Anis (Pimpinella anisum) ist ein klassisches Gewürz- und Heilkraut, das seit Jahrhunderten in Gärten kultiviert wird. Mit seinem süß-würzigen Aroma, das an Lakritz erinnert, bereichert er sowohl die Küche als auch die Hausapotheke. Wer Anis im eigenen Garten anbaut, kann sich über frische Samen mit besonders intensivem Geschmack freuen. Damit der Anbau gelingt, lohnt sich ein genauer Blick auf Standort, Boden, Pflege und Ernte.
Im Gegensatz zu vielen exotischen Gewürzen lässt sich Anis auch in mitteleuropäischen Breilandlagen gut kultivieren, sofern einige Grundbedingungen erfüllt sind. Da die Pflanze eher wärmeliebend ist, spielt die Wahl des richtigen Platzes im Garten eine entscheidende Rolle. Ebenso wichtig ist ein durchlässiger, gut vorbereiteter Boden, denn Anis reagiert empfindlich auf Staunässe. Wer diese Grundlagen beachtet, wird mit gesunden Pflanzen und einer reichen Samenlese belohnt.
Anis ist einjährig, das heißt, er wird jedes Jahr neu ausgesät. Dadurch bietet sich auch die Chance, Jahr für Jahr den Standort zu optimieren, Fruchtfolgen zu planen und neue Erfahrungen zu sammeln. Viele Hobbygärtner unterschätzen, wie vielseitig Anis genutzt werden kann – von Brotgewürz über Liköre bis hin zu Hausmitteln bei Verdauungsbeschwerden.
Im Folgenden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Anis im Garten erfolgreich anbauen: von der Standortwahl über die Aussaat, die Pflege im Jahresverlauf, die richtige Düngung und den Umgang mit Krankheiten und Schädlingen bis hin zu Ernte, Trocknung, Lagerung und Verwendung in Küche und Hausapotheke.
Anis im Garten: Standortwahl und Klimabedürfnisse
Anis stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen des Mittelmeerraums und Vorderasiens. Entsprechend bevorzugt die Pflanze sonnige, warme bis leicht trockene Lagen. Ein vollsonniger Standort ist ideal – je mehr direkte Sonneneinstrahlung, desto aromatischer entwickeln sich die Samen. Halbschatten führt meist zu schwächerem Wachstum und geringerem Ertrag.
Auch das Mikroklima im Garten spielt eine Rolle. Geschützte, windarme Bereiche, etwa vor einer Mauer oder Hecke, begünstigen das Wachstum, weil sich die Luft dort schneller erwärmt. Kalte Zugluft, insbesondere im Frühjahr, kann die Keimung verzögern und junge Pflanzen schwächen. Hochgelegene, exponierte Lagen mit starken Winden sind daher eher ungeeignet.
In Bezug auf die Temperatur ist Anis überraschend anpassungsfähig, reagiert aber empfindlich auf Spätfröste. Die Samen keimen ab Bodentemperaturen von etwa 8–10 °C, ein wirklich zügiges Wachstum setzt jedoch erst bei wärmeren Bedingungen ein. In kühlen, regenreichen Sommern bleiben die Pflanzen oft kleiner, und die Samen reifen schlechter aus.
Wichtig ist außerdem, Anis nicht Jahr für Jahr an dieselbe Stelle zu setzen. Eine Fruchtfolge mit mindestens dreijähriger Anbaupause auf derselben Fläche beugt Bodenmüdigkeit und Krankheiten vor. Ideal ist der Anbau nach schwach zehrenden Kulturen wie Salat oder Erbsen; nach anderen Doldenblütlern (z. B. Möhren, Fenchel, Dill) sollte Anis nicht direkt folgen.
Bodenvorbereitung: So schaffen Sie ideale Bedingungen
Anis liebt lockere, tiefgründige und gut durchlässige Böden. Staunässe wird schlecht vertragen, gleichzeitig sollte der Boden aber nicht völlig austrocknen. Lehmige Sandböden oder sandige Lehmböden sind meist optimal, wenn sie gut strukturiert und humos sind. Sehr schwere, nasse Böden müssen vor dem Anbau unbedingt verbessert werden.
Eine gründliche Bodenvorbereitung im Frühjahr ist entscheidend. Entfernen Sie zunächst gründlich Wurzelunkräuter, da Anis in der Jugendphase relativ konkurrenzschwach ist. Anschließend wird die Fläche umgegraben oder gelockert, bei leichten Böden reicht häufig das tiefe Durcharbeiten mit einer Grabegabel. Steine und grobe Wurzelreste sollten entfernt werden, damit die feinen Wurzeln ungehindert wachsen können.
Um die Übersicht zu erleichtern, finden Sie hier eine Tabelle mit wichtigen Bodenparametern und den jeweils empfohlenen Maßnahmen:
| Kriterium | Ideal für Anis | Maßnahmen bei Abweichung |
|---|---|---|
| Bodenart | Lehmiger Sand / sandiger Lehm | Schwere Böden mit Sand lockern, sehr leichte mit Kompost |
| pH-Wert | 6,0–7,0 (schwach sauer bis neutral) | Bei 7 säuernden Kompost einarbeiten |
| Humusgehalt | Mittel bis hoch | Reifen Kompost oder gut verrotteten Stallmist einarbeiten |
| Durchlässigkeit | Gut, ohne Staunässe | Drainage verbessern, Beete leicht hochlegen |
Vor der Aussaat empfiehlt es sich, die obere Bodenschicht feinkrümelig zu lockern, etwa mit einer Harke. Anis benötigt keinen besonders nährstoffreichen Boden – zu viel Stickstoff führt eher zu mastigem Blattwuchs und weniger intensiven Samen. Eine maßvolle Kompostgabe zur Grundverbesserung ist jedoch sinnvoll, vor allem bei mageren, sandigen Böden.
Eine sinnvolle Vorbereitung umfasst auch die Planung der Beetstruktur. Es kann hilfreich sein, die Reihen schon vor der Aussaat flach zu ziehen und eventuell Markiersaat (z. B. schnell auflaufenden Kopfsalat in geringer Menge) mit einzubringen, um die Reihen früh zu erkennen. So lassen sich Beikräuter später leichter und gezielter entfernen.

Anis aussäen: Der richtige Zeitpunkt und Abstand
Anis wird in der Regel direkt ins Freiland gesät, da die Pflanze das Pikieren und Umsetzen schlecht verträgt. Der optimale Zeitpunkt für die Aussaat liegt – je nach Region – zwischen Mitte April und Anfang Mai, sobald keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind und der Boden sich leicht erwärmt hat. In sehr milden Lagen ist eine etwas frühere Aussaat möglich, in kühleren Gegenden kann es sinnvoll sein, eher Ende April oder Anfang Mai zu beginnen.
Die Samen werden flach in Reihen ausgesät. Eine Saattiefe von etwa 1–2 cm reicht vollkommen aus, da Anissamen zu tief gelegt schlecht keimen. Nach der Aussaat wird der Boden vorsichtig angedrückt, etwa mit der Harke oder einem Brett, um den Bodenschluss zu sichern. Anschließend sollten die Reihen vorsichtig angegossen werden, ohne die Samen freizuspülen.
Folgende Abstände haben sich im Hausgarten bewährt:
- Reihenabstand: 25–30 cm, damit Luft zirkulieren kann und das Jäten möglich bleibt
- Abstand in der Reihe: 10–15 cm nach dem Vereinzeln
- Saattiefe: 1–2 cm
- Saatmenge: eher sparsam, da zu dichte Bestände anfällig für Pilzkrankheiten sind
Zur besseren Orientierung finden Sie eine kompakte Übersicht:
| Parameter | Empfehlung im Hausgarten |
|---|---|
| Aussaatzeitraum | Mitte April – Anfang/Mitte Mai |
| Saattiefe | 1–2 cm |
| Reihenabstand | 25–30 cm |
| Pflanzabstand | 10–15 cm nach dem Vereinzeln |
Sobald die Keimlinge einige Zentimeter hoch sind und das erste Blattpaar ausgebildet haben, werden zu dicht stehende Pflanzen ausgedünnt. Das Vereinzeln ist wichtig, damit sich kräftige, standfeste Exemplare entwickeln können. Ausgezupfte Pflänzchen sind meist noch zu klein zur Nutzung und werden kompostiert.
Pflege im Jahresverlauf: Gießen, Lockern, Mulchen
Die Pflege von Anis ist vergleichsweise unkompliziert, sofern die Grundbedingungen stimmen. In der Jugendphase nach der Keimung ist allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit gefragt. Die jungen Pflänzchen reagieren empfindlich auf starken Unkrautdruck und unregelmäßige Wasserversorgung. Wer in den ersten Wochen sorgfältig hackt und gießt, wird später mit robusten Beständen belohnt.
Beim Gießen gilt: lieber seltener, aber durchdringend wässern, statt häufig nur oberflächlich zu benetzen. Der Boden sollte gleichmäßig leicht feucht bleiben, insbesondere bis zur sicheren Etablierung der Pflanzen und während der Blüte und Samenbildung. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. In Trockenperioden sind ein- bis zweimal pro Woche gründliche Wassergaben besser als tägliches „Angießen“.
Regelmäßiges Lockern der Bodenoberfläche zwischen den Reihen verbessert die Belüftung der Wurzeln und unterdrückt gleichzeitig auflaufende Beikräuter. Flache Hackarbeit nach Regenfällen verhindert zudem die Bildung einer verschlämmten Kruste, die den Gasaustausch im Boden behindert. Wichtig ist, dabei vorsichtig zu arbeiten, um die noch relativ flachen Wurzeln nicht zu verletzen.
Mulchen kann bei Anis hilfreich sein, wenn es maßvoll eingesetzt wird. Eine dünne Schicht aus feinem Rasenschnitt (angetrocknet), gehäckseltem Stroh oder Laub hält die Feuchtigkeit im Boden und reduziert den Unkrautwuchs. Mulch sollte aber erst ausgebracht werden, wenn die Pflanzen schon etwas größer und gut erkennbar sind, damit sie nicht unterdrückt werden und die Bodenerwärmung im Frühjahr nicht unnötig verzögert wird.
Nährstoffversorgung: Düngen von Anis im Hausgarten
Anis gehört zu den eher schwach zehrenden Kulturen und benötigt daher keine üppige Düngung. Eine moderate Grundversorgung reicht völlig aus, um kräftige Pflanzen und aromatische Samen zu erhalten. Zu hohe Nährstoffgaben, vor allem an Stickstoff, führen zu übermäßigem Blattwachstum, verzögerter Reife und oft auch zu einem weniger intensiven Aroma.
Bereits bei der Bodenvorbereitung im Frühjahr kann eine dünne Schicht reifer Kompost (etwa 2–3 l/m²) eingearbeitet werden. Dies verbessert sowohl die Struktur als auch den Humusgehalt des Bodens und stellt eine milde, langfristige Nährstoffquelle dar. Auf frischen Stallmist oder sehr stark stickstoffhaltige Dünger sollte man im direkten Vorfeld der Aussaat verzichten.
Orientierung bietet die folgende Tabelle:
| Nährstoff | Bedarf von Anis | Empfehlung im Hausgarten |
|---|---|---|
| Stickstoff (N) | gering–mittel | Max. leichte Kompostgabe, keine starken N-Dünger |
| Phosphor (P) | gering–mittel | Meist über Kompost abgedeckt, selten Extra-Düngung |
| Kalium (K) | mittel | Bei sehr sandigen Böden ggf. etwas Patentkali o.ä. |
| Spurenelemente | gering, unspezifisch | Durch humusreiche Böden ausreichend abgedeckt |
Im Laufe der Kultur ist in der Regel keine weitere Düngung nötig. Nur bei sehr mageren Standorten oder sichtbar kümmerlichem Wuchs kann im Frühsommer leicht nachgeholfen werden, z. B. mit einer stark verdünnten organischen Flüssigdüngung (Brennnesseljauche, organischer Kräuterdünger) in niedriger Dosierung. Dabei ist Zurückhaltung wichtiger als Großzügigkeit.
Besonders wichtig ist es, auf eine ausgewogene Nährstoffbilanz im gesamten Garten zu achten. Wer im Wechsel stark zehrende Kulturen (z. B. Kohl) und schwach zehrende wie Anis anbaut, verhindert Überdüngung und nutzt vorhandene Ressourcen optimal. Eine regelmäßige Kompostwirtschaft im Garten ist die nachhaltig beste Grundlage für gesunde Anisbestände ohne großen Düngeaufwand.

Krankheiten und Schädlinge frühzeitig erkennen
Anis ist im Vergleich zu vielen Gemüsekulturen relativ robust, kann aber dennoch von einigen Krankheiten und Schädlingen betroffen werden. Besonders in feuchten, dichten Beständen mit wenig Luftbewegung treten Pilzkrankheiten vermehrt auf. Vorbeugung durch gute Kulturführung ist daher das wichtigste „Pflanzenschutzmittel“ im Hausgarten.
Zu den häufigsten Problemen zählen Blattfleckenkrankheiten und Mehltau. Blattflecken äußern sich durch bräunliche, oft konzentrische Flecken auf den Blättern; Mehltau zeigt sich als weißlicher Belag auf Blattober- oder -unterseiten. In beiden Fällen hilft es, betroffene Pflanzenteile frühzeitig zu entfernen und über den Restmüll zu entsorgen, nicht über den Kompost. Zudem sollte man auf weite Pflanzabstände und trocken abtrocknendes Laub achten.
Bei Schädlingen sind vor allem Blattläuse mögliche Besucher, die an Trieben und Blütenständen saugen. Ein leichter Befall lässt sich gut mechanisch bekämpfen, indem die Pflanzen mit einem kräftigen Wasserstrahl abgespritzt werden. Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen sind wertvolle Verbündete und sollten durch einen naturnahen Garten gefördert werden. Chemische Mittel sind im Hausgarten für Anis in der Regel unnötig.
Vorbeugend wirken Fruchtfolge, gesunde Böden und die Vermeidung von Staunässe. Anis sollte nicht zu dicht gesät und regelmäßig ausgedünnt werden, damit die Pflanzen gut abtrocknen können. Auch der Anbau in Mischkultur, etwa mit Zwiebeln, Salaten oder Ringelblumen, kann das Krankheitsrisiko senken. Wer befallene Pflanzenreste nach der Ernte konsequent entfernt, reduziert das Risiko eines Wiederauftretens im Folgejahr.
Anis ernten: Reifezeitpunkt und richtige Technik
Die Ernte von Anis erfordert etwas Fingerspitzengefühl, denn die Samen sollten voll ausgereift sein, bevor sie geerntet werden – aber nicht so lange an der Pflanze bleiben, dass sie von selbst ausfallen. Die Reifezeit liegt je nach Aussaattermin und Witterung in der Regel zwischen August und September. Ein Indiz für die Erntereife ist die Braunfärbung der Dolden und Samen.
Sobald die meisten Dolden bräunlich werden und die Samen fest sind, können die Pflanzen geerntet werden. Dabei schneidet man am besten ganze Stängel mit Dolden knapp über dem Boden ab. Wer zu lange wartet, riskiert Samenverluste durch Ausfall, vor allem bei windigem Wetter. Die Erntezeit kann sich über mehrere Wochen hinziehen, da nicht alle Dolden gleichzeitig reifen.
Die geernteten Stängel werden zu lockeren Bündeln zusammengefasst und kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufgehängt. Unterhängen Sie ein Tuch oder eine Schale, um herabfallende Samen aufzufangen. Alternativ können die Dolden auch auf einem Gitter oder einem sauberen Tuch ausgebreitet und regelmäßig gewendet werden, bis sie vollständig trocken sind.
Ist das Pflanzenmaterial gut durchgetrocknet, lassen sich die Samen leicht aus den Dolden ausreiben. Anschließend werden grobe Pflanzenteile und Stängelreste ausgesiebt oder mit den Händen entfernt. Je sorgfältiger Sie hier arbeiten, desto reiner ist das Endprodukt – und desto besser lässt sich der Anis später dosieren und lagern.
Anis trocknen und lagern: Aroma lange bewahren
Nach der Ernte und dem ersten Antrocknen kommt es darauf an, die Samen schonend vollständig zu trocknen. Ideal ist ein luftiger, warmer und schattiger Platz, an dem die Temperatur zwischen 20 und 30 °C liegt. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da sie wertvolle ätherische Öle und damit Aroma und Heilkraft zerstören kann.
Breiten Sie die Samen in einer dünnen Schicht auf einem sauberen Tuch, Backblech oder Dörrgitter aus und wenden Sie sie alle paar Tage. Je nach Luftfeuchtigkeit dauert die vollständige Trocknung ein bis drei Wochen. Die Samen sind trocken genug, wenn sie sich hart anfühlen und beim Zerdrücken zwischen den Fingern deutlich splittern.
Für die Lagerung eignen sich luftdichte, lichtundurchlässige Behälter besonders gut, etwa dunkle Schraubgläser oder gut schließende Dosen. Lagern Sie Ihren Anis kühl, trocken und dunkel – Speisekammer oder Küchenschrank abseits des Herdes sind ideal. Feuchtigkeit und Wärme fördern hingegen Qualitätsverlust und Schimmelbildung.
Ganz wichtig: Mahlen oder mörsern Sie Anis immer erst kurz vor der Verwendung, denn gemahlener Anis verliert sein Aroma deutlich schneller als ganze Samen. Bei guter Trocknung und sachgerechter Lagerung bleiben ganze Anissamen ein bis zwei Jahre aromatisch, oft sogar darüber hinaus, wenn die Behälter wirklich dicht schließen.
Verwendung in Küche und Hausapotheke aus dem Garten
Frisch geernteter Anis aus dem eigenen Garten ist ein kostbares Würz- und Heilmittel. In der Küche ist er vor allem für süßes Gebäck, Brot, Kuchen, Kompott und Weihnachtsgebäck bekannt. Auch in Likören, Schnäpsen und selbst angesetzten Kräuterbittern spielt Anis eine wichtige Rolle. Ganze Samen können mitgekocht oder im Mörser leicht angequetscht werden, um ihr Aroma besser freizusetzen.
Herzhafte Gerichte profitieren ebenfalls von einer dezenten Anisnote, etwa orientalische Schmorgerichte, Gemüsepfannen oder Eintöpfe mit Wurzelgemüse. Da Anis sehr intensiv schmeckt, sollte man vorsichtig dosieren und sich an den persönlichen Geschmack herantasten. Eine kleine Prise kann ein Gericht angenehm abrunden, zu viel wirkt schnell dominant.
In der Hausapotheke gilt Anis traditionell als mildes Mittel bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl. Ein einfacher Anistee wird aus leicht angestoßenen Samen und heißem Wasser bereitet, 5–10 Minuten ziehen lassen und nach Bedarf trinken. Auch bei Husten und verschleimten Atemwegen wird Anis gern in Teemischungen eingesetzt, etwa zusammen mit Fenchel und Kümmel.
Für Säuglinge und Kleinkinder wird Anis häufig in milden Teemischungen verwendet – hier sollte aber stets auf geeignete, geprüfte Teemischungen zurückgegriffen und im Zweifel der Kinderarzt konsultiert werden. Ätherisches Anisöl darf unverdünnt nicht angewendet werden. Generell gilt: Hausmittel ersetzen keine ärztliche Diagnose; bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung wichtig.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Anis im Beet
Frage 1: Kann ich Anis im Topf oder Balkonkasten anbauen?
Ja, das ist möglich, wenn der Topf groß genug ist (mindestens 20–25 cm Tiefe) und ein durchlässiges Substrat verwendet wird. Wichtig sind ein sonniger Standort, regelmäßiges, aber nicht übermäßiges Gießen und eine sparsame Düngung. Achten Sie auf eine gute Drainage im Gefäß, damit sich keine Staunässe bildet.
Frage 2: Warum keimt mein Anis schlecht?
Häufige Ursachen sind zu tiefe Aussaat, zu kalter oder zu nasser Boden sowie altes, schlecht gelagertes Saatgut. Säen Sie nur 1–2 cm tief, warten Sie mit der Aussaat, bis der Boden etwas erwärmt ist, und verwenden Sie möglichst frischen Samen. Ein feinkrümeliger, lockerer Boden verbessert ebenfalls die Keimbedingungen.
Frage 3: Kann ich Anis neben Möhren, Dill oder Fenchel pflanzen?
Besser nicht. All diese Pflanzen gehören wie Anis zu den Doldenblütlern und können ähnliche Krankheiten und Schädlinge begünstigen. Zudem können sie sich gegenseitig im Wachstum beeinträchtigen. Planen Sie daher einen gewissen Abstand oder bauen Sie sie in unterschiedlichen Jahren oder Beeten an.
Frage 4: Woran erkenne ich, dass die Samen wirklich erntereif sind?
Die Dolden verfärben sich bräunlich, die Samen sind fest, hart und haben ihre typische anisartige Färbung angenommen. Reibt man vorsichtig an einer Dolde, lösen sich die Samen relativ leicht. Warten Sie nicht, bis alle Dolden vollständig braun sind, sonst fällt ein Teil der Samen aus.
Frage 5: Wie lange sind getrocknete Anissamen haltbar?
Bei trockener, kühler und dunkler Lagerung in gut verschlossenen Gefäßen bleiben ganze Samen mindestens ein bis zwei Jahre aromatisch. Mit der Zeit nimmt das Aroma etwas ab; gesundheitlich bedenklich ist das in der Regel nicht, sofern die Samen nicht muffig riechen oder sichtbar verschimmelt sind.
Frage 6: Muss ich Anis im Winter schützen oder abdecken?
Nein, Anis ist einjährig und stirbt nach der Samenreife ab. Ein Winterschutz ist daher nicht notwendig. Stattdessen planen Sie die Aussaat im nächsten Frühjahr neu. Wenn Sie einige Samen an der Pflanze belassen, kann sich Anis in milden Lagen gelegentlich auch selbst versamen.
Frage 7: Verträgt Anis organische Jauchen (z. B. Brennnessel)?
In stark verdünnter Form (etwa 1:20 mit Wasser) und sparsam angewendet ja. Übertreiben Sie es jedoch nicht, da zu viel Stickstoff zu mastigem Wuchs und aromaarmen Samen führt. Ein bis zwei leichte Gaben im Frühsommer reichen auf mageren Böden meist völlig aus.
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Anis im eigenen Garten anzubauen ist mit etwas Planung und Aufmerksamkeit überraschend einfach und lohnend. Von der Wahl eines warmen, sonnigen Standorts über die sorgfältige Bodenvorbereitung und die gezielte Aussaat bis hin zu maßvoller Pflege und rechtzeitiger Ernte: Wer die Bedürfnisse dieser aromatischen Pflanze kennt, wird mit einer reichen Ausbeute an duftenden Samen belohnt.
Ob als feines Gewürz in Brot und Gebäck, als Zutat für Liköre oder als Bestandteil wohltuender Teemischungen – selbst angebauter Anis bereichert Küche und Hausapotheke gleichermaßen. Gleichzeitig fördert der Anbau die Artenvielfalt im Garten, denn die Blüten sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten.
Mit jedem Anisjahr im Beet sammeln Sie neue Erfahrungen und können Standort, Aussaatzeit und Pflege immer besser auf Ihre Bedingungen abstimmen. So entsteht Schritt für Schritt ein kleiner, aber feiner Gewürzgarten, der nicht nur gut duftet, sondern auch ein Stück gärtnerische Unabhängigkeit schenkt.
