Der Sommer 2026 hat für mich eine einfache Wahrheit deutlich gemacht: Ein Garten kann nur so viel Wasser nutzen, wie sein Boden aufnehmen und speichern kann. Wer ausschließlich über Bewässerung spricht, betrachtet deshalb nur die Hälfte des Problems.
In großen Teilen West- und Mitteleuropas waren die Böden 2026 außergewöhnlich trocken. In Deutschland gehörten mehrere Regionen im Juli zu den Gebieten mit extrem niedriger oberflächennaher Bodenfeuchte.
Regen auf ausgetrocknetem Boden löst nicht sofort das Problem
Nach längerer Trockenheit habe ich oft beobachtet, dass ein kurzer kräftiger Regen beeindruckender aussieht, als seine Wirkung tatsächlich ist. Ein Teil läuft oberflächlich ab, besonders wenn der Boden verschlämmt, verdichtet oder stark ausgetrocknet ist.
Eine gute Bodenstruktur hilft dagegen, Niederschlag dort zu halten, wo wir ihn brauchen.
Für mich sind deshalb inzwischen vier Eigenschaften besonders wichtig:
- gute Wasseraufnahme
- ausreichender Porenraum
- organische Substanz
- dauerhafte Bodenbedeckung
Das lässt sich nicht innerhalb eines Wochenendes herstellen.
Mulch ist nur die oberste Schicht

Mulchen ist hilfreich, aber ich sehe es nicht mehr als vollständige Lösung.
Unter dem Mulch muss ein Boden entstehen, der Wasser aufnehmen kann. Ein stark verdichteter Unterboden bleibt auch unter einer schönen Strohschicht problematisch.
Deshalb achte ich zusätzlich auf:
- Kompost
- lebende Wurzeln
- möglichst wenig unnötiges Befahren
- bedarfsgerechte Bodenlockerung
- Zwischenfrüchte oder Gründüngung
- Regenwurmtätigkeit
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt wassersparende Bodenbearbeitung und Zwischenfrüchte ausdrücklich als wichtige Anpassungsmaßnahmen an zunehmende Wetterextreme.
Organische Substanz ist für mich zur Wasserstrategie geworden
Kompost wird häufig nur als Dünger betrachtet. Ich sehe ihn inzwischen genauso als Werkzeug für die Bodenstruktur.
Organische Substanz kann dazu beitragen, dass Boden stabilere Aggregate bildet und Wasser besser aufnehmen beziehungsweise speichern kann.
Dabei gilt allerdings nicht: mehr ist immer besser.
Ich würde Kompost gezielt einsetzen und keine extremen Mengen aufbringen. Ziel ist ein funktionierender Boden und keine immer dicker werdende Schicht aus Nährstoffen.
Lebende Wurzeln halten den Boden aktiv

Ein Beet, das nach der Ernte monatelang vollkommen leer bleibt, verschenkt Möglichkeiten.
Wo es passt, versuche ich inzwischen schneller wieder Pflanzen auf die Fläche zu bekommen. Das kann eine Folgekultur, Gründüngung oder eine überwinternde Kultur sein.
Lebende Wurzeln unterstützen:
- Bodenorganismen
- Bodenstruktur
- Porenbildung
- Schutz vor Erosion
- Aufnahme verbliebener Nährstoffe
Natürlich muss auch eine Zwischenfrucht Wasser verbrauchen.
Deshalb muss die Entscheidung immer an Standort und Jahreszeit angepasst werden.
Das Umgraben jedes Beetes hinterfrage ich inzwischen
Ich halte nichts von pauschalen Regeln wie „Man darf niemals graben“. Es gibt Böden und Situationen, in denen eine Lockerung sinnvoll sein kann.
Was ich aber nicht mehr tun würde: jeden Herbst automatisch den gesamten Garten tief umgraben, nur weil es traditionell so gemacht wurde.
Jeder Eingriff sollte für mich einen Grund haben.
Zum Beispiel:
- starke Verdichtung
- notwendige Bodenverbesserung
- Anlage eines neuen Beetes
- bestimmte Wurzelunkräuter
- strukturelle Probleme
Wenn der Boden bereits locker und gut belebt ist, versuche ich ihn eher zu erhalten als jedes Jahr neu aufzubauen.
Offener Boden wurde 2026 zum Luxus
Eine kahle Fläche verliert im Sommer sehr schnell Wasser. Gleichzeitig erwärmt sich die Oberfläche deutlich stärker.
Deshalb möchte ich möglichst wenig Boden wochenlang unbedeckt lassen.
Mögliche Bodenbedeckungen sind:
- Kulturpflanzen
- Untersaaten
- organischer Mulch
- Gründüngung
- niedrige Begleitpflanzen
Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Beet ab.
Starkregen und Dürre gehören zusammen gedacht

Das erscheint zunächst widersprüchlich.
Warum soll ich bei einer Dürre über Starkregen nachdenken?
Weil Wasser in Zukunft nicht nur fehlen kann. Es kann auch zur falschen Zeit in sehr kurzer Zeit fallen.
Ein guter Gartenboden sollte deshalb beides können:
Wasser schnell aufnehmen, wenn es kommt, und möglichst lange speichern, wenn anschließend wieder Trockenheit folgt.
Genau darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre.
Was kann man bereits im Herbst tun?
Nach einem trockenen Sommer würde ich nicht bis zum nächsten Juni warten.
Der Herbst ist eine gute Zeit, um:
- Kompost aufzubringen
- Beete zu mulchen
- Gründüngung zu säen
- Verdichtungen zu erkennen
- Regenwasserwege zu beobachten
- Speicher zu erweitern
- Pflanzflächen für das nächste Jahr zu planen
Bodenverbesserung funktioniert langsam.
Gerade deshalb sollten wir früh anfangen.
Fazit
Mein größter Denkfehler war lange Zeit, Trockenheit als reines Bewässerungsproblem zu betrachten.
2026 hat für mich gezeigt, dass die wichtigste Wasserreserve eines Gartens nicht im Schlauch steckt. Sie befindet sich im Boden – vorausgesetzt, wir schaffen die Bedingungen dafür, dass Wasser überhaupt dort bleiben kann.
Quellen
- What happens to soils during a drought? (blog-crop-news.extension.umn.edu)
- Soil compaction (extension.umn.edu)
- Role of Organic Matter (nrcs.usda.gov)

