Alte Gemüsesorten erleben ein stilles Comeback. Was früher als „Bauernkost“ oder gar als Notnahrung galt, steht heute wieder auf den Speisekarten moderner Restaurants und in den Regalen von Bioläden. Pastinaken, Steckrüben oder Schwarzwurzeln bringen nicht nur Abwechslung auf den Teller, sondern auch Aromen, die lange aus unseren Küchen verschwunden waren.
Gleichzeitig droht vielen traditionellen Sorten das endgültige Aus. Monokulturen, globale Warenströme und ein stark auf Optik getrimmter Gemüsemarkt verdrängen alles, was nicht normgerecht aussieht oder sich nicht wochenlang lagern lässt. Damit geht auch ein Stück kulinarischer Kultur verloren, denn jede alte Sorte erzählt von regionalen Anbauweisen, früheren Essgewohnheiten und angepassten Geschmacksrichtungen.
Wer sich heute mit „vergessenem Gemüse“ beschäftigt, holt diese Geschichten wieder ans Licht. Man entdeckt robuste Pflanzen, die mit wenig Dünger und Wasser auskommen, und Sorten, die von Haus aus intensiver schmecken als viele moderne Züchtungen. Dazu kommt: Vielfalt im Beet stärkt die Resilienz unserer Gärten und Ackerflächen gegen Schädlinge und Klimaschwankungen.
In diesem Artikel lernst du fünf fast vergessene Gemüsesorten kennen – von Pastinake bis Knollenziest – und erfährst, wie du sie kochst, anbaust und in deinen Alltag integrierst. So trägst du ganz nebenbei dazu bei, kulinarische und biologische Vielfalt zu bewahren und deinen Speiseplan spannender zu gestalten.
Vergessenes Gemüse: Warum Vielfalt verloren geht
Über Jahrhunderte hinweg wurden in Europa hunderte, wenn nicht tausende Gemüsesorten angebaut. Jede Region hatte ihre eigenen Lieblingssorten, angepasst an Boden, Klima und lokale Vorlieben. Erst mit der Industrialisierung der Landwirtschaft setzte sich die Idee durch, dass wenige einheitliche Sorten effizienter und wirtschaftlicher seien. Im Supermarkt sieht man das Ergebnis: Tomaten, Karotten und Salate sehen überall gleich aus.
Diese Vereinheitlichung hat Konsequenzen. Wenn nur noch wenige Sorten genutzt werden, schrumpft der genetische Pool – und damit die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen. Klimawandel, neue Schädlinge oder Krankheiten treffen ein System mit geringer Vielfalt deutlich härter. Vergessene Gemüsesorten sind daher nicht nur nostalgische Erinnerungen, sondern auch potenzielle „Versicherungspolicen“ für die Zukunft.
Hinzu kommt der kulturelle Aspekt. Viele traditionelle Gerichte basierten auf Gemüsearten, die heute kaum noch bekannt sind: Steckrüben-Eintöpfe, Pastinakenpüree oder Schwarzwurzeln in Buttersauce waren über Generationen hinweg Alltagskost. Wenn die Zutaten verschwinden, geraten auch Rezepte und damit verbundene Familiengeschichten und regionale Identitäten in Vergessenheit.
Die gute Nachricht: Immer mehr Gärtnerinnen, kleine Höfe und Saatgutinitiativen setzen sich dafür ein, alte Sorten zu bewahren und zurückzubringen. Wer bewusst zugreift – auf dem Wochenmarkt, in der Solidarischen Landwirtschaft oder durch eigenes Gärtnern – kann die Nachfrage nach diesen Schätzen steigern und so dazu beitragen, dass sie wieder einen festen Platz in Küche und Garten bekommen.
Pastinake & Co: Alte Wurzeln neu entdeckt
Pastinaken gehören zu jenen Wurzelgemüsen, die einst eine wichtige Rolle spielten, dann aber fast komplett von der Kartoffel verdrängt wurden. Dabei überzeugen sie mit einem nussig-süßen Aroma, das an eine Mischung aus Möhre und Sellerie erinnert. Neben Pastinaken zählen auch Petersilienwurzel und Haferwurzel zur Familie der „alten Wurzeln“, die heute langsam wiederentdeckt werden.
Eine Übersicht über einige dieser fast vergessenen Wurzelgemüse:
| Gemüse | Geschmack / Aroma | Typische Verwendung | Besondere Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Pastinake | mild-süß, nussig | Pürees, Suppen, Ofengemüse, Babynahrung | sehr gut lagerfähig |
| Petersilienwurzel | würzig, petersilienähnlich, kräftig | Suppengrün, Eintöpfe, Ofengemüse | intensives Aroma, braucht wenig Gewürz |
| Haferwurzel | leicht süßlich, erinnert an Austern | Gemüsebeilage, cremige Suppen | echte Rarität im Handel |
| Topinambur | süßlich, leicht nussig | Püree, Chips, Ofengemüse, Salat roh | enthält Inulin, gut für Darmflora |
Viele dieser Wurzeln lassen sich ähnlich wie Kartoffeln nutzen, bringen aber deutlich mehr geschmackliche Nuancen mit. Pastinaken werden gern im Backofen mit Öl und Kräutern geröstet, Petersilienwurzel gibt Brühen Tiefe, und Topinambur eignet sich hervorragend für cremige Suppen. Durch ihren höheren Anteil an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen punkten sie gesundheitlich.
Beim Einkauf lohnt es sich, bewusst nach diesen Gemüsen Ausschau zu halten – insbesondere auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden, wo die Auswahl traditionell größer ist. Wer einmal ein Pastinakenpüree oder eine kräftige Wurzelgemüse-Suppe probiert hat, wird schnell merken, dass „Arme-Leute-Essen“ heute durchaus Feinschmeckerpotenzial hat. Alte Wurzeln liefern somit eine einfache Möglichkeit, den Speiseplan zu erweitern, ohne die Kochtechniken grundlegend ändern zu müssen.
Steckrübe: Vom Arme-Leute-Essen zum Trendstar
Die Steckrübe hat ein Imageproblem, das bis ins 20. Jahrhundert zurückreicht. In Kriegs- und Notzeiten diente sie häufig als Hauptnahrungsmittel, wenn kaum etwas anderes verfügbar war. Viele verbinden mit der „Wruke“ oder „Dicke Rübe“ daher eintönige, wässrige Gerichte und Mangelernährung. Dieses Stigma haftet ihr bis heute an – völlig zu Unrecht, denn moderne Zubereitungen holen erstaunlich viel Geschmack aus der robusten Knolle.
Besonders spannend ist, wie vielfältig sich Steckrüben heute nutzen lassen:
- als cremiges Püree, ähnlich Kartoffelpüree, mit Muskat und Butter
- in herzhaften Eintöpfen, etwa mit Linsen oder Bohnen
- als Ofengemüse in Kombination mit Karotten, Pastinaken und Zwiebeln
- in Currys, wo ihre leichte Süße gut mit Gewürzen harmoniert
- als Pommes-Alternative aus dem Backofen
- fein geraspelt im winterlichen Rohkostsalat
In der modernen Küche wird die Steckrübe oft geröstet oder karamellisiert, um ihre natürliche Süße zu betonen. In dünne Spalten geschnitten und mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Kräutern im Ofen gebacken, entsteht ein aromatisches Ofengemüse, das hervorragend zu Fisch oder Fleisch passt – oder als vegane Hauptspeise mit einem Dip serviert wird. Auch püriert mit etwas Apfel bringt sie eine fruchtige Note auf den Teller.
Ernährungsphysiologisch ist die Steckrübe interessant, weil sie vergleichsweise kalorienarm, aber reich an Ballaststoffen, Vitamin C und Mineralstoffen ist. Sie wächst zuverlässig auch in kühleren, feuchten Regionen und kommt mit eher ärmeren Böden zurecht. Damit ist sie ein typisches Beispiel für ein Gemüse, das sowohl ökologisch sinnvoll als auch kulinarisch vielseitig ist – wenn man ihm die Chance gibt, sein verstaubtes Image abzulegen.
Schwarzwurzel: Das „Spargel des Winters“ Comeback
Die Schwarzwurzel wurde früher nicht umsonst „Winterspargel“ genannt: Zart gekocht und mit Butter oder einer leichten Sauce serviert, erinnert sie tatsächlich an Spargel, ist aber saisonal genau dann verfügbar, wenn Spargel Pause hat. Aufgrund ihrer schwarzen, erdigen Schale und des klebrigen Milchsaftes beim Schälen ist sie etwas arbeitsintensiver – was vermutlich dazu beigetragen hat, dass sie aus vielen Küchen verschwunden ist.
Wer sich von diesem ersten Eindruck nicht abschrecken lässt, wird mit einem feinen, leicht nussigen Aroma belohnt. Der Trick liegt in der Vorbereitung: Schwarzwurzeln werden am besten mit Handschuhen unter fließendem Wasser oder in einer Schüssel mit Wasser und etwas Zitronensaft geschält, damit der austretende Milchsaft nicht klebt und die Stangen nicht braun anlaufen. Danach lassen sie sich wie Spargel kochen, dünsten oder im Ofen garen.
Kulinarisch sind Schwarzwurzeln erstaunlich vielseitig. Sie schmecken als klassische Gemüsebeilage mit Butter und Petersilie, in einer sahnigen Rahmsauce oder in einer Suppe fein püriert. Auch in Gratins oder Quiches machen sie eine gute Figur. Wer sie in Stifte schneidet und kurz in der Pfanne anbrät, erhält eine feine Beilage mit leicht karamellisierter Note.
Zusätzlich punkten Schwarzwurzeln mit einem hohen Gehalt an Inulin, einem präbiotischen Ballaststoff, der die Darmflora unterstützt. In Zeiten, in denen viel über „Darmgesundheit“ gesprochen wird, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Ihr Comeback verdanken sie vor allem Biohöfen und engagierten Köchinnen, die gezielt nach vergessenen Wintergemüsen suchen, um saisonale Speisekarten spannend zu halten.
Mangold: Bunte Blätter statt Eisbergsalat
Mangold war lange Zeit das „Gemüse der Großeltern“, bevor er von Spinat und Kopfsalaten in den Hintergrund gedrängt wurde. Dabei bietet er farblich und geschmacklich eindrucksvolle Vielfalt – von hellgrünen Blättern mit weißen Stielen bis hin zu leuchtend rot, gelb oder orange gefärbten Sorten. Gerade der bunte Stielmangold sorgt im Gemüsebeet wie auf dem Teller für echte Farbakzente.
Ein Überblick über einige typische Mangold-Varianten:
| Sorte / Typ | Optik | Geschmack / Verwendung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Blattmangold | große grüne Blätter, dünne Stiele | mild, ähnlich Spinat, für Pfannengerichte | Blätter werden wie Blattgemüse genutzt |
| Stielmangold bunt | rote, gelbe, orange Stiele | etwas kräftiger, leicht erdig | ideal als Blickfang im Beet |
| Silbermangold | breite, weiße Stiele | Stiele leicht süßlich, Blätter würzig | Stiele ähnlich wie Spargel zubereitbar |
| Schnittmangold | feine Blätter, zarter Wuchs | junge Blätter für Salate und Smoothies | schnelle Ernte, mehrfach schnittfähig |
Mangold kann roh oder gekocht gegessen werden. Junge, zarte Blätter passen hervorragend in bunte Salate oder Bowls, während größere Blätter und Stiele kurz in der Pfanne mit Knoblauch, Öl und etwas Zitrone geschwenkt werden. Die Stiele brauchen meist etwas länger Garzeit als die Blätter und können separat wie ein eigenes Gemüse behandelt werden, etwa überbacken oder in Rahmsauce.
Im Vergleich zu Eisbergsalat bietet Mangold deutlich mehr Nährstoffe: Er ist reich an Vitamin K, Vitamin A, Folsäure sowie Mineralstoffen wie Magnesium und Eisen. Im Garten gilt er als relativ anspruchslos, liefert über Monate hinweg laufend frische Blätter und lässt sich auch gut in Hochbeeten oder sogar größeren Kübeln kultivieren. So wird er zu einer attraktiven Alternative für alle, die über das klassische Salatblatt hinausdenken möchten.
Knollenziest: Das unbekannte Perlengemüse
Knollenziest, auch „Chinesische Artischocke“ genannt, gehört zu den Gemüsesorten, die selbst vielen ambitionierten Hobbyköchinnen noch nie begegnet sind. Die kleinen, perlenartig gegliederten Knöllchen sehen aus, als seien sie aus hellem Wachs modelliert worden, und wirken auf den ersten Blick eher dekorativ als essbar. Dabei verbergen sie einen mild-nussigen Geschmack, der an Artischocke oder leichte Nussaromen erinnert.
Die Knollen wachsen unterirdisch an einer mehrjährigen Pflanze und werden im Spätherbst bis Winter geerntet. Ihr Vorteil: Sie sind relativ robust, brauchen keinen besonders nährstoffreichen Boden und breiten sich mit der Zeit selbstständig aus – ideal für naturnahe Gärten. Im Handel findet man Knollenziest selten, eher in Feinkostläden oder direkt bei spezialisierten Gärtnereien und Hofbetrieben.
In der Küche wird Knollenziest meist kurz blanchiert oder in der Pfanne sautiert, damit die feine Textur erhalten bleibt. Die Knöllchen bleiben dabei leicht knackig und eignen sich hervorragend als Beilage zu Fisch oder hellem Fleisch, in Winter-Salaten oder als besondere Einlage in Gemüsepfannen. Auch eingelegt in mildem Essig entsteht ein spannender Antipasti-Snack.
Gerade weil Knollenziest so unbekannt ist, hat er großes Potenzial, zum „Aha-Gemüse“ auf dem Teller zu werden. Wer Gäste mit etwas wirklich Neuem überraschen möchte, liegt mit diesem Perlengemüse genau richtig. Und wer einen Garten besitzt, kann sich mit wenigen Pflänzchen eine langlebige, fast pflegeleichte Delikatesse heranziehen, die Jahr für Jahr neue Ernte liefert.
Rote Bete: Mehr als nur knallrote Farbe
Rote Bete ist zwar nicht vollständig vergessen, wurde aber lange auf wenige Verwendungsarten reduziert – etwa als sauer eingelegte Scheiben im Glas oder als einfache Beilage. Tatsächlich existiert eine erstaunliche Sortenvielfalt: von tief dunkelroten über geringelte (Chioggia) bis hin zu gelben und weißen Beten. Jede Sorte bringt eigene Geschmacksnuancen mit, von erdig-intensiv bis mild-süß.
Ihr Ruf als „erdig“ schreckt manche ab, doch mit der richtigen Zubereitung lässt sich dieses Aroma wunderbar balancieren. Im Ofen geröstet, konzentriert sich die Süße, und ein Spritzer Zitrone oder etwas Essig hebt den Geschmack. In Kombination mit Ziegenkäse, Walnüssen, Äpfeln oder Orangen ergibt sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Auch roh, fein geraspelt im Salat oder Carpaccio, zeigt Rote Bete eine frische, leicht süßliche Seite.
Neben ihrem Geschmack ist Rote Bete ernährungsphysiologisch spannend: Sie enthält Betanin (den Farbstoff), der als Antioxidans wirkt, außerdem Folsäure, Kalium und Nitrate, die sich positiv auf den Blutdruck auswirken können. Die Blätter – oft weggeworfen – sind ebenfalls essbar und lassen sich ähnlich wie Mangold oder Spinat verwenden. So wird aus der Knolle ein nahezu vollständig nutzbares Gemüse.
In der modernen Küche sorgt Rote Bete in Smoothies, Hummus-Varianten, Burger-Patties oder Risotti für Farbe und Tiefe. Wer sich bisher nicht an sie herangetraut hat, sollte mit kleinen Mengen beginnen – etwa als Teil eines Ofengemüse-Mixes – und nach und nach experimentieren. Die Bandbreite reicht von herzhaft-deftig bis hin zu überraschenden Dessertideen wie Rote-Bete-Schokoladenkuchen.
So bereitest du alte Gemüsesorten modern zu
Um vergessene Gemüsesorten in den Alltag zu integrieren, hilft es, bekannte Zubereitungsmethoden zu nutzen und nur die Hauptzutaten auszutauschen. Statt Kartoffeln wandern eben Pastinaken oder Steckrüben in den Ofen, statt Spinat kommt Mangold in die Pfanne. Besonders beliebt sind Ofengemüse-Bleche: verschiedenes Wurzelgemüse mit Öl, Salz, Pfeffer und Kräutern vermengen, bei hoher Temperatur rösten – fertig ist ein modernes, unkompliziertes Gericht.
Auch Pürees bieten einen idealen Einstieg. Aus Pastinake, Steckrübe oder Topinambur lassen sich cremige Beilagen herstellen, die Kartoffelpüree geschmacklich übertreffen. Mit etwas Butter oder Olivenöl, Muskat, knusprigen Toppings wie gerösteten Nüssen oder Zwiebeln werden daraus fast schon kleine Gourmetkomponenten. Rote Bete-Püree bringt zusätzlich eine beeindruckende Farbe auf den Teller.
Wer es leichter mag, setzt auf Bowls und Salate. Roh geraspelte Rote Bete, feine Mangoldblätter, blanchierter Knollenziest und geröstete Schwarzwurzel-Streifen können zusammen mit Kernen, Hülsenfrüchten und einem kräftigen Dressing zu einer vollwertigen Mahlzeit werden. So lassen sich alte Gemüsesorten quasi in „moderne Formate“ übersetzen, ohne dass man seine Kochgewohnheiten komplett umstellen muss.
Für Experimentierfreudige bieten Fermentation und Einlegen spannende Möglichkeiten. Rote Bete, Steckrübe oder Mangoldstiele lassen sich milchsauer vergären oder in Essig-Sud konservieren und bereichern dann über Wochen hinweg Sandwiches, Bowls oder Brotzeiten. So wird aus vergessenen Gemüsen eine bunte Vorratskammer, die den Winter kulinarisch deutlich interessanter macht.
Tipps zum Anbau vergessener Gemüse im Garten
Viele alte Gemüsesorten sind erstaunlich robust – kein Wunder, schließlich wurden sie früher ohne Hightech-Zucht auf Ertrag und Widerstandsfähigkeit ausgelesen. Pastinaken, Steckrüben oder Schwarzwurzeln kommen mit kühleren Temperaturen und weniger perfekten Böden oft besser zurecht als empfindliche „Hochleistungssorten“. Wer einen Garten hat, kann diese Stärke nutzen und gezielt auf Vielfalt setzen, statt nur die üblichen Klassiker anzubauen.
Wichtig ist die Auswahl des Saatgutes. Spezialisierte Saatgutvereine, Bio-Saatgutbanken und kleinere Gärtnereien bieten inzwischen wieder eine große Palette historischer oder regionaler Sorten an. Dabei lohnt es sich, auf „samenfeste“ Sorten zu achten – also solche, deren Samen im nächsten Jahr wieder sortentypische Pflanzen hervorbringen. So trägst du aktiv zur Erhaltung dieser Gemüseschätze bei.
Im Beet profitieren die meisten genannten Kulturen von einer lockeren, tiefgründig bearbeiteten Erde, insbesondere Wurzelgemüse wie Pastinaken oder Schwarzwurzel. Fruchtfolgen und Mischkultur – etwa Mangold neben Zwiebeln oder Salaten – helfen, Krankheiten und Schädlinge zu reduzieren. Mulchen hält den Boden feucht und schützt die empfindlicheren Jungpflanzen. Viele der alten Sorten sind relativ genügsam, was Düngung angeht.
Wer wenig Platz hat, kann Mangold, Rote Bete und sogar klein bleibende Steckrüben-Sorten im Hochbeet oder großen Kübeln ziehen. Knollenziest ist für naturnahe Gartenecken geeignet, wo er sich langfristig etablieren darf. Mit jeder Saison wächst nicht nur die Ernte, sondern auch die eigene Erfahrung – und Stück für Stück entsteht ein lebendiges Archiv alter, fast vergessener Gemüsesorten direkt vor der Haustür.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema
1. Welche fünf fast vergessenen Gemüsesorten sollte ich als Erstes ausprobieren?
Ein guter Einstieg sind Pastinake, Steckrübe, Schwarzwurzel, Mangold und Knollenziest. Sie decken unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Verwendungsformen ab – von Wurzelgemüse über Blattgemüse bis hin zum exotisch wirkenden Perlengemüse. So bekommst du schnell ein Gefühl dafür, wie vielfältig „vergessenes Gemüse“ sein kann. 🌱
2. Wo bekomme ich diese Gemüsesorten, wenn mein Supermarkt sie nicht führt?
Schau auf Wochenmärkten, in Bioläden, Hofläden oder bei Solidarischen Landwirtschaftsprojekten (SoLaWi) vorbei. Viele kleinere Betriebe bauen bewusst alte Sorten an. Für Mangold und Rote Bete wirst du auch im gut sortierten Supermarkt fündig, während Knollenziest oder Haferwurzel eher Spezialitäten bleiben und oft nur saisonal angeboten werden. 🛒
3. Muss ich beim Kochen von vergessenen Gemüsesorten etwas Besonderes beachten?
Meist kannst du dich an bekannten Zubereitungsarten orientieren: Wurzelgemüse wie Kartoffeln behandeln, Blattgemüse wie Spinat oder Mangold. Einzig Schwarzwurzel erfordert beim Schälen etwas Vorsicht wegen des Milchsaftes (Handschuhe tragen, in Wasser mit Zitronensaft arbeiten). Probier anfangs einfache Rezepte wie Ofengemüse, Suppen oder Pürees. 👩🍳
4. Sind vergessene Gemüsesorten wirklich gesünder als moderne?
„Gesünder“ ist relativ, aber viele alten Sorten sind nährstoffreich, ballaststoffbetont und weniger auf maximalen Ertrag und Optik gezüchtet. Pastinaken, Rote Bete, Mangold oder Schwarzwurzeln punkten mit Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Wichtiger als der Vergleich ist die Vielfalt: Je bunter und abwechslungsreicher du isst, desto besser. 🥕
5. Eignen sich diese Gemüsesorten auch für Anfänger im Gemüsegarten?
Ja. Mangold, Rote Bete und Steckrüben gelten als relativ unkompliziert. Pastinaken und Schwarzwurzeln brauchen etwas mehr Geduld und lockeren Boden, lohnen aber die Mühe. Knollenziest ist pflegeleicht, kann sich aber stark ausbreiten – pflanze ihn besser in eine begrenzte Fläche oder ein Hochbeet. Regelmäßiges Gießen und Unkrautjäten genügt meist. 🌿
6. Wie kann ich Kindern vergessene Gemüsesorten schmackhaft machen?
Kinder reagieren oft sensibel auf ungewohnte Aromen. Starte mit milden Zubereitungen: Pastinaken als Püree oder Ofensticks, Steckrübe als Pommes-Alternative, Rote Bete im bunten Gemüseburger oder als farbiger Dip. Lass Kinder beim Schneiden, Würzen und Anrichten helfen – wer mitkocht, probiert eher. 🍽️
Vergessene Gemüsesorten sind weit mehr als eine kulinarische Modeerscheinung. Sie stehen für biologische Vielfalt, regionale Traditionen und eine Küche, die sich an den Jahreszeiten orientiert. Wer Pastinake, Steckrübe, Schwarzwurzel, Mangold oder Knollenziest eine Chance gibt, wird mit neuen Aromen, spannenden Texturen und oft erstaunlicher Genügsamkeit im Anbau belohnt.
Gleichzeitig sendest du mit jedem Einkauf und jeder Aussaat ein Signal: Vielfalt ist gewollt und gefragt. So trägst du dazu bei, dass alte Sorten nicht endgültig aus unseren Beeten und von unseren Tellern verschwinden. Ob im eigenen Garten oder beim bewussten Griff zu besonderen Gemüsesorten auf dem Markt – jeder kleine Schritt zählt.
Vielleicht wird aus der „vergessenen Rübe“ ja deine neue Lieblingszutat, aus dem unscheinbaren Perlengemüse ein Gesprächsanlass am Esstisch. Experimentiere, koste und kombiniere – und entdecke jene Geschmäcker wieder, die Generationen vor uns ganz selbstverständlich begleitet haben.
Am Ende bedeutet der Blick auf vergessene Gemüsesorten vor allem eines: neugierig zu bleiben und die eigene Küche immer wieder neu zu erfinden. Genau darin liegt ihr größter Reiz – und eine Chance für eine zukunftsfähige, vielfältige Esskultur.
