Begonien zählen zu den vielseitigsten Zierpflanzen überhaupt: Ob als Zimmerpflanze auf der Fensterbank, als üppige Balkonbepflanzung oder als farbenfroher Bodendecker im Halbschatten – für nahezu jeden Geschmack und Standort gibt es die passende Art. Damit Begonien ihr volles Potenzial entfalten, lohnt sich ein genauer Blick auf die unterschiedlichen Sorten und ihre Ansprüche. Mit ein wenig Hintergrundwissen zu Standort, Substrat, Bewässerung und Pflanzengesundheit gedeihen sie zuverlässig und bereiten über viele Jahre Freude. Im Folgenden finden Sie fundierte, praxisnahe Experten-Tipps, mit denen Sie Ihre Begonien wie ein Profi pflanzen und pflegen können.
Die schönsten Begonien-Arten für Haus und Garten
Begonien bilden eine riesige Pflanzengattung mit hunderten Arten und unzähligen Sorten. Grob unterscheiden Gärtner zwischen Blattbegonien, Knollenbegonien und immerblühenden Begonien. Jede Gruppe bringt eigene Stärken mit: Während Blattbegonien vor allem durch spektakuläre Blattzeichnungen bestechen, punkten Knollenbegonien mit besonders großen und farbintensiven Blüten. So findet sich für nahezu jeden Gestaltungswunsch die passende Variante – von elegant bis verspielt.
Blattbegonien, etwa die Rex-Begonien, sind ideale Zimmerpflanzen für helle, aber nicht sonnige Standorte. Ihre Blätter schillern in Silber, Bordeaux, Dunkelgrün oder fast Schwarz und wirken fast wie gemalt. Sie blühen eher unscheinbar, sind dafür aber das ganze Jahr über dekorativ. Wer Wert auf außergewöhnliche Blattstrukturen legt, kann gezielt nach Sorten mit gewellten, gedrehten oder spiralig eingerollten Blättern suchen.
Knollenbegonien (Begonia × tuberhybrida) sind hingegen die Stars im Balkon- und Beetbereich. Sie bilden aus verdickten Knollen jedes Jahr aufs Neue üppige Blütenkaskaden, die von reinem Weiß bis zu kräftigem Orange, Rot oder Pink reichen. Besonders beliebt sind hängende Sorten für Balkonkästen oder Ampeln, die beeindruckende „Blütenwasserfälle“ bilden. In milden Regionen lassen sich Knollen überwintert über viele Jahre kultivieren.
Ebenfalls häufig anzutreffen sind die immerblühenden Eis-Begonien (Begonia semperflorens). Sie kommen mit leichten Pflegefehlern gut zurecht und eignen sich hervorragend für Einfassungen, Grabstellen oder Balkonkästen in halbschattiger Lage. Ihre kleinen, dafür umso zahlreicheren Blüten erscheinen vom Frühling bis in den Herbst. Kombiniert man unterschiedliche Farben und Blattfärbungen, entstehen besonders harmonische und abwechslungsreiche Pflanzbilder.
Standortwahl: Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Die Wahl des richtigen Standorts entscheidet maßgeblich über Wuchskraft, Blühfreude und Langlebigkeit Ihrer Begonien. Grundsätzlich bevorzugen die meisten Arten helles, indirektes Licht und meiden grelle Mittagssonne. Knollenbegonien und Eis-Begonien kommen im Freien mit Halbschatten bis lichtem Schatten am besten zurecht. Für Blattbegonien im Zimmer sind Ost- oder Westfenster ideal, Südfenster nur mit Vorhängen oder etwas Abstand. Zu wenig Licht führt zu langem, dünnem Wuchs und reduzierter Blatt- oder Blütenbildung.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Begonien sind insgesamt wärmeliebend und fühlen sich bei 18–24 °C besonders wohl. Kurzzeitige Temperaturabfälle im Herbst oder Frühling werden toleriert, doch Dauerwerte unter 12–15 °C schwächen die Pflanzen erheblich. Besonders empfindlich reagieren viele Sorten auf kalte Zugluft an Fenstern oder Türen. Im Sommer hingegen vertragen sie Wärme recht gut, solange das Substrat nicht völlig austrocknet und die Luftfeuchtigkeit nicht extrem niedrig ist.
Gerade in beheizten Innenräumen kann trockene Heizungsluft zum Problem werden. Dies zeigt sich häufig durch braune Blattränder oder eingerollte Blätter. Eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit durch Luftbefeuchter, Schalen mit Wasser oder das Gruppieren mehrerer Pflanzen kann Abhilfe schaffen. Wichtig ist aber, nicht direkt auf die Blätter zu sprühen, da dies Pilzkrankheiten fördern kann – besser ist eine indirekte Erhöhung der Umgebungsluftfeuchte.
Übersicht: Standortanforderungen ausgewählter Begonien-Arten
| Begonien-Typ | Lichtbedarf | Temperatur (optimal) | Luftfeuchtigkeit |
|---|---|---|---|
| Blattbegonien (Rex) | Hell, kein direktes Sonnenlicht | 18–22 °C | Hoch, keine Sprühduschen |
| Knollenbegonien | Halbschatten, Morgen-/Abendsonne | 18–24 °C | Mittel bis hoch |
| Eis-Begonien | Halbschatten, auch etwas Sonne | 16–24 °C | Mittel, robust |
| Zimmerbegonien allg. | Hell bis halbschattig | 18–24 °C | Mittel bis hoch |
Praxis-Tipps für den optimalen Standort:
- Platzieren Sie Begonien nicht direkt über Heizkörpern oder in unmittelbarer Zugluft.
- Drehen Sie Topfpflanzen alle paar Wochen leicht, damit sie gleichmäßig wachsen.
- Beobachten Sie Blätter: Blass, langgestreckt = zu dunkel; verbrannt, fleckig = zu sonnig.
- Im Sommer können Zimmerbegonien halbschattig auf Balkon/Terrasse „Urlaub“ machen.
Richtig pflanzen: Erde, Gefäßwahl und Umtopfen
Damit Begonien kräftig und gesund wachsen, benötigen sie ein luftiges, gleichzeitig aber gleichmäßig feuchtes Substrat. Schwere Gartenerde ist ungeeignet und führt schnell zu Staunässe und Wurzelfäule. Ideal ist eine hochwertige, strukturstabile Blumenerde, die mit 20–30 % Perlite, Blähtonbruch oder grobem Sand aufgelockert wird. Für besonders empfindliche Arten lässt sich auch eine Mischung aus Einheitserde, etwas Kokosfaser und wenig Rindenhumus verwenden. Wichtig: Das Substrat sollte schwach bis mäßig vorgedüngt sein.
Die Wahl des passenden Gefäßes hat großen Einfluss auf die Wurzelgesundheit. Begonien bevorzugen eher breite als extrem tiefe Töpfe, da sie flacher wurzeln als andere Zierpflanzen. Töpfe und Balkonkästen müssen unbedingt ausreichend große Abzugslöcher besitzen. Eine Drainageschicht aus Blähton oder grobem Kies am Boden des Gefäßes ist besonders bei Knollenbegonien sinnvoll, um Staunässe vorzubeugen. Helle Töpfe heizen sich in der Sonne weniger stark auf als dunkle.
Beim Einpflanzen oder Umtopfen ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn die Wurzeln sind vergleichsweise fein und empfindlich. Wählen Sie das neue Gefäß nur eine Nummer größer als das alte, um die Wasseraufnahme im Griff zu behalten. Die Pflanze wird so eingesetzt, dass der Wurzelballen bündig mit der Substratoberfläche abschließt; Begonien sollten weder tiefer noch höher gesetzt werden. Anschließend das Substrat vorsichtig andrücken und einmal gründlich, aber nicht „flutend“ angießen.
Checkliste: So pflanzen und topfen Sie Begonien richtig
-
Substrat vorbereiten:
- Lockere, durchlässige Blumen- oder Kübelpflanzenerde wählen
- 20–30 % Perlite, Blähton oder groben Sand untermischen
- Auf gute Wasserspeicherfähigkeit ohne Staunässe achten
-
Gefäßwahl & Drainage:
- Topf mit Abzugslöchern, eher breit als extrem tief
- 2–3 cm Drainageschicht aus Blähton/Kies einfüllen
- Untersetzer regelmäßig von überschüssigem Wasser befreien
-
Umtopfen & Pflanzzeit:
- Zimmerbegonien alle 1–2 Jahre im Frühjahr umtopfen
- Knollenbegonien im Frühjahr in frische Erde setzen
- Zu dicht stehende Pflanzen vorsichtig teilen und neu setzen
-
Nachsorge:
- Nach dem Umtopfen zwei Wochen nur moderat gießen
- In dieser Zeit noch nicht düngen
- Vor direkter Mittagssonne vorübergehend schützen
Gießen, Düngen & Schneiden: Pflege wie vom Profi
Begonien mögen es gleichmäßig leicht feucht, vertragen aber keine nassen Füße. Lassen Sie die oberste Substratschicht vor dem nächsten Gießen leicht antrocknen, ohne dass der Ballen komplett austrocknet. Die Fingerprobe ist hier das beste Hilfsmittel: Fühlt sich die Erde in 1–2 cm Tiefe trocken an, wird gegossen. Verwenden Sie idealerweise zimmerwarmes, kalkarmes Wasser (gefiltert oder abgestanden). Bei Topf- und Balkonpflanzen ist das Gießen von unten – in den Untersetzer – oft schonender für Blätter und Blüten.
Beim Düngen zeigt sich: Weniger ist meist mehr. Während der Hauptwachstums- und Blütezeit von Frühling bis Spätsommer genügt es, alle 2 Wochen einen flüssigen Volldünger in schwacher Konzentration über das Gießwasser zu verabreichen. Stark blühende Knollen- und Eis-Begonien profitieren von einem Blühpflanzendünger mit leicht erhöhtem Kaliumanteil. Im Herbst und Winter wird die Düngung deutlich reduziert oder ganz pausiert, insbesondere bei Ruhezeit der Knollenbegonien.
Auch ein gelegentlicher Pflegeschnitt trägt viel zur Vitalität bei. Entfernen Sie verblühte Blütenstände regelmäßig („ausputzen“), damit die Pflanze nicht unnötig Kraft in Samenbildung investiert. Gelbe, kranke oder vertrocknete Blätter werden direkt an der Basis mit einer sauberen, scharfen Schere abgeschnitten. Langtriebige Zimmerbegonien können leicht zurückgeschnitten werden, um buschigeren Wuchs und mehr Seitentriebe anzuregen.
Eine besondere Maßnahme betrifft Knollenbegonien im Herbst: Sobald das Laub vergilbt und einzieht, wird die Wassergabe schrittweise reduziert, bis die oberirdischen Teile vollständig vertrocknet sind. Die Knollen können dann aus der Erde genommen, gereinigt und kühl, dunkel und trocken überwintert werden. Im nächsten Frühjahr werden sie wieder in frisches Substrat gesetzt – so genießen Sie jahrelang prachtvolle Blüten, ohne jedes Jahr neu kaufen zu müssen.
Häufige Krankheiten, Schädlinge und ihre Vorbeugung
Begonien sind grundsätzlich robust, können aber bei Pflegefehlern oder ungünstigen Bedingungen anfällig für verschiedene Krankheiten werden. Besonders verbreitet ist der Echte Mehltau, der sich als weißlicher, mehlartiger Belag auf den Blättern zeigt. Ursache sind häufig zu trockene Luft bei gleichzeitig warmer Umgebung und zeitweiliger Blattnässe. Auch Grauschimmel (Botrytis) tritt gerne auf, wenn es zu feucht und zu stickig ist. Braun-schwarze Flecken und ein grauer Sporenbelag sind hier typisch.
Zur besseren Übersicht sind die wichtigsten Probleme und Gegenmaßnahmen in der folgenden Tabelle zusammengefasst:
| Problem / Schaderreger | Typische Symptome | Hauptursache | Vorbeugung & Gegenmaßnahmen |
|---|---|---|---|
| Echter Mehltau | Weißer, mehlartiger Belag auf Blättern | Warme, trockene Luft, Blattnässe | Blätter trocken halten, luftiger stellen, ggf. Fungizid einsetzen |
| Grauschimmel (Botrytis) | Grauer Schimmelbelag, faulige Stellen | Dauerfeuchte, zu wenig Luftbewegung | Staunässe vermeiden, Blätter nicht besprühen, befallene Teile entfernen |
| Wurzelfäule | Welke trotz feuchter Erde, fauliger Geruch | Staunässe, schwere Erde | Durchlässiges Substrat, vorsichtig gießen, Drainage |
| Blattläuse | Verformte, klebrige Blätter | Geschwächte Pflanzen, trockene Luft | Mit Wasser abspülen, Nützlinge fördern, Neempräparate |
| Thripse | Silbrige Sprenkel, schwarze Kotpunkte | Trockene Luft, gestresste Pflanzen | Luftfeuchtigkeit erhöhen, Gelbtafeln, Insektizid nach Bedarf |
| Spinnmilben | Gespinste, punktierte Blätter | Sehr trockene Luft, Hitze | Luftfeuchte erhöhen, abbrausen, Akarizide bei Starkbefall |
Neben Pilzkrankheiten und Wurzelfäule durch Staunässe setzen vor allem saugende Schädlinge wie Blattläuse, Thripse und Spinnmilben den Pflanzen zu. Begonien mit geschwächter Vitalität – z.B. durch falschen Standort, Nährstoffmangel oder Trockenstress – sind deutlich anfälliger. Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten und Triebspitzen ermöglicht ein frühzeitiges Eingreifen. Bei leichtem Befall helfen oft schon ein kräftiges Abbrausen unter lauwarmem Wasser oder das Abwischen mit einem weichen, feuchten Tuch.
Vorbeugung ist immer einfacher als Bekämpfung. Sorgen Sie für gute Luftzirkulation, ohne Zugluft zu erzeugen, und vermeiden Sie dauerhafte Blattnässe. Gießen Sie lieber maßvoll, aber regelmäßig, statt die Pflanzen abwechselnd austrocknen zu lassen und dann zu „ertränken“. Ein angemessener Pflanzabstand – besonders im Beet und Balkonkasten – reduziert das Risiko von Pilzinfektionen deutlich. Darüber hinaus stärkt eine angepasste Düngung die Widerstandskraft der Pflanzen.
Ein weiterer Expertentipp: Nutzen Sie bei Schädlingsproblemen möglichst zuerst biologische und mechanische Methoden, bevor Sie zur Chemie greifen. Nützlinge wie Marienkäferlarven gegen Blattläuse oder Raubmilben gegen Spinnmilben sind im Handel erhältlich und sehr effektiv. Pflanzenstärkende Mittel auf Basis von Schachtelhalmextrakt oder Algenpräparaten unterstützen das Gewebe der Begonien zusätzlich. So bleiben Ihre Pflanzen langfristig gesund, ohne das ökologische Gleichgewicht zu sehr zu belasten. 🌿🕵️♀️🐞
Begonien sind weit mehr als bloße „Lückenfüller“ für schattige Ecken: Mit der richtigen Auswahl, einem gut abgestimmten Standort und einigen gezielten Pflegegriffen entfalten sie beeindruckende Blatt- und Blütenpracht – im Zimmer ebenso wie im Garten oder auf dem Balkon. Wer auf durchlässiges Substrat, maßvolles Gießen, angepasste Düngung und gute Luftverhältnisse achtet, beugt zugleich vielen Krankheiten und Schädlingen wirksam vor. So werden Begonien zu langlebigen, zuverlässigen Begleitern, die Saison für Saison mit Farben, Formenvielfalt und üppigem Wuchs belohnen.
