Holunder, im Volksmund auch „Holler“ genannt, gehört zu den traditionsreichsten Sträuchern in unseren Gärten. Seit Jahrhunderten schätzen Menschen seine duftenden Blüten, die aromatischen Beeren und seine Bedeutung in Volksmedizin und Brauchtum. Gleichzeitig ist Holunder robust, genügsam und lässt sich mit etwas Wissen leicht im eigenen Garten oder sogar im Kübel kultivieren. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige zur Blütezeit, den besten Arten für Garten und Balkon sowie zu den einfachsten Möglichkeiten, Holunder erfolgreich zu vermehren.
Holunder im Porträt: Bedeutung und Verwendung
Holunder (Sambucus) ist eine eigene Pflanzengattung, von der vor allem der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) in Mitteleuropa weit verbreitet ist. Er wächst als Großstrauch oder kleiner Baum, erreicht oft drei bis sieben Meter Höhe und kann mehrere Jahrzehnte alt werden. Charakteristisch sind die gegenständigen gefiederten Blätter, die großen, flachen, cremeweißen Blütendolden sowie die schwarzvioletten, glänzenden Beeren im Spätsommer. Durch seine Vitalität und Schnittverträglichkeit lässt sich Holunder gut als Solitärstrauch, Hecke oder Sichtschutz verwenden.
Kulturell spielt Holunder eine bemerkenswerte Rolle: Früher galt er als Schutzbaum des Hauses, unter dem man den „Hausgeist“ vermutete. Viele Bauernhöfe pflanzten bewusst einen Holunder nahe dem Eingang, um Unglück und Blitzschlag fernzuhalten. Reste dieses Aberglaubens finden sich bis heute in Redewendungen und Bräuchen. Auch in der Küche war Holunder lange ein wichtiger Begleiter, vor allem in Regionen mit starkem Selbstversorger-Hintergrund.
Die Verwendungsmöglichkeiten sind erstaunlich vielseitig: Die Blüten werden zu Sirup, Holundersekt, Gelee oder in Bierteig ausgebackenen Hollerküchlein verarbeitet. Aus den Beeren lassen sich Säfte, Mus, Liköre, Wein und Färbemittel herstellen. Wichtig: Die rohen Beeren sind wegen des Inhaltsstoffs Sambunigrin leicht giftig und sollten immer gekocht oder erhitzt werden; das gilt insbesondere für Kinder.
Auch in der Volksmedizin hat Holunder einen festen Platz: Blüten- und Beerentees werden traditionell bei Erkältungen, Fieber und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Die enthaltenen Flavonoide, ätherischen Öle und Vitamine machen ihn zu einem beliebten Hausmittel, auch wenn wissenschaftliche Belege nicht alle Überlieferungen bestätigen. Darüber hinaus dient Holunder als wertvolle Vogelnährpflanze – seine Blüten bieten Insekten Nektar, und die Beeren sind ein wichtiger Energiespender für zahlreiche Vogelarten.
Blütezeit von Holunder: Wann und wie er blüht
Holunder blüht je nach Region in Mitteleuropa in der Regel zwischen Ende Mai und Mitte Juli. In milden, geschützten Lagen kann die Blüte bereits im Mai beginnen, während in höheren oder kühleren Regionen der Juni als Hauptblütezeit gilt. Entscheidend sind vor allem Witterung und Standort: Ein sonniger Platz und ein warmer Frühling verfrühen die Blüte, während kühle, windige Lagen sie verzögern. Auch die gewählte Sorte kann den Blühzeitpunkt leicht verschieben.
Während der Blütezeit zeigt der Holunder eindrucksvolle, bis zu 20 Zentimeter große, flache Dolden aus zahlreichen kleinen, sternförmigen, cremeweißen Blüten. Der süßlich-aromatische Duft lockt unzählige Bienen, Schwebfliegen und andere Bestäuber an. Die Blütezeit ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch der wichtigste Zeitpunkt für die Ernte der Blütendolden, etwa zur Herstellung von Sirup oder zum Trocknen für Tee. Dabei sollten Sie stets nur makellose, voll aufgeblühte Dolden ernten.
Die Blüten entwickeln sich an den einjährigen Trieben, die im Vorjahr gebildet wurden. Das ist wichtig für den richtigen Schnitt: Werden alle jüngeren Triebe stark eingekürzt, fällt die Blüte im nächsten Jahr deutlich schwächer aus. Aus den bestäubten Blüten entstehen im Verlauf des Sommers die typischen, hängenden Beerendolden, die sich von grün über rot zu tiefschwarz färben. Auch hier spielt der Zeitpunkt der Blüte eine Rolle, denn er bestimmt, wann die Beeren reif sind.
Überblick zur Blütezeit je nach Region und Lage:
| Region / Lage | Typischer Blühbeginn | Hauptblüte | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Tieflagen (mildes Klima) | Ende Mai | Anfang–Mitte Juni | Sehr frühe Blüte in warmen Frühjahren |
| Mittlere Lagen | Anfang Juni | Mitte–Ende Juni | Übliche Blütezeit im Flachland |
| Höhere Lagen / raues Klima | Mitte Juni | Ende Juni–Juli | Blüte deutlich verzögert |
| Stadtlagen (Wärmeinsel) | Ende Mai | Anfang–Mitte Juni | Straßenwärme fördert frühe Blüte |
Die besten Holunderarten für Garten und Balkon
Für Hausgärten hat sich vor allem der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) durchgesetzt, da er sowohl attraktive Blüten als auch aromatische Beeren liefert. Daneben existieren zahlreiche Sorten mit besonderem Laub- oder Blütenschmuck, die den Strauch zu einem echten Blickfang machen. Hinzu kommen andere Holunderarten wie der Rote Holunder (Sambucus racemosa) oder der Kanadische Holunder (Sambucus canadensis), die allerdings teils andere Standortansprüche haben. Für den Balkon eignen sich vor allem kompakte, schwächer wachsende Züchtungen.
Bei der Auswahl der Holundersorte sollten Sie sich zunächst fragen, ob Ihr Fokus auf Zierwert, Ertrag oder beidem liegt. Es gibt starkwüchsige, ertragsreiche Sorten mit großen Beerendolden, die speziell für Saft und Verarbeitung gezüchtet wurden. Andere stechen vor allem durch ihre dunkle, fast schwarze Blattfarbe oder durch rosafarbene Blüten hervor. Wer wenig Platz hat, profitiert von schwach wachsenden oder säulenförmigen Sorten, die auch im großen Kübel gut zurechtkommen.
Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, finden Sie hier eine Übersicht beliebter Arten und Sorten mit ihren wichtigsten Merkmalen. So erkennen Sie schnell, welche Variante am besten zu Ihrem Garten oder Balkon passt. Beachten Sie, dass starkwüchsige Sorten genügend Abstand zu Mauern, Wegen und Nachbargrundstücken brauchen, da Holunder sich bei guten Bedingungen gerne ausbreitet. Balkon-Sorten dagegen bleiben kompakt und lassen sich gut im Zaum halten.
Beliebte Holunderarten und -sorten im Überblick:
- Sambucus nigra (Schwarzer Holunder) – Klassiker für Garten und Landschaft; weiße Blüten, schwarze Beeren, robust und ertragreich.
- S. nigra ‘Haschberg’ – starkwüchsige, bewährte Ertragssorte mit großen Dolden und hohem Saftgehalt; ideal für Saft und Sirup.
- S. nigra ‘Black Lace’ (auch ‘Eva’) – feinfiedriges, dunkelpurpurnes Laub, rosa Blüten; sehr dekorativ, mittlerer Ertrag.
- S. nigra ‘Black Beauty’ – fast schwarzes Laub und rosa Blüten, intensiver Duft; vor allem Zierwert, Beeren dennoch nutzbar.
- S. nigra ‘Golden Tower’ – säulenförmiger Wuchs, gelbgrünes Laub, für kleine Gärten und Kübel geeignet.
- Sambucus racemosa (Roter Holunder) – eher Ziergehölz, rote Beeren, früher Austrieb, liebt eher kühlere, feuchtere Standorte.
- Sambucus canadensis – nordamerikanische Art, sehr ertragreich, teils boden- und klimaanspruchsvoll, in milden Lagen interessant.
Blütezeit von Holunder: Wann und wie er blüht
Oops, dieser Absatz wurde bereits oben behandelt – im Rahmen einer strukturierten Darstellung zum Blühverhalten. Um Dopplungen zu vermeiden, fahren wir im vorgesehenen Aufbau mit dem nächsten Abschnitt zur Standortwahl fort.
Standortwahl: Wo Holunder am liebsten gedeiht
Holunder gilt als anpassungsfähig, dankt Ihnen aber einen gut gewählten Standort mit reicher Blüte und Ernte. Am liebsten steht er sonnig bis halbschattig, wobei ein vollsonniger Platz die Blütenbildung und Zuckerbildung in den Beeren fördert. In zu schattigen Lagen fällt die Blüte meist spärlicher aus, und das Wachstum kann sich langtriebig und locker entwickeln. Leichter Halbschatten durch lockere Bäume oder Sträucher ist dagegen unproblematisch.
Beim Boden zeigt sich Holunder relativ tolerant, bevorzugt jedoch nährstoffreiche, humose und gut durchlässige Substrate. Ein frischer, leicht feuchter Boden ohne Staunässe ist ideal. Sehr leichte, sandige Böden sollten mit reichlich Kompost und organischem Material verbessert werden, damit sie Wasser und Nährstoffe besser halten. Schwere Lehmböden profitieren von Sand, Splitt und strukturstabiler organischer Substanz, um Verdichtungen zu vermeiden.
Holunder verträgt kurzzeitige Trockenheit, vor allem wenn er bereits gut eingewurzelt ist. In den ersten Standjahren und bei Topfkultur ist jedoch auf eine gleichmäßige Wasserversorgung zu achten. Windfeste Lagen sind von Vorteil, insbesondere für hoch wachsende Exemplare: Schwere Beerendolden und nasse Blüten können die Triebe belasten, sodass starke Böen leicht zu Astbruch führen. Ein leicht geschützter Platz etwa vor einer Hecke oder Mauer ist daher ideal.
Auch ökologische Aspekte sprechen für Holunder im Garten: Er ist eine ausgezeichnete Bienen- und Vogelpflanze und bereichert jede naturnahe Bepflanzung. Wer Platz hat, setzt Holunder als Teil einer gemischten Hecke mit weiteren Wildgehölzen wie Hagebutte, Schlehe oder Kornelkirsche. In kleinen Gärten oder auf dem Balkon sollte man hingegen kompakte Sorten wählen und auf ausreichend Wurzelraum im Topf achten, um ein gesundes Wachstum zu ermöglichen.
Holunder pflanzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die beste Pflanzzeit für Holunder ist im Herbst (Oktober bis November) oder im zeitigen Frühjahr (März bis April), solange der Boden frostfrei ist. Herbstpflanzung hat den Vorteil, dass die Wurzeln noch vor dem Winter anwachsen und der Strauch im Frühjahr direkt durchstartet. Containerpflanzen aus dem Topf können grundsätzlich fast das ganze Jahr hindurch gesetzt werden, sofern es weder zu heiß noch zu trocken ist und ausreichend gegossen wird.
Vor der Pflanzung wird die Fläche gründlich von Unkraut befreit und der Boden gelockert. Arbeiten Sie großzügig Kompost oder gut verrotteten Stallmist ein, um den Nährstoff- und Humusgehalt zu erhöhen. Das Pflanzloch sollte mindestens doppelt so breit und tief wie der Wurzelballen sein. Topfholunder wässern Sie vor dem Einsetzen einige Minuten in einem Eimer Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Pflanzschritte im Überblick:
| Schritt | Maßnahme | Hinweis |
|---|---|---|
| 1 | Standort wählen | Sonnig bis halbschattig, humoser Boden |
| 2 | Boden vorbereiten | Lockern, Unkraut entfernen, Kompost einarbeiten |
| 3 | Pflanzloch ausheben | Mind. 2× so breit/tief wie der Wurzelballen |
| 4 | Wurzelballen wässern | 5–10 Minuten im Wasserbad |
| 5 | Holunder einsetzen und ausrichten | Oberkante Ballen auf Bodenniveau |
| 6 | Pflanzloch mit Erde füllen, gut antreten | Luftlöcher vermeiden |
| 7 | Angießen und Gießrand formen | Kräftig wässern, Erdwall um die Pflanze |
| 8 | Mulchen (z.B. mit Rindenhumus, Grasschnitt) | Hält Feuchtigkeit und hemmt Unkraut |
Nach dem Pflanzen ist ein Pflanzschnitt sinnvoll, vor allem bei wurzelnackten oder stark verzweigten Exemplaren. Kürzen Sie die Triebe um etwa ein Drittel ein, um das Anwachsen zu fördern und einen harmonischen Aufbau des Strauchs anzustoßen. Bei Containerpflanzen mit bereits gutem Kronenaufbau kann der Schnitt moderater ausfallen. In den ersten Wochen nach der Pflanzung ist regelmäßiges Gießen entscheidend.
In Kübelkultur verwenden Sie eine hochwertige, humose Pflanzerde, gemischt mit etwas Gartenerde und Kompost, um Strukturstabilität zu gewährleisten. Achten Sie auf ein großes Gefäß mit Abzugslöchern und einer Drainageschicht aus Blähton oder grobem Kies. Holunder wächst rasch; daher sollte der Kübel anfangs nicht zu klein gewählt werden, und etwa alle zwei bis drei Jahre steht ein Umtopfen oder ein Rückschnitt der Wurzeln an.
Pflege von Holunder: Gießen, Düngen und Schneiden
Holunder ist nach dem Anwachsen relativ pflegeleicht. In normalen Gartenböden reicht in der Regel der natürliche Niederschlag aus, wobei junge Pflanzen und Topfholunder in Trockenperioden zusätzlich gewässert werden müssen. Gießen Sie lieber seltener, dafür durchdringend, damit das Wasser auch in tiefere Bodenschichten gelangt. Dauerhafte Staunässe ist zu vermeiden, da sie Wurzelfäule begünstigt.
Bei der Nährstoffversorgung genügt es meist, den Bereich unter der Krone einmal jährlich im Frühjahr mit reifem Kompost oder organischem Beerendünger zu versorgen. Zwei bis drei Liter Kompost pro Quadratmeter Wurzelbereich sind ein guter Richtwert. Starkwüchsige Sorten und Kübelpflanzen können zusätzlich gegen Sommermitte eine leichte Nachdüngung erhalten. Chemisch-mineralische Volldünger sind selten nötig und können das Wachstum unnötig in die Höhe treiben.
Der Schnitt spielt beim Holunder eine wichtige Rolle, um Blühfreude, Ertrag und Form zu erhalten. Da Holunder an einjährigen Trieben blüht, sollten ältere, vergreiste Äste regelmäßig entfernt werden. Alle zwei bis drei Jahre bietet sich ein Auslichtungsschnitt im Spätwinter an: Entfernen Sie ein bis zwei der ältesten, dicksten Triebe bodennah und fördern Sie junge, kräftige Triebe. So bleibt der Strauch vital und licht im Aufbau.
Bei stark vergreisten Exemplaren ist ein Verjüngungsschnitt möglich, bei dem der Strauch deutlich zurückgesetzt wird. Holunder treibt in der Regel gut aus der Basis wieder aus. Nach solch einem Radikalschnitt kann die Blüte ein bis zwei Jahre eingeschränkt sein, langfristig zahlt er sich aber mit kräftigem Neuaustrieb aus. Bei Kübelholunder achten Sie außerdem darauf, regelmäßig zu formen und überlange Triebe leicht einzukürzen, um ein ausgewogenes Kronenbild zu erhalten.
Holunder vermehren: Steckhölzer richtig gewinnen
Die Vermehrung über Steckhölzer ist die einfachste und zugleich zuverlässigste Methode, Holunder sortenecht zu vervielfältigen. Der ideale Zeitpunkt dafür ist der Spätwinter bis zum sehr frühen Frühling, bevor der Austrieb beginnt. Dann befinden sich die Ruten in Winterruhe, und das Holz ist ausgereift. Steckhölzer sind etwa 15–20 Zentimeter lange Abschnitte einjähriger, kräftiger Triebe, die zu dieser Zeit problemlos gewonnen werden können.
Wählen Sie zur Gewinnung der Steckhölzer gesunde, gut ausgereifte Triebe ohne Erkrankungen oder Frostschäden. Schneiden Sie diese in Teilstücke mit mindestens zwei bis vier Knospen (Augen). Der untere Schnitt sollte knapp unter einem Auge gerade erfolgen, der obere Schnitt ein bis zwei Zentimeter über einem Auge leicht schräg. So erkennen Sie später, wo „oben“ und „unten“ ist und vermeiden ein versehentliches Verkehrtherum-Pflanzen.
Stecken Sie die vorbereiteten Hölzer entweder direkt ins Freiland an einem geschützten, nicht zu sonnigen Platz oder in Kisten und Töpfe mit einem lockeren Substrat aus Gartenerde und Sand. Wichtig ist, dass mindestens ein bis zwei Augen im Boden sitzen und ein bis zwei Augen herausschauen. Halten Sie das Substrat leicht feucht, aber nicht nass. Über die nächsten Wochen bilden sich an den Schnittstellen Wundgewebe und schließlich neue Wurzeln.
Im Laufe des Frühjahrs treiben die bewurzelten Steckhölzer aus und entwickeln erste Blätter. Belassen Sie sie zunächst am Anzuchtort und schützen Sie sie bei Spätfrost gegebenenfalls mit Vlies oder einer leichten Abdeckung. Im nächsten Herbst oder Frühjahr können die Jungpflanzen an ihren endgültigen Standort versetzt werden. Achten Sie beim Auspflanzen darauf, den zarten Wurzelballen möglichst wenig zu beschädigen, und versorgen Sie die jungen Holunder mit ausreichend Wasser.
Holunder aus Samen ziehen: So gelingt die Anzucht
Die Aussaat von Holunder ist vor allem bei Wildarten oder für experimentierfreudige Gärtner interessant. Anders als bei Steckhölzern erhält man bei Samenanzucht keine sortenechten Nachkommen; die Sämlinge können sich in Wuchs, Blüte und Ertrag deutlich von der Mutterpflanze unterscheiden. Für Spezialsorten und gezielte Eigenschaften sind daher Steckhölzer die bessere Wahl. Wer jedoch eine robuste Wildfassung etablieren möchte, kann durchaus zur Samenmethode greifen.
Holundersamen benötigen in vielen Fällen eine Kälteperiode (Stratifikation), um keimbereit zu werden. Am einfachsten ist die Aussaat im Spätherbst im Freiland in Saatschalen oder einem separaten Beet. Säen Sie die gesäuberten, von Fruchtfleisch befreiten Samen in ein lockeres, humoses Substrat, decken Sie sie nur dünn mit Erde ab und halten Sie die Fläche leicht feucht. Über den Winter durchlaufen die Samen die benötigte Kältephase, und im Frühjahr zeigen sich die ersten Keimlinge.
Alternativ ist eine Kaltstratifikation im Kühlschrank möglich. Dazu werden die gesäuberten Samen mit leicht feuchtem Sand in einen Beutel oder ein Gefäß gegeben und für sechs bis zwölf Wochen bei etwa 2–5 °C gelagert. Anschließend säen Sie die vorbehandelten Samen in Töpfe oder Schalen mit Anzuchterde aus, stellen sie hell, aber nicht vollsonnig und halten das Substrat gleichmäßig feucht. Die Keimung kann sich je nach Bedingungen über mehrere Wochen hinziehen.
Sobald die Sämlinge einige echte Blätter entwickelt haben, können sie vereinzelt und in eigene Töpfe umgesetzt werden. Wichtig ist, dass sie langsam an Freilandbedingungen gewöhnt werden (abhärten), bevor sie dauerhaft ins Beet gepflanzt werden. Rechnen Sie damit, dass es einige Jahre dauert, bis aus samenvermehrten Holundern vollwertige Sträucher mit nennenswerter Blüte und Fruchtbildung geworden sind. Für ein schnelles Ergebnis im Nutzgarten bleibt die Steckholzvermehrung daher die erste Wahl.
Häufige Probleme und Krankheiten beim Holunder
Holunder gilt im Allgemeinen als robust, kann jedoch – wie jedes Gehölz – von Schädlingen und Krankheiten befallen werden. Häufig sieht man im Sommer Blattläuse, die sich an jungen Trieben und Blattunterseiten ansiedeln. Ein starker Befall führt zu eingerollten Blättern und klebrigem Honigtau. In vielen Fällen reguliert sich der Befall jedoch von selbst durch natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer und Schlupfwespen, sodass ein Eingreifen oft nicht nötig ist.
Pilzliche Erkrankungen wie Mehltau oder Blattfleckenkrankheiten treten gelegentlich in feuchten Jahren auf. Sie äußern sich durch weiße Beläge auf den Blättern oder braune, nekrotische Flecken. Eine luftige Kronenstruktur, ein nicht zu nasser Standort und das Vermeiden von Überkopfbewässerung helfen vorbeugend. Stark befallene Triebe oder Blätter können ausgeschnitten und über den Hausmüll entsorgt werden, um die Ausbreitung zu begrenzen.
Ein weiteres Thema sind Wurzel- und Stammschäden durch Staunässe oder Frost. Bei dauerhaft zu nassen Böden können Wurzeln absterben, der Strauch kümmert, zeigt einseitig vertrocknende Triebe oder bricht bei Wind leichter. Abhilfe schafft eine Bodenverbesserung mit Drainagematerialien und ein leicht erhöhter Pflanzstandort. Frostschäden zeigen sich vor allem nach sehr kalten, schneearmen Wintern, insbesondere an spät gepflanzten oder geschwächten Exemplaren.
Auch tierische Besucher wie Mäuse können jungen Holunder an den Wurzeln anknabbern. Ein Drahtkorb als Wurzelschutz bei der Pflanzung in gefährdeten Lagen kann hier vorbeugend wirken. Insgesamt ist Holunder jedoch selten lebensbedrohlich betroffen; die meisten Probleme lassen sich durch standortgerechte Pflege, regelmäßigen Auslichtungsschnitt und maßvolle Düngung vermeiden. Ein vitaler, gut versorgter Holunder steckt kleinere Krankheiten meist problemlos weg.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Holunder
Zum Abschluss noch ein kompakter Überblick über häufige Praxisfragen – damit Ihr Holunder im Garten oder auf dem Balkon richtig durchstarten kann. 🌿
1. Ist Holunder giftig?
Die rohen Beeren des Schwarzen Holunders können aufgrund des Inhaltsstoffs Sambunigrin leicht giftig wirken und zu Übelkeit oder Bauchschmerzen führen, vor allem bei Kindern. Durch Erhitzen (Kochen) wird der Stoff weitgehend abgebaut, sodass Konfitüren, Säfte und Gelees unbedenklich sind. Die Blüten gelten in üblichen Verzehrmengen als unproblematisch.
2. Wie schnell wächst Holunder?
Holunder gehört zu den schnellwachsenden Gehölzen und kann pro Jahr 50–80 Zentimeter, teils sogar mehr, zulegen. Bereits wenige Jahre nach der Pflanzung hat er eine stattliche Größe erreicht. Diese Wuchskraft ist ideal für Sichtschutz, verlangt aber auch regelmäßigen Schnitt, wenn der Strauch nicht zu groß werden soll.
3. Eignet sich Holunder für den Balkon?
Ja, sofern Sie eine geeignete, eher kompakt wachsende Sorte wählen und einen ausreichend großen Kübel bereitstellen (mindestens 30–40 Liter Volumen). Wichtig sind eine qualitativ gute, humose Erde, eine zuverlässige Wasserversorgung und ein sonniger bis halbschattiger Standort. Regelmäßiger Rückschnitt hält den Holunder im Topf in Form. 🌸
4. Wann ist die beste Zeit, Holunderblüten und -beeren zu ernten?
Blüten erntet man an trockenen, sonnigen Tagen während der Vollblüte, meist im Juni, wenn die Dolden vollständig geöffnet sind und intensiv duften. Die Beeren sind reif, wenn sie sich gleichmäßig tiefschwarz verfärbt haben und beim leichten Drücken Saft austritt – je nach Region zwischen Ende August und Oktober.
5. Kann ich Holunder radikal zurückschneiden?
Holunder verträgt kräftige Rückschnitte vergleichsweise gut, da er stark aus der Basis neu austreibt. Ein radikaler Verjüngungsschnitt sollte jedoch im Spätwinter erfolgen, wenn kein starker Frost mehr zu erwarten ist. Rechnen Sie damit, dass die Blüte im Folgejahr schwächer ausfällt, der Strauch danach aber wieder vitaler und dichter wächst. ✂️
Holunder verbindet Tradition, Nutzen und naturnahen Gartenstil wie kaum ein anderes Gehölz. Wer seine Ansprüche an Standort und Pflege kennt, wird über viele Jahre mit reichem Blütenflor, aromatischen Beeren und einer lebendigen Tierwelt im Garten belohnt. Ob als imposanter Strauch im Garten, als kompakte Sorte im Kübel oder als kleine Hecke – mit den passenden Arten, dem richtigen Pflanzzeitpunkt und einfachen Vermehrungstechniken wie Steckhölzern steht einem „Holler“-Reichtum im eigenen Zuhause nichts im Wege.
