Die Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) ist erstaunlich vielfältig und umfasst sowohl unscheinbare Wildkräuter als auch auffällige Zierstauden und wichtige Nutzpflanzen. Unter dem deutschen Sammelnamen „Knöterich“ werden dabei ganz unterschiedliche Arten zusammengefasst, die allerdings bestimmte typische Merkmale teilen. Viele begegnen uns im Garten, an Wegrändern oder sogar auf dem Teller, oft ohne dass wir sie botanisch richtig einordnen.
Wer sich mit Knöterichgewächsen beschäftigt, entdeckt rasch die Spannbreite dieser Pflanzenfamilie: Von der robusten Buchweizenpflanze über den dekorativen Staudenknöterich bis hin zu invasiven Neophyten wie dem Japanischen Staudenknöterich. Gleichzeitig spielen einige Arten in der Volksheilkunde eine Rolle, andere wiederum sind als Gemüsepflanzen oder Gründüngung von Bedeutung.
Im Folgenden werden die wichtigsten Gattungen, ausgewählte Zier- und Nutzpflanzen sowie häufige Fragen rund um Pflege, Nutzung und mögliche Probleme mit Knötericharten übersichtlich dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf mitteleuropäisch relevanten Arten, ohne den Blick auf die globale Vielfalt der Polygonaceae zu verlieren.
Einführung in die Familie der Knöterichgewächse
Die Knöterichgewächse (Polygonaceae) sind eine überwiegend krautige Pflanzenfamilie mit weltweit mehr als 1.000 Arten in rund 50–60 Gattungen. Charakteristisch sind die meist knotig gegliederten Stängel, wechselständige Blätter und eine scheidenartige Nebenblatthülle, die sogenannte Ochrea, die den Stängel an den Knoten umgibt. Die Blüten sind meist unscheinbar, klein und in Ähren, Rispen oder Trauben angeordnet, während die Früchte typischerweise nussartige, dreikantige Achänen sind.
Ökologisch besiedeln Polygonaceae viele verschiedene Lebensräume: von feuchten Ufern über Schuttplätze und Ackerflächen bis hin zu alpinen Rasen oder trockenen Ruderalstandorten. Viele Arten sind ausgesprochene Pionierpflanzen, die kahle Böden schnell bedecken und dadurch Erosion vermeiden. Andere sind auf nährstoffreiche, gestörte Standorte spezialisiert und werden daher häufig als „Unkräuter“ wahrgenommen.
Systematisch stehen die Knöterichgewächse innerhalb der Ordnung Caryophyllales und sind mit Familien wie den Nelkengewächsen entfernt verwandt. Innerhalb der eigenen Familie reicht das Spektrum von einjährigen, nur wenige Zentimeter großen Kräutern bis zu mannshohen Stauden und lianenartig wachsenden Kletterpflanzen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in ihrer Nutzung wider: Es gibt Speise- und Heilpflanzen, traditionelle Faserlieferanten, attraktive Gartenstauden und problematische invasive Neophyten.
Wichtige Gattungen innerhalb der Polygonaceae
Die Familie der Polygonaceae gliedert sich in mehrere bedeutende Gattungen, die im deutschsprachigen Raum besonders häufig vorkommen oder wirtschaftlich relevant sind. Eine der größten und bekanntesten ist die Gattung Polygonum im weiteren Sinne, die im modernen System oft weiter aufgeteilt wird (z. B. in Persicaria und Fallopia). Ebenfalls wichtig sind Gattungen wie Rumex (Ampfer), Fagopyrum (Buchweizen) und Rheum (Rhabarber), die sowohl wild als auch in Kultur eine große Rolle spielen.
In der gärtnerischen Praxis begegnet man vielen Arten unter traditionellen oder veralteten Gattungsnamen, was gelegentlich zu Verwirrung führt. So ist der bekannte Japanische Staudenknöterich botanisch als Reynoutria japonica bekannt, wurde aber früher häufig als Fallopia japonica oder Polygonum cuspidatum geführt. Ähnlich verhält es sich mit zahlreichen Staudenknöterichen, die in älterer Literatur unter Polygonum laufen, heute aber meist Persicaria zugeordnet werden.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige zentrale Gattungen der Knöterichgewächse, ihre deutsche Bezeichnung und ihre hauptsächliche Bedeutung:
| Gattung (lat.) | Deutscher Name / Gruppe | Typische Bedeutung / Nutzung |
|---|---|---|
| Polygonum s.l. | Knöteriche (im weiteren Sinne) | Wildkräuter, Ufer- und Ruderalpflanzen |
| Persicaria | Floh‑ bzw. Staudenknöteriche | Zierpflanzen, Wildkräuter, teils Heilpflanzen |
| Reynoutria | Staudenknöteriche (Neophyten) | Invasiv, Erosionsschutz, Biomasse |
| Fallopia | Schling‑/Rankknöteriche | Kletterpflanzen, teils verwildernd |
| Fagopyrum | Buchweizen | Nutzpflanze, Pseudogetreide |
| Rumex | Ampfer | Futterpflanzen, Wildgemüse, Heilpflanzen |
| Rheum | Rhabarber | Gemüse- und Zierpflanze |
| Muehlenbeckia | Drahtsträucher | Ziergehölze, Bodendecker |
Ergänzend zu dieser Übersicht lohnt sich ein Blick auf die Vielfalt innerhalb einzelner Gattungen. Rumex etwa umfasst sowohl hartnäckige Wiesenunkräuter als auch attraktive Zierformen. Persicaria wiederum bietet vom niedrigen Bodendecker bis zur imposanten Staude zahlreiche Gartenpflanzen. Durch die Kenntnis der wichtigsten Gattungen lässt sich sowohl die Bestimmung in der Natur als auch die gezielte Auswahl passender Arten für Garten und Anbau deutlich erleichtern.
Zierpflanzen aus der Familie der Knöterichgewächse

Unter den Knöterichgewächsen finden sich zahlreiche attraktive Zierpflanzen, die wegen ihrer langen Blütezeit, ihres buschigen Wuchses oder ihrer schönen Blattfärbung geschätzt werden. Besonders beliebt sind verschiedene Staudenknöteriche aus der Gattung Persicaria, die in modernen Staudenpflanzungen, Präriebeeten und Naturgärten eingesetzt werden. Sie gelten als vergleichsweise robust, kommen mit unterschiedlichen Böden zurecht und locken viele Insekten an.
Daneben spielen auch kletternde Vertreter der Familie eine Rolle, etwa Schling‑Knöteriche aus der Gattung Fallopia, die rasch Zäune, Pergolen oder unschöne Wände begrünen. Einige Arten sollten jedoch mit Vorsicht verwendet werden, da sie sehr wuchsstark und schwer zu kontrollieren sind. Für naturnahe Gärten eignen sich außerdem bestimmte Ampferarten mit auffälligen Samenständen sowie dekorative Rhabarbersorten mit großen, strukturgebenden Blättern.
Typische und beliebte Zier‑Knötericharten sind unter anderem:
- Persicaria amplexicaulis (Kerzen‑Knöterich) – lang blühende Staude mit aufrechten Blütenkerzen in Rot‑, Rosa‑ oder Weißtönen, ideal für Staudenbeete.
- Persicaria affinis (Teppich‑Knöterich) – niedriger Bodendecker mit rosafarbener Blüte und attraktiver Herbstfärbung, gut zur Flächenbegrünung.
- Persicaria microcephala ‘Red Dragon’ – dekoratives Laub mit dunkelroter Zeichnung, eher als Blattzierpflanze genutzt.
- Fallopia baldschuanica (Schling‑Knöterich, „Architektentrost“) – extrem wuchsfreudiger Kletterer mit üppiger weißer Blüte, nur mit Bedacht pflanzen.
- Zier‑Rhabarber (Rheum palmatum u. a.) – imposante Blattschmuck‑Stauden mit dekorativen Blütenrispen, vor allem in großen Gärten wirksam.
Nutzpflanzen und Heilkräuter unter den Knötericharten
Mehrere Vertreter der Knöterichgewächse sind als Nahrungspflanzen von Bedeutung. Am bekanntesten ist der Echte Buchweizen (Fagopyrum esculentum), ein sogenanntes Pseudogetreide, dessen Samen zu Mehl, Grütze oder ganzen Körnerprodukten verarbeitet werden. Auch Rhabarber (Rheum rhabarbarum) zählt zu den Polygonaceae und wird als säuerliches Stielgemüse geschätzt. Manche Ampferarten, etwa der Sauerampfer (Rumex acetosa), werden traditionell als Wildgemüse genutzt und verleihen Speisen ein frisch-säuerliches Aroma.
In der Volksmedizin und Phytotherapie spielen verschiedene Knötericharten eine Rolle. Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) enthält hohe Mengen an Resveratrol und wird in der traditionellen ostasiatischen Medizin verwendet, wenngleich seine Nutzung hierzulande durch seinen invasiven Charakter problematisch ist. Auch Ampferarten wie Rumex crispus (Krauser Ampfer) und Rumex acetosa wurden als Verdauungs- und Blutreinigungsmittel eingesetzt. Die Wirksamkeit ist allerdings je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich gut wissenschaftlich belegt.
Zu den interessanten Nutz‑ und Heilpflanzen aus der Familie der Knöterichgewächse zählen beispielsweise:
- Fagopyrum esculentum (Echter Buchweizen) – Pseudogetreide für glutenfreie Ernährung, Bienenweide, Gründüngung.
- Fagopyrum tataricum (Tatarischer Buchweizen) – besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen (u. a. Rutin), regional angebaut.
- Rheum rhabarbarum (Garten‑Rhabarber) – wichtiges Stielgemüse, reich an Säuren und sekundären Inhaltsstoffen.
- Rumex acetosa (Sauerampfer) – klassisches Wildgemüse, Bestandteil von Suppen, Soßen und Kräutermischungen.
- Reynoutria japonica – in Asien teils als Gemüse und Heilpflanze genutzt, in Europa primär als invasiver Problempflanze bekannt.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Knöterich
Im Umgang mit Knöterichgewächsen tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf – sei es zur Bestimmung, zur gärtnerischen Nutzung oder zum Umgang mit invasiven Arten. Viele Missverständnisse beruhen darauf, dass unter „Knöterich“ sehr unterschiedliche Pflanzen zusammengefasst werden, die sich in Wuchsform, Standortansprüchen und ökologischer Wirkung stark unterscheiden können. Eine klare Zuordnung zu Gattung und Art hilft, passende Entscheidungen für Gartenpraxis und Landschaftspflege zu treffen.
Zugleich werden Polygonaceae oft ambivalent wahrgenommen: Einige Arten gelten als nützliche Wildkräuter oder attraktive Stauden, andere werden als lästige Ackerunkräuter oder invasive Neophyten bekämpft. Hinzu kommt das wachsende Interesse an essbaren Wildpflanzen und Heilkräutern, das Fragen zu Sicherheit, Inhaltsstoffen und fachgerechter Anwendung aufwirft. Ein informierter Blick auf Herkunft, Nutzung und mögliche Risiken ist daher wichtig.
Die folgende Tabelle fasst einige häufige praktische Fragen und kurze Antworten rund um Knöterichgewächse zusammen:
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Sind alle Knötericharten essbar? | Nein, nur ausgewählte Arten sind als Gemüse/Heilkraut geeignet; immer genau bestimmen. |
| Warum gilt der Japanische Staudenknöterich als problematisch? | Er ist extrem wuchsstark, verdrängt heimische Arten und ist schwer zu bekämpfen. |
| Können Knöteriche allergische Reaktionen auslösen? | Möglich, v. a. bei Pollen- und Hautkontakt; individuelle Empfindlichkeit beachten. |
| Welche Knötericharten eignen sich für den Garten? | Vor allem ausgewählte Persicaria-Stauden und Zier‑Rhabarber; invasive Arten meiden. |
| Sind Buchweizenprodukte für Zöliakie‑Betroffene geeignet? | Ja, Buchweizen ist glutenfrei, sofern keine Verunreinigung mit Getreide vorliegt. |
Nachfolgend finden Sie ausgewählte Fragen noch einmal ausführlicher beantwortet: 🌱🌿
Wie erkenne ich Knöterichgewächse generell?
Typisch sind die knotig gegliederten Stängel und die Ochrea, eine trockene, röhrenartige Nebenblatthülle an den Blattknoten. Die Blätter sind meist einfach und wechselständig, die Blüten eher klein, oft in dichten Ähren oder Rispen.
Welche Knötericharten sollte ich im Garten meiden?
Verzichten Sie auf stark invasive Arten wie den Japanischen Staudenknöterich (Reynoutria japonica) oder sehr wuchskräftige Schling‑Knöteriche (Fallopia baldschuanica), zumindest wenn keine konsequente Eindämmung möglich ist. Besser sind sortenechte Staudenknöteriche (Persicaria) aus dem Fachhandel.
Wie lässt sich invasiver Staudenknöterich bekämpfen?
Eine dauerhafte Bekämpfung ist schwierig und erfordert meist eine Kombination aus wiederholtem Ausgraben der Rhizome, konsequentem Abmähen über mehrere Jahre und – je nach Rechtslage und Standort – ggf. fachkundigen Einsatz von Herbiziden. Pflanzenmaterial darf nicht über den Kompost, sondern muss über den Restmüll oder spezielle Entsorgungssysteme vernichtet werden.
Knöterichgewächse verbinden in einer einzigen Pflanzenfamilie eine bemerkenswerte Bandbreite: vom nützlichen Buchweizen über dekorative Stauden bis hin zu invasiven Problempflanzen. Wer ihre grundlegenden Merkmale, wichtigen Gattungen und typischen Vertreter kennt, kann sie im Garten gezielt einsetzen, in der Natur besser einordnen und Risiken durch unerwünschte Ausbreitung vermeiden.
Besonders lohnend ist es, bewusst zwischen dekorativen Zier‑Knöterichen, essbaren und heilkundlich genutzten Arten sowie problematischen Neophyten zu unterscheiden. So lassen sich die Vorzüge der Polygonaceae – etwa als Bienenweide, Nahrungsquelle oder Strukturpflanze – nutzen, ohne ökologische Schäden in Kauf zu nehmen.
Mit wachsender Kenntnis über die verschiedenen Arten von Knöterich eröffnet sich nicht nur ein faszinierendes botanisches Feld, sondern auch ein praktischer Nutzen für Garten, Küche und Naturerlebnis. Wer aufmerksam hinsieht, wird die unscheinbaren „Knoten am Stängel“ bald überall entdecken – und sie mit anderen Augen betrachten.
