Rhizoctonia solani zählt zu den wichtigsten bodenbürtigen Krankheitserregern im Zuckerrübenanbau. Die durch ihn ausgelöste Rübenfäule kann erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen und stellt Betriebe vor große pflanzenbauliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Umso entscheidender ist es, die Biologie des Pilzes, seine Infektionswege sowie die wichtigsten Einflussfaktoren im Bestand gut zu verstehen. Nur so lassen sich wirkungsvolle Vorbeuge- und Bekämpfungsstrategien entwickeln, die langfristig tragen.
Ein alleiniger „Wundermittel“-Ansatz existiert bei Rhizoctonia nicht – gefragt ist ein integratives Vorgehen, das Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Saatgutbeizung, Feldhygiene und bei Bedarf auch chemische Maßnahmen sinnvoll kombiniert. Dieser Beitrag beleuchtet Schritt für Schritt, wie Rhizoctonia an Zuckerrüben auftritt, welche Bedingungen die Krankheit fördern und wie sich Bestände nachhaltig schützen lassen. Dabei werden praxisnahe Hinweise gegeben, die sich sowohl für konventionell als auch für integriert wirtschaftende Betriebe eignen.
Gerade in Jahren mit warmer, feuchter Witterung im Sommer und bei verdichteten, schlecht drainierten Böden kann die Krankheit regelrecht explodieren. Frühzeitiges Erkennen der Symptome und konsequentes Handeln sind dann entscheidend, um Schäden zu begrenzen. Gleichzeitig gilt: Jeder Betrieb hat andere Standort- und Bewirtschaftungsbedingungen – mit etwas Know-how lassen sich die allgemeinen Empfehlungen gut an die eigene Situation anpassen.
Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte von der Biologie des Erregers bis hin zur integrierten Bekämpfung systematisch aufbereitet. Tabellen, Listen und praxisnahe Beispiele erleichtern den Überblick und helfen, geeignete Maßnahmen gezielt auszuwählen und zu kombinieren.
Rhizoctonia an Zuckerrüben: Erreger und Symptome
Rhizoctonia solani ist ein bodenbürtiger Pilz, der weltweit verbreitet ist und ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum besitzt. Im Zuckerrübenanbau führt er zur sogenannten Rhizoctonia-Rübenfäule, die vor allem in warmen Regionen und auf schweren, schlecht durchlüfteten Böden Probleme bereitet. Der Erreger überdauert im Boden in Form von widerstandsfähigen Myzelstrukturen und Sklerotien über viele Jahre, selbst wenn keine Wirtspflanze auf dem Feld steht. Das macht ihn zu einem typischen, schwer zu kontrollierenden Dauerschädling.
An Zuckerrüben befällt Rhizoctonia überwiegend die Wurzel und den Wurzelhals. Dabei zerstört der Pilz das Leitgewebe, stört Wasser- und Nährstofftransport und führt so zu Welkeerscheinungen und Absterben einzelner Pflanzen oder ganzer Nester. Oft beginnt der Befall lokal in Mulden, Kopf- und Senkenlagen, wo Böden länger feucht bleiben. Von dort aus kann sich der Pilz im Bestand ausbreiten, insbesondere wenn der Boden stark mit Rhizoctonia belastet ist.
Typische Symptome sind zunächst dunkelbraune, eingesunkene Läsionen am Wurzelhals, die sich später ringförmig um die Rübe ziehen können. Das Gewebe wirkt nassfauI, schlierig und zeigt häufig eine klare Abgrenzung zum gesunden, weißen Rübengewebe. Im späteren Verlauf trocknet die Fäule ein, die Rüben werden speckig, mumifizieren teilweise und sind bei der Ernte stark verformt. Im Bestand fallen lückige Reihen, Welke bei Sonneneinstrahlung und abgestorbene Pflanzen auf.
Neben den direkten Ertragsverlusten durch abgestorbene Pflanzen verschlechtert Rhizoctonia auch die Qualität der verbleibenden Rüben. Faulstellen und Verformungen erschweren die maschinelle Ernte und Reinigung, erhöhen den Erdanhang und wirken sich negativ auf Lagerfähigkeit und Verarbeitung aus. Zudem steigt das Risiko für Sekundärinfektionen durch andere Fäulniserreger. Für den wirtschaftlichen Erfolg sind deshalb sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch ein gutes Monitoring im Pflanzenbestand unverzichtbar.
Infektionswege verstehen: So gelangt Pilz in den Boden
Rhizoctonia solani ist in vielen Ackerböden bereits latent vorhanden. Der Erreger kann aber auch über verschiedene Wege neu eingeschleppt oder in seiner Populationsdichte stark erhöht werden. Ein besseres Verständnis der Infektionswege ist Grundlage dafür, die wichtigsten Übertragungsquellen zu erkennen und gezielt einzuschrächen.
Zentrale Eintrags- und Vermehrungswege von Rhizoctonia in Ackerböden sind unter anderem:
- Infizierte Erntereste (z.B. Maisstoppeln, Rübenreste)
- Befallenes Pflanz- oder Saatgut anderer Kulturen
- Bodenverschleppung über Maschinen, Reifen und Ernteketten
- Oberflächenwasser und Erosion (Abschwemmung von Boden)
- Organische Düngemittel mit Boden- oder Pflanzenanhaftungen
Insbesondere der Maisanbau spielt als Wirtspflanze eine große Rolle in der Erregervermehrung. Maisstoppeln, Wurzeln und Erntereste können stark mit Rhizoctonia besiedelt sein und stellen eine Art „Brutlager“ für folgenden Rübenanbau dar. Wird Mais oft und ohne ausreichende Anbaupause in der Fruchtfolge geführt, können sich die Pilzpopulationen im Boden massiv aufbauen. Auch andere Kulturen wie Kartoffeln oder bestimmte Gemüsekulturen können zur Vermehrung beitragen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Eintrags- und Vermehrungsquellen sowie mögliche Maßnahmen zu deren Begrenzung:
| Eintrags-/Vermehrungsquelle | Erläuterung | Mögliche Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Erntereste von Mais und Rüben | Starker Befall, Überdauerung im Boden | Gründliche Zerkleinerung, tiefes Einarbeiten, Fruchtfolgeanpassung |
| Bodenverschleppung mit Maschinen | Anhaftender Boden an Reifen und Geräten | Reinigung vor Feldwechsel, Fahrspuren begrenzen |
| Organische Düngemittel | Anhaftende Erde und Pflanzenreste | Herkunft prüfen, bei hohem Risiko vermeiden |
| Oberflächenwasser / Erosion | Abschwemmung befallener Bodenpartikel | Erosionsschutz, Begrünung, angepasste Bodenbearbeitung |
Wer weiß, wie der Erreger in den Schlag gelangt und sich dort hält, kann gezielt ansetzen: Maschinenhygiene, Fruchtfolgeplanung, Erosionsschutz und ein bewusster Umgang mit Ernteresten gehören deshalb zu den wichtigsten Bausteinen der Vorbeugung. Langfristig lässt sich die Erregerdichte im Boden nur senken, wenn mehrere dieser Stellschrauben konsequent bedient werden.
Standort- und Bodenfaktoren, die Rübenfäule begünstigen
Ob und in welchem Ausmaß Rhizoctonia an Zuckerrüben Schäden verursacht, hängt stark von den Standort- und Bodenverhältnissen ab. Der Pilz bevorzugt warme, eher feuchte Böden, in denen Sauerstoffmangel und Verdichtungen auftreten. Besonders gefährdet sind schwere Lehm- und Tonböden mit schlechter Struktur, mangelnder Drainage oder Staunässe. In solchen Situationen kann der Erreger im Sommer rasch aktiv werden und großflächige Fäulnisherde auslösen.
Stauende Nässe im Wurzelbereich schwächt die Pflanzen und führt zu Sauerstoffmangel – dies begünstigt die Infektion und das Vordringen des Pilzes ins Rübengewebe. Auch wiederkehrende Überflutungsereignisse oder sehr hohe Grundwasserstände erhöhen das Risiko. Umgekehrt kann ein gut strukturiertes, krümeliges Bodenprofil mit ausreichender Durchlüftung und tragfähiger Wasserführung den Infektionsdruck deutlich mindern.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Bodentemperatur. Rhizoctonia zeigt seine stärkste Aktivität in einem Bereich von etwa 15–25 °C, häufig also zur Hauptwachstumszeit der Rüben im Frühsommer bis Spätsommer. Tritt in dieser Phase gleichzeitig Trockenstress im Oberboden mit stauender Feuchte in tieferen Schichten auf, ist das Risiko besonders hoch. Hinzu kommt, dass geschwächte, unterernährte oder durch Nährstoffungleichgewichte belastete Pflanzen anfälliger für Infektionen sind.
In der Praxis lohnt es sich, Problemflächen genau zu kennen: Senken, Kopf- und Keillagen, Übergänge zwischen Bodenarten sowie Flächen mit bekannter Verdichtung oder Staunässe sollten besonders aufmerksam überwacht werden. Bodenuntersuchungen, Spatenproben und die Beobachtung der Wasserführung nach starken Niederschlägen geben wertvolle Hinweise, wo strukturelle Verbesserungen oder Drainagemaßnahmen am dringendsten sind.
Vorbeugung durch Fruchtfolge und Anbaupausen planen
Eine durchdachte Fruchtfolge ist einer der wirksamsten Hebel, um Rhizoctonia langfristig in Schach zu halten. Da der Pilz ein breites Wirtsspektrum hat, geht es weniger um eine „Nichtwirt-Monokultur“ als um die gezielte Reduzierung stark anfälliger Kulturen und das Einbauen von Anbaupausen. Insbesondere häufige Mais-Rüben-Abfolgen sind problematisch, weil sowohl Mais als auch Zuckerrüben dem Erreger hervorragende Vermehrungsmöglichkeiten bieten.
Zwischen zwei Zuckerrübenkulturen sollte möglichst eine Anbaupause von mindestens drei, besser vier Jahren eingehalten werden. In dieser Zeit sollten Kulturen gewählt werden, die Rhizoctonia nur gering oder gar nicht fördern, etwa bestimmte Getreidearten. Je intensiver die Rübenfruchtfolge ist und je öfter gleichzeitig Mais im System vorkommt, desto höher wird typischerweise die Erregerdichte im Boden. Langfristige Fruchtfolgeplanung lohnt sich also sowohl pflanzenbaulich als auch ökonomisch.
Neben der reinen Abfolge der Kulturen spielt auch deren Management eine Rolle. Erntereste von Mais und anderen Wirtspflanzen sollten möglichst gut zerkleinert und so eingearbeitet werden, dass sie rasch verrotten. Zwischenfrüchte können helfen, die Bodenstruktur zu verbessern, organische Masse aufzubauen und Erosion zu mindern – sie sollten aber hinsichtlich ihrer Eignung als Wirt für Rhizoctonia geprüft werden.
In der Beratungspraxis haben sich einfache Fruchtfolge-Schemata bewährt, die für jeden Betrieb angepasst werden können. Wer betriebsindividuelle Schläge mit hohem Rhizoctoniarisiko identifiziert (z.B. nach wiederholt starkem Befall), kann diese Flächen gezielt aus der Rübenproduktion nehmen oder nur noch mit besonders toleranten Sorten und erweiterten Maßnahmen bestellen. So lässt sich eine schleichende Verschlechterung des gesamten Flächenbestands vermeiden.
Bodenbearbeitung, Drainage und Kalkung gezielt nutzen
Bodenbearbeitung und Wasserhaushalt sind zentrale Stellschrauben im Umgang mit Rhizoctonia. Ziel aller Maßnahmen ist ein gut strukturierter, ausreichend durchlüfteter Boden ohne Staunässe und scharfe Verdichtungshorizonte. Je besser sich das Wurzelsystem der Rüben in die Tiefe entwickeln kann, desto widerstandsfähiger sind die Pflanzen gegenüber Wurzelfäulen. Verdichtungen durch Überfahrten bei nassem Boden oder zu schwere Technik sollten deshalb konsequent vermieden werden.
Eine angepasste, möglichst bodenschonende Bodenbearbeitung kann helfen, Verdichtungen zu beseitigen und gleichzeitig die Bodenstruktur aufzubauen. Tiefenlockerungsmaßnahmen sind vor allem dort sinnvoll, wo Staunässe und Verdichtungshorizonte bekannt sind. Wichtig ist, dass die Lockerung bei ausreichend trockenem Boden erfolgt, damit sich tatsächlich stabile Krümelstrukturen ausbilden können. Auch eine reduzierte Bearbeitung mit Erhalt von Pflanzenresten an der Oberfläche kann positive Effekte bringen, muss aber mit Blick auf Rhizoctonia und andere Krankheiten sorgfältig abgewogen werden.
Drainagesysteme, offene Gräben und eine kluge Feldgestaltung (z.B. Vermeidung von Wasser sammelnden Senken) sind langfristige Investitionen, die sich insbesondere auf schweren Böden auszahlen. Wo natürliche oder künstliche Drainage fehlt, besteht ein deutlich höheres Risiko für Staunässe und damit für Rhizoctonia. Gleichzeitig sollte der Kalkzustand des Bodens nicht vernachlässigt werden: Ein ausgewogener pH-Wert fördert die Bodenbiologie und damit auch konkurrenzfähige Mikroorganismen, die den Pilz unterdrücken können.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie verschiedene Maßnahmen der Bodenbearbeitung und Standortsanierung zur Reduzierung des Rhizoctoniarisikos beitragen können:
| Maßnahme | Ziel / Wirkung | Beitrag zur Rhizoctonia-Prophylaxe |
|---|---|---|
| Tiefenlockerung | Beseitigung von Verdichtungen | Bessere Durchlüftung, weniger Staunässe, kräftige Wurzeln |
| Anlage / Instandhaltung Drainage | Abführung überschüssigen Wassers | Reduzierung von stauender Nässe |
| Kalkung nach Bedarf | Optimierung des pH-Werts | Förderung der Bodenbiologie, bessere Nährstoffverfügbarkeit |
| Schonende Bearbeitung | Erhalt der Bodenstruktur | Stabilere Krümelstruktur, geringere Erosionsgefahr |
Kombiniert eingesetzt, können diese Maßnahmen die Anfälligkeit eines Schlages deutlich senken. Wichtig ist aber, die Reihenfolge und Intensität an die betrieblichen Möglichkeiten und die spezifische Schlaggeschichte anzupassen. Ein einmalig „kaputtgefahrener“ Boden bleibt oft lange ein Problemstandort – vorbeugender Bodenschutz ist daher immer günstiger als spätere Reparaturmaßnahmen.
Gesunde Saatgutwahl und Beizmittel richtig einsetzen
Die Wahl geeigneter Zuckerrübensorten bildet ein wichtiges Fundament im Umgang mit Rhizoctonia. Zwar existieren bislang keine vollständig resistenten Sorten, doch weisen manche Züchtungen eine deutlich höhere Toleranz gegenüber Rhizoctonia-Rübenfäule auf. Der Anbau solcher Sorten ist insbesondere auf bekannten Befallsflächen oder in Regionen mit hohem Grundrisiko sinnvoll. Sorteninformationen der Züchter und unabhängige Sortenversuche geben Hinweise auf das Toleranzniveau.
Ebenso bedeutsam ist die Entscheidung für hochwertiges, gesundes Saatgut. Zertifiziertes Saatgut mit guten Keimfähigkeitswerten und ohne erkennbare Schädigungen minimiert das Risiko von Auflaufproblemen und frühen Wurzelinfektionen. Schwache, langsam auflaufende Bestände sind wesentlich anfälliger gegenüber bodenbürtigen Pathogenen. Deshalb sollten neben der Sorte auch Saatbettbereitung, Aussaattermin und -tiefe darauf ausgerichtet sein, einen zügigen, gleichmäßigen Feldaufgang zu gewährleisten.
Saatgutbeizen mit fungizider Wirkung können helfen, frühe Infektionen zu unterdrücken und den Pflanzen einen gesunden Start zu ermöglichen. Sie ersetzen jedoch keine standortangepasste Fruchtfolge und Bodenpflege. Die Wirksamkeit bestimmter Beizmittel gegen Rhizoctonia kann je nach Produkt und Zulassung unterschiedlich sein; hier ist eine sorgfältige Abstimmung mit der Beratung und die Beachtung der aktuellen Zulassungssituation entscheidend. Zudem muss darauf geachtet werden, nicht unnötig selektiven Druck auf andere Bodenpilze auszuüben.
Letztlich ist die Saatgutstrategie immer Teil eines Gesamtkonzepts: Tolerante Sorten, gesundes Saatgut, geeignete Beizung und eine sorgfältige Aussaattechnik wirken am besten in Kombination mit strukturstabilen Böden, sinnvoller Fruchtfolge und guter Feldhygiene. Betriebe, die wiederholt Probleme mit Rhizoctonia haben, sollten in enger Abstimmung mit Beratern und Züchtern prüfen, welche Sorten und Beizmittel im regionalen Umfeld die besten Ergebnisse bringen.
Feldhygiene, Erntereste und Unkraut konsequent managen
Eine oft unterschätzte Stellschraube im Rhizoctonia-Management ist die Feldhygiene. Erntereste von Mais, Zuckerrüben und anderen Wirtspflanzen dienen dem Pilz als Nahrungsquelle und Überwinterungsort. Je länger und je großvolumiger diese Rückstände im Boden verbleiben, desto besser kann sich der Erreger vermehren und überdauern. Ziel ist deshalb, Erntereste möglichst gut zu zerkleinern und so einzumischen, dass eine rasche Zersetzung stattfindet.
Ein gezieltes Stroh- und Ernterestmanagement beginnt bereits bei der Ernte: Häcksellänge, Verteilung und die anschließende Bodenbearbeitung bestimmen, wie schnell Pflanzenreste verrotten. Wo große Mengen infizierten Materials anfallen, kann auch eine teilweise Abfuhr sinnvoll sein, sofern das logistisches und wirtschaftlich vertretbar ist. Im Zweifelsfall sollten stark befallene Rüben oder Maisstoppeln nicht unnötig über den Betrieb verstreut werden, um eine Verschleppung in gesunde Schläge zu vermeiden.
Auch Unkräuter und Ausfallpflanzen können zur Erregererhaltung beitragen, wenn sie als alternative Wirtspflanzen dienen oder die Mikroklimabedingungen im Bestand beeinflussen. Dichte Unkrautdecken führen häufig zu höherer Bodenfeuchte und schlechter Durchlüftung im Wurzelbereich, was Rhizoctonia zugutekommt. Eine konsequente, aber bodenschonende Unkrautregulierung – mechanisch oder chemisch, je nach System – trägt daher indirekt zur Reduzierung des Krankheitsrisikos bei.
Nicht zu unterschätzen ist schließlich die Hygiene von Geräten und Transportfahrzeugen: Anhaftender Boden kann erhebliche Mengen an Rhizoctonia-Sklerotien enthalten. Besonders problematisch ist dies, wenn stark belastete Schläge direkt nach schwach oder nicht belasteten Flächen befahren werden. Eine einfache Reinigung mit Schaber und Bürste, gegebenenfalls ergänzt durch Wasser, kann hier schon viel bewirken und sollte vor allem beim Wechsel zwischen Betrieben Standard sein.
Chemische Bekämpfung: Fungizide sinnvoll auswählen
Im Vergleich zu Blattkrankheiten stehen für bodenbürtige Erreger wie Rhizoctonia deutlich weniger direkte chemische Bekämpfungsmöglichkeiten zur Verfügung. Fungizide, die gegen Rhizoctonia im Zuckerrübenanbau zugelassen sind, wirken oftmals nur begrenzt und stark abhängig von Anwendungstermin, Bodenfeuchte und Befallsdruck. Sie können ein Baustein im Gesamtkonzept sein, ersetzen jedoch keinesfalls vorbeugende Maßnahmen wie Fruchtfolge, Bodenverbesserung und Sortenwahl.
Bei der Auswahl geeigneter Präparate sind stets die aktuelle Zulassungssituation, Auflagen sowie Hinweise aus der amtlichen und privaten Beratung zu berücksichtigen. Oft kommen Beizen oder in den Boden eingearbeitete Produkte zum Einsatz, die den Erreger im unmittelbaren Wurzelraum der Rüben hemmen sollen. Ihre Wirkung ist in der Regel zeitlich begrenzt, weshalb sie vor allem in der frühen Entwicklungsphase der Kultur Schutz bieten. Ein hoher Grundbefall im Boden lässt sich allein damit nicht nachhaltig abbauen.
Besondere Sorgfalt ist beim Resistenzmanagement geboten. Bodenschadpilze reagieren mittelfristig auch auf wiederholte Fungizidapplikationen mit Anpassungen. Wird immer wieder derselbe Wirkstoff oder dieselbe Wirkstoffgruppe eingesetzt, steigt das Risiko für Resistenzentwicklungen. Darum sollten, wo möglich, unterschiedliche Wirkmechanismen eingesetzt und der chemische Pflanzenschutz nur in ein ansonsten vielfältiges Maßnahmenbündel eingebettet werden.
Zu beachten sind außerdem mögliche Auswirkungen auf Nichtzielorganismen und die Bodenbiologie. Einige Wirkstoffe können beispielsweise nützliche Bodenpilze oder Bakterien beeinträchtigen, die wiederum in Konkurrenz zu Rhizoctonia stehen. Ein übermäßiger oder unpassender Einsatz von Fungiziden kann daher das Gleichgewicht im Boden stören und langfristig sogar kontraproduktiv wirken. Eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken und die Orientierung an Schadschwellen, soweit verfügbar, sind daher essenziell.
Integrierte Strategien: Maßnahmen erfolgreich kombinieren
Wirksames Rhizoctonia-Management basiert nie auf einer Einzelmaßnahme, sondern immer auf einem integrativen Ansatz. Die Kombination aus standortangepasster Fruchtfolge, solider Bodenstruktur, tolerantem Sortenmaterial, angepasstem Saatgut- und Ernterestmanagement sowie – falls nötig – selektivem Fungizideinsatz bietet die besten Erfolgsaussichten. Jede Maßnahme für sich genommen reduziert den Druck ein wenig; zusammengefasst entsteht daraus ein robustes System, das auch in Befallsjahren tragfähig bleibt.
Ein praktischer Ansatz besteht darin, Schläge hinsichtlich ihres Rhizoctoniarisikos zu klassifizieren (z.B. gering, mittel, hoch). Auf Flächen mit hohem Risiko wird das gesamte Maßnahmenpaket konsequent umgesetzt: Erweiterte Fruchtfolge mit reduzierter Maisintensität, tiefenwirksame Bodenlockerung, Drainageverbesserung, tolerante Rübensorten, gezielte Saatgutbeizung und strikte Feldhygiene. Auf Flächen mit geringem Risiko kann man Teile des Programms abschwächen, behält aber das Monitoring im Blick, um bei ersten Anzeichen schnell reagieren zu können.
Wesentlich ist, dass die Maßnahmen gut in die betrieblichen Abläufe passen und wirtschaftlich vertretbar bleiben. Viele Strategien – etwa eine verbesserte Bodenstruktur, optimierte Drainage oder gezielte Kalkung – bringen nicht nur Vorteile im Hinblick auf Rhizoctonia, sondern wirken sich auch positiv auf Ertragssicherheit, Bearbeitbarkeit des Bodens und Nährstoffeffizienz anderer Kulturen aus. Insofern ist Rhizoctonia-Management oft gleichbedeutend mit einer allgemeinen pflanzenbaulichen Optimierung.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Betriebe, die langfristig in Fruchtfolge, Bodenpflege und Sortenwahl investieren, deutlich weniger von massiven Rübenfäulnisproblemen betroffen sind. Kurzfristige „Schnellschüsse“ – etwa alleinige Fungizidmaßnahmen – bringen selten dauerhaften Erfolg. Ein offener Austausch mit Beratung, Nachbarbetrieben und Versuchswesen hilft, erfolgreiche Strategiekombinationen zu identifizieren und an die eigenen Verhältnisse anzupassen.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Rhizoctonia
Zum Abschluss folgen kompakte Antworten auf häufige Praxisfragen. Die wichtigsten Punkte aus den vorangegangenen Kapiteln werden damit noch einmal zugespitzt – als schnelle Orientierungshilfe für die Planung auf dem Betrieb.
1. Woran erkenne ich Rhizoctonia-Rübenfäule im Feld?
Typisch sind dunkelbraune, ringförmig eingesunkene Fäulnisstellen am Wurzelhals, die sich deutlich vom gesunden, weißen Gewebe abgrenzen. Im Bestand fallen Welke bei Sonneneinstrahlung, abgestorbene Pflanzen und lückige Reihen auf, häufig nesterweise in Senken oder verdichteten Bereichen.
2. Welche Rolle spielt Mais in der Fruchtfolge?
Mais ist ein wichtiger Wirt für Rhizoctonia. Starke Befälle im Mais hinterlassen hochinfizierte Erntereste und Böden, die im anschließenden Rübenanbau für massiven Fäulnisdruck sorgen können. Häufige Mais-Rüben-Abfolgen ohne Anbaupause erhöhen die Erregerdichte deutlich. Eine Reduktion der Maisintensität oder das Einfügen weiterer Kulturen ist daher ein zentraler Baustein der Prophylaxe. 🌽
3. Gibt es resistente Zuckerrübensorten?
Vollständig resistente Sorten stehen derzeit nicht zur Verfügung, es gibt jedoch Sorten mit erhöhter Toleranz gegenüber Rhizoctonia. Auf bekannten Problemflächen sollten bevorzugt solche Toleranzsorten angebaut werden. Die Einstufungen finden sich in Sortenlisten, Ergebnissen von Landessortenversuchen und in Unterlagen der Züchter. 🌱
4. Können Fungizide Rhizoctonia dauerhaft lösen?
Fungizide können den Befall begrenzen, insbesondere im frühen Stadium, sind aber kein Allheilmittel. Ohne begleitende Maßnahmen – Fruchtfolge, Bodenstrukturverbesserung, Drainage, Feldhygiene – bleibt das Problem langfristig bestehen. Fungizide sollten daher immer nur ein Baustein in einem integrierten Konzept sein und sorgfältig nach Zulassung und Beratung ausgewählt werden. 💊
5. Wie kann ich Problemflächen im Betrieb gezielt managen?
Zunächst sollten diese Flächen eindeutig identifiziert und kartiert werden (z.B. per Ernte- und Befallskarten). Anschließend können sie differenziert bewirtschaftet werden: längere Rübenpausen, weniger Mais, zusätzliche Bodenlockerung, verbesserte Drainage, strengere Maschinenhygiene und der Einsatz besonders toleranter Sorten. Im Extremfall kann eine vorübergehende Herausnahme aus dem Rübenanbau sinnvoll sein. 🗺️
6. Lohnt sich der Aufwand für Drainage- und Bodenstrukturmaßnahmen wirklich?
Auf gefährdeten Standorten ist die Antwort in aller Regel „ja“. Eine gute Wasserabführung und stabile Bodenstruktur mindern nicht nur das Rhizoctoniarisiko, sondern verbessern Erträge, Arbeitserledigung und Befahrbarkeit in allen Kulturen. Investitionen in Drainage und Bodenpflege zahlen sich mittel- bis langfristig betriebswirtschaftlich aus – und machen das Anbausystem insgesamt resilienter. 💧
Rhizoctonia-Rübenfäule lässt sich nie vollständig ausschalten, aber ihr Schadpotenzial kann deutlich reduziert werden. Entscheidend ist ein umfassender Blick auf den gesamten Betrieb: Fruchtfolge, Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Sortenwahl, Saatgutstrategie, Feldhygiene und chemische Maßnahmen müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein. Wer nur an einer Stellschraube dreht, wird den Erreger kaum nachhaltig in den Griff bekommen.
Besonders wirkungsvoll ist es, Risikoflächen gezielt zu identifizieren und differenziert zu behandeln. Dort braucht es das volle Maßnahmenpaket – von der erweiterten Fruchtfolge über Tiefenlockerung und Drainage bis hin zu toleranten Sorten und sorgfältigem Ernterestmanagement. Auf weniger belasteten Flächen können Teile dieses Programms abgeschwächt werden, ohne den Schutz aus den Augen zu verlieren.
Die gute Nachricht: Viele der empfohlenen Strategien verbessern nicht nur die Rhizoctonia-Situation, sondern stärken den gesamten Pflanzenbau. Bessere Bodenstruktur, optimierte Wasserführung und eine kluge Fruchtfolge erhöhen Ertragssicherheit und ökologische Stabilität gleichermaßen. Rhizoctonia wird so zum Anstoß, die gesamte Bewirtschaftung kritisch zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Wer frühzeitig investiert, kontinuierlich beobachtet und bereit ist, aus eigenen und fremden Erfahrungen zu lernen, kann Zuckerrüben auch auf schwierigen Standorten erfolgreich und wirtschaftlich anbauen – mit deutlich geringerem Risiko durch Rübenfäule.
