Wenn ich heute einen Garten neu anlegen würde, sähe der Plan anders aus als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Der Sommer 2026 hat für mich endgültig gezeigt, dass Hitze, Trockenheit und Starkregen gemeinsam gedacht werden müssen.
West- und Mitteleuropa erlebten 2026 einen außergewöhnlich trockenen Sommer. Für West-Europa war es sogar der wärmste Sommer seit Beginn der Copernicus-Aufzeichnungen; gleichzeitig wurden in großen Teilen Europas sehr niedrige Bodenfeuchte- und Flusswerte registriert.
1. Mehr Wasser speichern, bevor die Trockenheit beginnt
Wenn im Juli seit Wochen kaum Regen gefallen ist, lässt sich kein Regenwasser mehr sammeln.
Deshalb muss die Vorbereitung in den Monaten stattfinden, in denen Niederschlag vorhanden ist.
Ich würde künftig prüfen:
- Wie groß ist meine Dachfläche?
- Wo fließt Regenwasser heute hin?
- Welche Speichergröße ist möglich?
- Kann Überlaufwasser im Garten versickern?
- Gibt es Flächen, auf denen Wasser unnötig schnell abläuft?
Eine 200-Liter-Tonne ist besser als nichts.
Für einen größeren Gemüsegarten ist sie aber während einer langen Trockenperiode sehr schnell leer.
2. Weniger nackte Erde

Ein Garten mit großflächig offenem Boden erscheint mir inzwischen unnötig anfällig.
Wo keine Kultur wächst, würde ich nach Möglichkeit mulchen oder eine geeignete Zwischenkultur etablieren.
Das kann helfen gegen:
- starke Erwärmung
- schnelle Austrocknung
- Verschlämmung bei Starkregen
- Erosion
- extreme Temperaturschwankungen an der Oberfläche
Auch im Winter möchte ich möglichst wenige Beete monatelang völlig ungeschützt lassen.
3. Schatten wird Teil der Gartengestaltung
Schatten galt im Gemüsegarten lange fast ausschließlich als Nachteil.
Nach den Hitzesommern sehe ich das differenzierter.
Ein großer Baum, eine Pergola, ein Obstgehölz oder ein temporäres Schattiernetz kann während extremer Hitze sehr wertvoll sein.
Besonders spannend finde ich wandernden Schatten.
Ein Beet muss nicht den ganzen Tag dunkel liegen. Schon Schutz vor der stärksten Nachmittagssonne kann das Mikroklima deutlich verändern.
4. Bäume und Sträucher werden wichtiger
Ein Garten, der ausschließlich aus Rasen und niedrigen Beeten besteht, besitzt kaum vertikale Struktur.
Bäume und größere Sträucher schaffen dagegen unterschiedliche Klimazonen.
Sie können:
- Schatten spenden
- Wind bremsen
- Lebensraum schaffen
- Früchte liefern
- die Umgebungstemperatur lokal beeinflussen
Natürlich braucht auch ein frisch gepflanzter Baum zunächst Wasser.
Deshalb ist Baumpflanzung keine kurzfristige Sofortmaßnahme gegen die nächste Hitzewelle, sondern langfristige Planung.
5. Der klassische Rasen bekommt weniger Fläche

Ein sattgrüner, ständig kurz gemähter Rasen kann im Hochsommer enorme Wassermengen benötigen.
Ich würde deshalb nicht mehr automatisch jede freie Fläche als Rasen anlegen.
Je nach Nutzung könnten Alternativen sein:
- Wiesenbereiche
- trockenheitsverträgliche Stauden
- Bodendecker
- Gehölzflächen
- Kräuterbeete
- Kies- und Steppenpflanzungen mit lebender Vegetation
Wichtig ist mir dabei: Klimaanpassung bedeutet nicht, den Garten mit Schotter zuzuschütten.
Ein lebendiger, bepflanzter Garten bietet deutlich mehr Funktionen.
6. Den Gemüsegarten in Zonen aufteilen
Nicht jede Kultur braucht gleich viel Wasser.
Warum also alles identisch bewässern?
Ich würde Pflanzen nach ihrem Bedarf gruppieren.
Zum Beispiel:
Hoher Wasserbedarf:
- Gurken
- Zucchini
- manche Kohlgemüse
- junge Salate
Mittlerer Bedarf:
- Tomaten nach guter Bewurzelung
- Paprika
- Bohnen
Trockenerer Bereich:
- mediterrane Kräuter
- bestimmte Stauden
- gut etablierte trockenheitsverträgliche Pflanzen
Die genaue Einteilung hängt selbstverständlich von Boden, Wetter und Sorte ab.
Aber allein die räumliche Trennung macht gezieltes Gießen einfacher.
7. Den Boden über Jahre verbessern
Die vielleicht wichtigste Maßnahme kann man nicht kaufen.
Ein stabiler Gartenboden entsteht langsam.
Ich würde deshalb jedes Jahr daran arbeiten:
- Kompost sinnvoll einsetzen
- Boden bedeckt halten
- Verdichtung vermeiden
- lebende Wurzeln fördern
- organisches Material im Kreislauf halten
- nur so intensiv bearbeiten wie nötig
Die Bayerische Gartenakademie betonte auch 2026, wie wichtig Bodengesundheit und angepasste Bewässerung unter anhaltender Hitze und Trockenheit werden.
8. Nicht mehr auf den „normalen Sommer“ warten

Das ist vielleicht die größte Veränderung in meinem Denken.
Früher plante man den Garten für ein durchschnittliches Jahr und reagierte auf Extremwetter als Ausnahme.
Heute würde ich andersherum planen.
Der Garten sollte möglichst auch dann noch funktionieren, wenn:
- mehrere Wochen kein nennenswerter Regen fällt
- Temperaturen deutlich über 30 °C steigen
- anschließend in kurzer Zeit Starkregen kommt
- einzelne Kulturen ausfallen
Wenn das Jahr anschließend mild und ausgeglichen verläuft, umso besser.
Was würde ich zuerst umsetzen?
Wer nicht den gesamten Garten umbauen möchte, kann klein beginnen.
Meine Reihenfolge wäre:
- Boden dauerhaft bedecken.
- Regenwasserspeicher vergrößern.
- Bewässerung gezielter machen.
- Bodenstruktur verbessern.
- hitzeempfindliche Bereiche identifizieren.
- mehr Schatten und Gehölze einplanen.
- Sorten und Aussaattermine stärker streuen.
Keine dieser Maßnahmen allein macht einen Garten dürrefest.
Zusammen können sie jedoch seine Widerstandsfähigkeit deutlich erhöhen.
Fazit
Der Sommer 2026 war für mich weniger eine Aufforderung, noch größere Bewässerungsanlagen zu installieren.
Er war eine Aufforderung, den Garten als Gesamtsystem zu betrachten.
Wasser speichern, Schatten schaffen, Boden schützen, Pflanzen passend auswählen und Risiken verteilen: Genau darin sehe ich die Richtung für die kommenden Jahre.
Quellen
- Copernicus: Record heat stress and low river flows marked Europe’s 2026 summer (climate.copernicus.eu)
- The C3S Summer Review 2026 is out (climate.copernicus.eu)
- Mulching for soil and garden health (extension.umn.edu)

