wer Meerrettich nur als Beilage zum Tafelspitz oder als Zutat in fertigen Saucen kennt, unterschätzt sein Potenzial. Die Pflanze liefert wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, reichlich Vitamin C und wirkt antibakteriell – ein natürlicher Muntermacher für Immunsystem und Verdauung. Gleichzeitig eröffnet Meerrettich in der Küche eine breite Palette an Einsatzmöglichkeiten, von herzhaften Saucen bis zu würzigen Aufstrichen.
In diesem Artikel geht es um Herkunft und Sorten, die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe, den Anbau im Garten, die Verwendung in der Küche sowie häufige Fragen rund um die scharfe Wurzel. So erhältst du einen kompakten Überblick, um Meerrettich bewusster zu nutzen – ob als Gärtner:in, Genießer:in oder Gesundheitsfan.
Herkunft, Sorten und Besonderheiten des Meerrettichs
Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist damit mit Kohl, Senf und Radieschen verwandt. Ursprünglich stammt er aus Südosteuropa und Westasien, verbreitete sich aber schon früh entlang alter Handelswege nach Mitteleuropa. Im Mittelalter war Meerrettich ein wichtiges Würz- und Heilmittel; besonders in Süddeutschland, Österreich, Tschechien und Polen hat er eine lange Tradition. In Regionen wie dem bayerischen Chiemgau oder der Steiermark prägt der Anbau bis heute die Kulturlandschaft.
Charakteristisch für Meerrettich ist die kräftige, fleischige Pfahlwurzel, die bis zu 50 cm lang und mehrere Zentimeter dick werden kann. Oberirdisch bildet die Staude große, kräftig grüne Blätter, die an Mangold erinnern. Meerrettich ist mehrjährig, treibt jedes Jahr neu aus und kann, einmal eingewurzelt, ziemlich hartnäckig im Beet bleiben. Seine weiße, scharfe Wurzel wird meist im Spätherbst oder Winter geerntet und frisch verarbeitet oder konserviert.
In der Praxis unterscheidet man vor allem zwischen Wirtschafts- und Feinschmeckersorten, die sich in Schärfe, Aroma und Wuchsform unterscheiden. Regionale Spezialsorten sind beispielsweise der „Bavaria“-Meerrettich aus Franken oder der „Steirische Kren“ aus Österreich. Auch wenn Supermärkte selten Sortennamen ausweisen, lohnt es sich für Hobbygärtner, bewusst auszuwählen – manche Sorten sind milder, andere besonders scharf oder bringen besonders gerade, gut schälbare Wurzeln.
Scharfe Wurzel, starke Wirkung: Inhaltsstoffe erklärt
Meerrettich verdankt seine Schärfe vor allem den Senfölglykosiden (Glucosinolate), insbesondere Sinigrin. Wird die Wurzel gerieben oder geschnitten, werden Zellen verletzt und das Enzym Myrosinase aktiviert. Es spaltet die Glucosinolate und setzt daraus scharfe Senföle frei, die intensiv in Nase und Rachen aufsteigen. Dieser Effekt ist nicht nur ein Geschmacksphänomen, sondern auch ein natürlicher Abwehrmechanismus der Pflanze gegen Fressfeinde und Mikroorganismen.
Die Senföle wirken im menschlichen Körper antibakteriell, antiviral und zum Teil auch pilzhemmend. Deshalb findet Meerrettich Verwendung in der Phytotherapie, etwa bei Erkältungen, Nebenhöhlenproblemen oder wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Zusätzlich liefert die Wurzel Vitamin C, B-Vitamine, Mineralstoffe wie Kalium und Calcium sowie Ballaststoffe, die die Verdauung unterstützen. In Maßen genossen kann Meerrettich das Immunsystem anregen und den Stoffwechsel aktivieren.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe und Wirkungen im Überblick:
- Senfölglykoside (z. B. Sinigrin) – werden zu scharfen Senfölen umgewandelt
- Vitamin C – antioxidativ, unterstützt das Immunsystem
- Kalium & Calcium – wichtig für Nerven, Muskeln und Knochen
- Ballaststoffe – fördern Verdauung und Sättigung
- Ätherische Öle & Enzyme – tragen zu Aroma und Wirkung bei
| Inhaltsstoff | Wirkung im Körper | Bemerkung |
|---|---|---|
| Senfölglykoside | antibakteriell, antiviral, sekretfördernd | wichtig bei Erkältungen & Harnwegsinfekten |
| Vitamin C | antioxidativ, immunstärkend | hitzeempfindlich, frisch am wertvollsten |
| Kalium | reguliert Flüssigkeitshaushalt | unterstützt Herz- und Nervenfunktion |
| Calcium | Knochen- und Zahngesundheit | zusammen mit Vitamin D besonders effektiv |
| Ballaststoffe | fördern Darmbewegung | wirken sättigend und stabilisieren Blutzucker |
| Ätherische Öle/Enzyme | Aromabildung, Reizwirkung auf Schleimhäute | verantwortlich für Schärfe und „in die Nase“ |
Anbau im eigenen Garten: Standort, Pflege, Ernte

Meerrettich ist relativ anspruchslos, entwickelt sich aber am besten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort mit tiefgründigem, humusreichem Boden. Wichtig ist, dass der Boden locker und gut durchlässig ist, damit die Wurzeln gerade und kräftig wachsen können. Verdichtete, steinige Böden führen zu krummen oder stark verzweigten Wurzeln, die sich schlechter schälen lassen. Ein pH-Wert im schwach sauren bis neutralen Bereich (etwa 6–7) ist ideal.
Die Vermehrung erfolgt selten über Samen, sondern fast immer über sogenannte Fechser – das sind seitliche Wurzelstücke der Hauptwurzel. Diese werden im Frühjahr schräg in die Erde gesetzt, sodass das obere Ende knapp mit Erde bedeckt ist. Der Pflanzabstand sollte etwa 40–60 cm betragen, da die Pflanzen kräftig werden. Wichtig ist eine gleichmäßige Wasserversorgung, besonders im ersten Jahr; Staunässe ist jedoch unbedingt zu vermeiden. Eine dünne Mulchschicht hilft, Feuchtigkeit zu halten und Unkraut zu reduzieren.
Zur Pflege gehört neben regelmäßigem Jäten gelegentliches Nacharbeiten: In Anbauregionen ist es üblich, die Pflanzen im Sommer leicht freizulegen und die Seitenwurzeln zu entfernen, um eine möglichst dicke Hauptwurzel zu fördern. Geerntet wird im Spätherbst bis ins zeitige Frühjahr, sobald das Laub abstirbt. Meerrettich ist winterhart, kann also im Boden bleiben, wird aber oft vor starkem Frost oder bei durchnässten Böden lieber etwas früher geholt. Übrig gebliebene Wurzelreste treiben im nächsten Jahr meist wieder aus.
Wichtige Anbaupunkte im Überblick:
- Standort: sonnig bis halbschattig, tiefgründiger, lockerer Boden
- Pflanzung: im Frühjahr mit Wurzelstecklingen (Fechser)
- Pflege: ausreichend gießen, unkrautfrei halten, Seitenwurzeln ggf. reduzieren
| Aspekt | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Standort | Sonne bis Halbschatten | windoffene, aber nicht ausgesetzte Lage |
| Boden | humos, tiefgründig, locker | keine Staunässe, wenig Steine |
| Pflanzzeit | März–April | mit Fechsern (Wurzelstecklingen) |
| Pflanzabstand | 40–60 cm | Meerrettich breitet sich stark aus |
| Wasserbedarf | mittel, gleichmäßig | Trockenheit mindert Wurzelqualität |
| Erntezeit | Oktober–März | je kälter, desto aromatischer |
| Kulturdauer | 1 Vegetationsperiode bis zur Haupternte | mehrjährig, treibt aus Restwurzeln nach |
Verwendung in der Küche: Rezepte und Lagerungstipps
In der Küche ist Meerrettich ein echtes Multitalent: Frisch gerieben verleiht er Saucen, Suppen, Dips und Aufstrichen eine unverwechselbare Schärfe. Klassische Kombinationen sind Meerrettich mit Rindfleisch (zum Beispiel Tafelspitz), geräuchertem Fisch, Würstchen oder gekochtem Schinken. Aber auch vegetarische Gerichte wie Kartoffelstampf, Rote-Bete-Salat oder Frischkäsecremes gewinnen dadurch an Charakter. Wichtig: Die Schärfe verfliegt bei Hitze, daher Meerrettich möglichst am Ende der Garzeit zugeben.
Zur Grundausstattung gehören einfache Rezepte wie Meerrettich-Sahnesauce, Meerrettich-Frischkäse oder ein würziger Apfel-Meerrettich. Frisch geriebener Meerrettich kann mit etwas Zitronensaft oder Essig verrührt werden, damit er nicht grau wird, und nach Belieben mit Sahne, Joghurt oder Crème fraîche gemildert werden. In vielen Regionen sind außerdem Kren-Suppen, Meerrettich-Rahmgemüse oder Eier mit Meerrettichsauce verbreitet.
Damit Meerrettich sein Aroma behält, ist die richtige Lagerung entscheidend. Ganze Wurzeln lassen sich im Gemüsefach des Kühlschranks, in feuchtem Sand im Keller oder in einer Erdmiete mehrere Wochen bis Monate frisch halten. Angeschnittener Meerrettich sollte eng in Folie oder in einer Dose verpackt werden, da er sonst austrocknet und an Schärfe verliert. Geriebener Meerrettich wird schnell milder; im Kühlschrank hält er sich in einem gut verschlossenen Glas noch einige Tage.
Verwendungstipps auf einen Blick:
- Frisch reiben: kurz vor dem Servieren, um die Schärfe zu erhalten
- Mit Säure mischen: z. B. Zitronensaft gegen Nachdunkeln und für frische Note
- Vorsichtig dosieren: lieber nachwürzen als gleich zu viel nehmen
Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Meerrettich
Zum Abschluss noch ein kompakter Fragenblock rund um Meerrettich – von Verträglichkeit über Konservierung bis zur Dosierung in der Küche. So lassen sich viele Unsicherheiten schnell klären, bevor du die scharfe Wurzel regelmäßig einplanst.
| Frage | Kurzantwort |
|---|---|
| Ist Meerrettich roh essbar? | Ja, er wird meist roh gerieben verwendet. |
| Wie viel Meerrettich ist gesund? | Üblich sind 1–2 Teelöffel pro Portion; bei empfindlichem Magen weniger. |
| Kann Meerrettich Allergien auslösen? | Selten, möglich sind Reizungen von Haut und Schleimhäuten. |
| Wie lange hält frischer Meerrettich? | Ganze Wurzeln im Kühlschrank mehrere Wochen, im Sandlager noch länger. |
| Wie Meerrettich haltbar machen? | Einlegen in Essig, Einrühren in Sahne/Joghurt, Einfrieren geriebener Ware. |
| Ist Meerrettich für Kinder geeignet? | In sehr kleinen Mengen und abgeschwächt, je nach Empfindlichkeit. |
Einige praktische Hinweise für den Alltag:
- Meerrettich kann bei empfindlichem Magen oder Sodbrennen Beschwerden auslösen – hier besser vorsichtig testen.
- Bei einer Erkältung werden gern Meerrettich-Honig oder Meerrettichsirup als Hausmittel genutzt; bei ernsthaften Erkrankungen ersetzt das aber keinen Arztbesuch.
- Beim Reiben entstehen scharfe Dämpfe – am besten Fenster öffnen oder kurz pausieren, wenn die Augen zu stark tränen.
Und noch ein paar Ideen, wie du Meerrettich unkompliziert öfter verwenden kannst: 🥔🐟🥚
- Unter Kartoffelpüree rühren für eine „erwachsene“ Variante.
- In eine Joghurtsauce mischen – perfekt zu Ofengemüse oder gegrilltem Fisch.
- Mit hart gekochten, gehackten Eiern und etwas Mayonnaise zu einem schnellen Brotaufstrich verarbeiten.
Fragen & Antworten im Überblick:
1. Kann ich Meerrettich im Topf kultivieren?
Ja, in einem sehr tiefen, großen Topf mit lockerem Substrat ist das möglich. Wichtig sind regelmäßiges Gießen, gute Drainage und jährliches Neupflanzen der Fechser, da der Platz begrenzt ist.
2. Warum wird mein geriebener Meerrettich bitter oder schwach?
Zu lange Lagerung, starke Hitzeeinwirkung oder zu viel Luftkontakt können Aroma und Schärfe mindern. Am besten frisch reiben, direkt mit etwas Säure mischen und gut verschlossen lagern.
3. Was tun, wenn sich Meerrettich im Beet zu stark ausbreitet?
Meerrettich am besten in einer Wurzelsperre oder einem eingegrabenen Kübel anbauen. Vorhandene Bestände im Herbst gründlich roden und möglichst alle Wurzelreste entfernen – sonst treibt er wieder aus.
4. Darf ich Meerrettich in der Schwangerschaft essen?
In normalen Küchenmengen ist Meerrettich für gesunde Schwangere in der Regel unbedenklich. Sehr hohe Mengen oder konzentrierte Präparate solltest du mit Ärztin oder Hebamme absprechen.
5. Woran erkenne ich guten, frischen Meerrettich?
Die Wurzel sollte fest, schwer und glatt sein, ohne weiche Stellen oder Schimmel. Ein leichter, frischer Geruch ist normal – stark muffiger Geruch oder Verfärbungen sind ein Ausschlusskriterium.
Meerrettich vereint robuste Gartentauglichkeit, kulinarische Vielseitigkeit und spannende Gesundheitsaspekte in einer einzigen Pflanze. Wer ihm im Beet etwas Platz einräumt, wird mit aromatischen, scharfen Wurzeln belohnt, die über Monate hinweg Küche und Hausapotheke bereichern.
Ob klassisch zu Fleisch und Fisch, als raffinierte Zutat in vegetarischen Gerichten oder in Form einfacher Hausmittel – die weiße Wurzel zeigt, wie viel Kraft in regionalem, traditionellem Gemüse stecken kann. Mit etwas Hintergrundwissen zu Anbau, Inhaltsstoffen und Verwendung lässt sich die „gesunde Schärfe aus dem Garten“ ganz entspannt in den Alltag einbauen.
Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, im nächsten Frühjahr ein paar Fechser zu setzen – und zu erleben, wie viel Geschmack eine einzige Wurzel entfalten kann.
